Horst Schlämmer kann Kanzler
05.08.2009 | 07:41 Uhr 2009-08-05T07:41:00+0200
Berlin/Grevenbroich. Ulk-Wahlkampf: Hape Kerkeling lässt in seiner Rolle als Kanzlerkandidat die Grenzen zwischen Fiktion und Realität verschwimmen.
Pünktlich zum Auftakt des Bundestagswahlkampfes wirft auch Hape Kerkeling alias Horst Schlämmer als Kanzlerkandidat seinen Hut in den Ring – zumindest tut er so, um geschickt für seinen neuen Film „Isch kandidiere” zu werben. Der Komiker und Medienprofi weiß, dass das im Sommerloch zündet. Zu seiner Pressekonferenz heute in Berlin waren mindestens ebenso viele Journalisten gekommen, wie die realen Konkurrenten um das Amt, Angela Merkel (CDU) und Frank-Walter Steinmeier (SPD), derzeit anziehen.
In Umfrage deutlich vor Merkel und Steinmeier
25 Jahre im Geschäft
Hape Kerkeling heißt eigentlich Hans-Peter Wilhelm Kerkeling. Der in Recklinghausen geborene, wandelbare Komiker (44) ist seit rund 25 Jahren im Geschäft. Er kann auch tiefgründig: Unter dem Titel „Ich bin dann mal weg” veröffentlichte Kerkeling 2006 ein Buch über seine Pilgerreise auf dem Jakobsweg – der Bestseller verkaufte sich über drei Millionen Mal.
Kerkeling weiß auch, dass die Satire bei manch frustriertem Wähler voll ins Schwarze trifft. Die Bild-Zeitung hat jüngst die Kanzlerfrage auch mit Kandidat Schlämmer gestellt. Da kam er bei über 26 000 Stimmen auf sensationelle 82 Prozent vor Angela Merkel (11 Prozent) und Steinmeier (7). Dabei ist er – und das gehört schon immer zu Kerkelings Alter Egos – so überzeugend in seiner Rolle, dass viele die Kunstfigur für real halten. Bei Kerkeling Programm: Mit immer neuen Figuren hat er es in seiner Karriere wieder und wieder geschafft, auch vom Medienzirkus für authentisch gehalten zu werden.
Eine seiner Sternstunden: als er 1991 als Königin Beatrix verkleidet vor dem Schloss Bellevue vorfährt und dort mit allem Pomp als der royale Gast empfangen wird. Es war nicht der einzige große Coup. Als polnischer Opernsäger trug er später einer Gruppe intellektueller Musikfans ein Stück vor, das auf den völlig sinnlosen Ausruf „Hurz!” endete. Von den Anwesenden wurde er dennoch ernsthaft diskutiert. Kerkeling damals: Es habe ihm großen Spaß bereitet, „diese Klugscheißer mal so richtig zu verarschen.”
Seine bislang erfolgreichste Figur
Jetzt also Kanzlerkandidat. Wie wir die Kunstfigur Horst Schlämmer kennen: mit grau-beigem Trenchcoat, einer schwarzen Herrenhandtasche („der Schnapper aus Nappa”) und stets einem Fläschchen Korn am Mund. Es ist seine bislang erfolgreichste Figur. Dass Hape Kerkeling weiter auf sie setzt, nur konsequent. 2006 erhielt er für seinen Schlämmer den Deutschen Fernsehpreis. Im Prominenten-Spezial der Quiz-Sendung „Wer wird Millionär” hatte er Moderator Günther Jauch kurzerhand auf den Kandidatenstuhl verbannt und selbst die Fragen gestellt.
Jetzt geht er mehr denn je in seiner Rolle auf. Seit Kerkeling die Werbetrommel für den neuen Film rührt, gibt er Interviews nur als Horst Schlämmer. „Ich habe höhere Ambitionen, ich will Bundeskanzler werden”, sagt er in Berlin in die Mikrofone. Rund 30 Kamerateams und Dutzende Journalisten verfolgen im Saal des Hotels „Ritz Carlton”, was Schlämmer, bislang stellvertretender Chefredakteur des erfundenen „Grevenbroicher Tagblatts” und nun Vorsitzender der Horst Schlämmer Partei (HSP), zu sagen hat.
Wahlversprechen: Kostenlos ins Sonnenstudio
Die HSP sei konservativ, links und liberal, „da ist für jeden was dabei”. Das fiktive Ziel: der Wahlsieg. „37 plus – wir sind drin!” Er hat viel versprechende Wahlkampfthemen: kostenlose Besuche auf der Sonnenbank und beim Schönheitschirurgen, die Auflösung der Verkehrssünderdatei in Flensburg und die Absenkung des Wahlalters auf zwölf Jahre. Dazu ein Grundeinkommen von monatlich 2500 Euro, „wie das finanziert werden soll – keine Ahnung!”
Viele Journalisten spielen mit. Auf politische Fragen ist Schlämmer nicht um Antworten verlegen. Schweinegrippe? „Nicht mit uns!” Wirtschaftskrise? „Ich will keinen Wirtschaftsminister aus unserer Partei, das macht dann einer von den Linken.” Sein „Deutschland-Plan”: „dass ich vier Millionen Arbeitsplätze nicht schaffe”. Er denkt pragmatisch. „Ich schlafe gern zu Hause.” Deshalb erwäge seine Partei den Umzug der Bundeshauptstadt in Schlämmers Heimatort Grevenbroich.
Alles völliger Quatsch? Wer zweimal drüber nachdenkt, könnte zu dem Schluss kommen, dass Schlemmers Polit-Zirkus von der Realität nicht so weit entfernt ist.
08:07
@Zmickler: Sie wollen doch wohl nicht ernsthaft Hape mit den von Ihnen genannten Comedians auf eine Stufe stellen?
Ich empfehle Ihnen den Live Mitschnitt von Hapes Auftritt in der Essener Lichtburg (mal bei Youtube stöbern), für mich ist Hape einer der wandlungsfähigsten und mutigsten Komiker die wir in Deutschland haben und dazu noch massenkompatibel.
21:10
Kerkelings rasanter Abstieg in die Barth/Pocher/Appelt- Liga muß nicht zwingend erwähnt werden.
PW aff