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Filmkritik

„House at the End of the Street“ - Das Grauen wohnt nebenan

16.01.2013 | 18:41 Uhr
„House at the End of the Street“ - Das Grauen wohnt nebenan
Elissa (Jennifer Lawrence) wohnt in „House at the End of the Street“ in gefährlicher Nachbarschaft.Foto: Universum Film/dpa

Essen.   Jennifer Lawrence spielt in „House at the End of the Street“ das Mädchen Elissa, das gemeinsam mit seiner Mutter Sarah (Elisabeth Shue) von Chicago in die amerikanische Provinz zieht. Das Haus, das sie beziehen, hatte einen günstigen Preis. Aber wer will in einer Nachbarschaft wohnen, in der einst ein Doppelmord geschah?

Gerade erst hat Jennifer Lawrence (22) mal wieder einen wichtigen Preis in der Hand gehalten. Diesmal den Golden Globe für ihre Darstellung einer depressiven Tänzerin in der schrägen Komödie „Silver Linings“. Für den Oscar war sie auch schon nominiert, damals für die Rolle eines durchsetzungsfähigen Teenagers in „Winter’s Bone“. Sie ist stark im Kommen, diese junge Dame, die einen Film nach dem anderen dreht. Ein Horrorfilm wie „House at the End of the Street“ mag da angesichts ihrer steilen Karriere im Moment wenig passen. Doch der Film von Mark Tonderai („Hush“) entstand bereits 2010 und wird nun angesichts der Prominenz seiner Hauptdarstellerin erst richtig vermarktet.

Jennifer Lawrence spielt hier das Mädchen Elissa, das gemeinsam mit seiner Mutter Sarah (Elisabeth Shue) von Chicago in ein amerikanisches Provinzkaff wechselt. Das Haus, das sie beziehen, hatte einen günstigen Preis. Aber wer will auch schon da wohnen, wo nur wenige Meter entfernt im Nachbargebäude einst ein junges Mädchen seine Eltern ermordet hat. Hinzu kommt, dass der Weg zum neuen Heim teilweise durch Waldgebiet führt und es dort ziemlich umheimlich ist.

Tonderai packt zur Eröffnung das ganze Repertoire eines Kinos des Schreckens aus und zeigt den einstigen Doppelmord in verwackelten Bildern aus der Sicht eines schwer atmenden Kindes, dessen Wahrnehmung der Umwelt etwas höchst Beunruhigendes besitzt. Wenn die Perspektive wechselt und wir die Täterin zu Gesicht bekommen, sieht man zuvorderst lange Haare, die breit über das Gesicht fallen. Erinnerungen an das japanische Horrorkino werden da wach, man denkt sofort an das langhaarige Wesen, das in „Ring“ aus einem Brunnen kriecht.

Aus der Freundschaft könnte sich auch mehr entwickeln

Danach jedoch wechselt der Film zunächst einmal vom Schauerlichen zum überraschend gut beobachteten Teenager-Drama. Elissa lernt durch einen Zufall  Ryan (Max Thieriot) kennen, den Bruder der Eltern-Killerin und noch einziger Bewohner jenes berüchtigten Todeshauses. Im Ort begegnet man ihm reserviert, spricht von ihm als Sonderling oder gar Freak. In der jungen Nachbarin jedoch findet er eine verständnisvolle Seele, die selbst derzeit unter der Isolation am neuen Wohnort leidet. Man entdeckt gemeinsame Interessen, entwickelt zunächst so etwas wie Freundschaft, möglicherweise könnte daraus auch mehr erwachsen. Elissas Mutter jedoch ist entsetzt, über den Leumund des jungen Mannes ebenso wie über die Tatsache, dass ihre Tochter plötzlich in einem Mörderhaus aus und ein geht.

Glamour bei Golden Globes

So zurückhaltend sich Regisseur Tonderai dieser Beziehung nähert und wie er sie darstellt, vergisst der Zuschauer beinahe, dass dies alles mit einem lauten Crescendo begonnen hat und zwei Menschen dabei zu Tode kamen. Aber keine Angst: Schon die grobkörnigen Erinnerungsbilder an Kindertage, die Ryan immer wieder heimsuchen, sind ein Garant dafür, dass man im letzten Drittel doch sehr schnell wieder zum eigentlichen Genre zurückfindet. Es beginnt mit der Erkenntnis des Zuschauers, dass Ryan unter der Falltür im Keller ein Geheimnis verbirgt. Und dann findet Elissa in einer Schublade auch noch den Ausweis einer völlig unbekannten jungen Frau. Die Vergangenheit, muss sie erkennen, ist noch sehr gegenwärtig. Der Film treibt derweil sein Spiel mit dem Zuschauer, indem er die Dinge fortwährend dreht. Überraschungen garantiert.

Arnold Hohmann

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