Das aktuelle Wetter NRW 19°C
Kino

Harlan - Im Schatten von Jud Süss

23.04.2009 | 14:18 Uhr
Alice Harlan. (c) Salzgeber
Alice Harlan. (c) Salzgeber

Wie gehen die Kinder und Enkel mit dem Erbe Veit Harlans, Regisseur von Propaganda-Minister Goebbels, um?

Info
Harlan - Im Schatten von Jud Süss

Deutscher Filmstart: 23.04.2009

Regie: Felix Moeller

Darsteller: Thomas Harlan, Caspar Harlan, Christiane Kubrick Harlan u.a.

Regisseur Felix Moeller sucht mit seinem Film "Harlan - Im Schatten von Jud Süss" eine Antwort auf diese Frage.

Mit keinem anderen Namen ist die filmische Begleitung des Holocaust so eng verbunden wie mit dem Namen Veit Harlan, dem Meisterregisseur in den Diensten von Propagandaminister Joseph Goebbels. Sein Propagandawerk Jud Süß ist und bleibt der schändlichste antisemitische Spielfilm der NS-Zeit.

Die Filme sahen Millionen

Millionen Deutsche und andere Europäer sahen seine Filme. Sie waren Kassenschlager in ganz Europa und prägten die Mentalität unzähliger Zuschauer, die in "Die goldene Stadt" oder "Opfergang" um das Schicksal der blonden Schwedin Kristina Söderbaum bangten, Harlans dritter Ehefrau und ständiger Hauptdarstellerin.

Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde Veit Harlan für seinen Film Jud Süß zweimal wegen Verbrechen gegen die Menschlichkeit angeklagt. Beide Male wurde er freigesprochen.

Zerrissen zwischen Vaterliebe und Abrechnung

Der Film Moellers erzählt die Geschichte des umstrittenen Regisseurs und wie sich seine Kinder und Enkel bis heute mit der Person und den Filmen auseinandersetzen. Sein ältester Sohn Thomas und seine Töchter Maria und Susanne erlebten zwei Prozesse gegen den Vater, aber auch, wie er scheinbar ungebrochen weiter Filme in der jungen Bundesrepublik drehte. Ihre Reaktionen darauf fielen – zerrissen zwischen Vaterliebe und Abrechnung – teilweise extrem aus.

Gesellschaft polarisiert

Veit Harlan polarisierte die Gesellschaft der 50er Jahre. War er Nazi? War er Antisemit? Ein „Mordinstrument“ nannte Thomas Harlan den Film Jud Süß und brach mit dem Vater – zu einer Versöhnung kam es erst auf dem Totenbett. Seine Schwester Maria wollte nach dem Krieg Schauspielerin werden und musste den Namen Harlan ablegen, weil sie sonst keine Engagements bekommen hätte. Gemeinsam litten sie unter dem schändlichen Erbe – aber auch tiefe Risse in der Familie werden sichtbar, wie damit umzugehen sei und ob man den Vater öffentlich kritisieren dürfe. Bis hin zu Veit Harlans Nichte Christiane, Witwe des legendären Regisseurs Stanley Kubrick, reicht diese verzweigte Familie. Christianes Bruder Jan Harlan, Produktionsleiter bei Kubrick, erinnert sich, dass Stanley Kubrick – möglicherweise inspiriert durch die familiäre Verbindung – einen Film über den Alltag der Nazi-Filmproduktion geplant hatte.

Schatten des Großvaters spürbar

Neben den Erfahrungen der zweiten richtet sich der Blick des Films auch auf die dritte Harlan-Generation: Mit Neugier, Scham oder auch bewusster Distanz reagieren sie auf die Konfrontation mit der Familiengeschichte. Dieser Schatten von Jud Süß ist, freilich abgeschwächt, auch noch in der dritten Generation der Harlans spürbar. Thomas Harlans Tochter, die in Frankreich zur Schule ging, wurde wegen der „Nazi-Großeltern“ beschimpft. Jessica Jacoby – der eine Großvater war Veit Harlan, der andere ein im Holocaust umgekommener jüdischer Kaufmann – verkörpert wie keine andere die Spaltung deutscher Familien in Opfer und Täter.

In dem mit zahlreichen Filmausschnitten und erstmals gezeigtem Privatmaterial aus dem Familienarchiv montierten Dokumentarfilm reflektieren Veit Harlans Söhne, Töchter und Enkel das Schicksal der Familie in der Nachkriegszeit und den Einfluss der Vergangenheit auf das eigene Leben bis heute.

DerWesten

Empfehlen
Neueste Fotostrecken aus dem Ressort
Filme und Promis in Cannes
Bildgalerie
Cannes
Will Smith schlägt Reporter
Bildgalerie
Film
Will Smith bei Men in Black 3
Bildgalerie
Kino-Premiere
Ausgerechnet Sibirien
Bildgalerie
Kino
Stars mit Hollywood-Stern
Bildgalerie
Walk of Fame
Populärste Fotostrecken aus dem Portal
Die wichtigsten Fotos der Woche
Bildgalerie
Bilder des Tages
Karikatur vom Tage
Bildgalerie
Fotostrecke
Abriss des RWE-Stadions
Bildgalerie
RWE
Musiker im ESC Finale
Bildgalerie
ESC 2012
Tanz-Queen Magdalena Brzeska
Bildgalerie
Let's Dance
Neueste Fotostrecken aus dem Portal
Musik und Sonne pur
Bildgalerie
Moers Festival
Das ist die Miss Fußball-EM
Bildgalerie
Schönheitskönigin
Sommer, Sonne ...
Bildgalerie
Hitze
Zugunglück im Eisenbahnmuseum
Bildgalerie
Feuerwehr
Facebook
 
Kommentare
31.12.2010
16:08
Harlan - Im Schatten von Jud Süss
von Neuland | #3

Die Sippe machte einen denkbar schlechten
Eindruck! Die ganze aufgesetzte ununterbrochene
Betroffenheits- und Schönredelabberei. Und
gleich nach dem Krieg wieder opportunistisch
(dem heutigen) System überkonform.
Unterschwellig ist auch sehr (!) viel Selbstmitleid
in den Interviews zu beobachten.
Dabei:
Immer zu rechten Zeit auf der richtigen Seite -
auch gleich wieder nach dem Krieg - dort wo heute die (Film-) Kohle winkt. Eklig und auch
= irgendwie wieder typisch bürgerlich-deutsche
Künstler.

Nur eine Szene mit Alice Harlan (die kommt als Französin, als einzige, supersymphatisch UND
mit ihren Eindrücken auch mal GLAUBWÜRDIG rüber) ist zeitgeschichtlich-künstlerisch wertvoll,
wo wir ihre unterschwellige Genervtheit über die
ständige Schuldgefühlerzeugung an jungen
Leuten (hier von Seiten ihrer neurotischen
Lehrerin) wahrnehmen. Obwohl sie keinerlei
persönliche Schuld hatte, wurde sie in der
Schulklasse geächtet
Das haben viele Unbeteitigte nach 1968 so erlebt.
Und das dies mal nicht weggeschnitten, ist das
einzig intereressante und glaubwürdige an
diesem Film, auch wenn es manchen nicht gefällt.

29.04.2009
21:51
Harlan - Im Schatten von Jud Süss
von Hadolf Ittler | #2

Danke für diesen aufschluss- wie kenntnisreichen ersten Kommentar zum Artikel!

23.04.2009
22:28
Harlan - Im Schatten von Jud Süss
von Friedrich Knilli | #1

Harlan - Im Schatten von Jud Süß
Ein Film von Felix Moeller, D 2008, 100 Minuten.
Bundesstart: 23. April 2009. Im Verleih der Edition Salzgeber


Schade, Felix Moeller hat die einzigartige Chance, alle Harlans beieinander zu haben, vertan. Weit über die Hälfte des Films füllt er mit dummen Betroffenheitsfloskeln von Kindern, Enkel, Nichten und Neffen, die den Spielfilm „Jud Süß“ erst nach 1945 gesehen haben und nicht wissen, dass der Opa vor allem ein genialer Dieb war. Er klaute von Lion Feuchtwanger die wichtigsten Motive aus dem Roman „Jud Süß“, was Feuchtwanger sofort erkannte und bereits 1941 in einem „Offenen Brief“ der Weltöffentlichkeit mitteilte.
Felix Moeller lässt erst im letzten Drittel die Familie Harlan zu Wort kommen. Einzelne Familienmitglieder erzählen ausführlicher über sich und dabei werden Biographien sichtbar, verbogen von der nach 1945 immer noch geltenden faschistischen Sippenhaftung, von der soziale Ächtung, die die Harlans nach 1945 erdulden mussten, wo immer sie auch lebten, auch heute noch. Ich wünsche mir, dass Felix Moeller dieses Interviewmaterial zu einem Buch über die die Harlans verarbeitet, vergleichbar den „Feuchtwangers“ von Heike Specht. Denn auch die Familie Feuchtwanger lebte und lebt im Schatten von Jud Süß, den Lion Feuchtwanger bekannt machte, mit einem internationalen Besteller, der zweimal verfilmt wurde, 1934 von Lothar Mendes und 1940 von Veit Harlan. Die Autorenrechte an diesem zweiten Film werden Feuchtwanger auch 50 Jahre nach seinem Tod verweigert. Der Spielfilm „Jud Süß“ wurde verstaatlicht, er ist Eigentum der Bundesrepublik Deutschland.

Trackbacks

Die Trackback URL zu diesem Artikel ist: http://www.derwesten.de/services/trackbacks/article/631360/create

Aus dem Ressort
Cate Blanchett – die Bühnen-Queen von nebenan
Ruhrfestspiele
Auf ihrer Theatertour durch Europas Metropolen macht Oscar-PreisträgerinCate Blanchett mit „Groß und Klein“ Station bei den Ruhrfestspielen in Recklinghausen. Ein Porträt.
Foto
Deutsche Kino-Filme haben mehr Raucher-Szenen als US-Filme
Studie
Einer neuen Studie im Vorfeld des Welt-Nichtrauchertags zufolge rauchen die Schauspieler in deutschen Kinofilmen viel häufiger als in US-Produktionen. Die Forscher betonen, dass es einen Zusammenhang zwischen dem Tababkonsum der Zuschauer und der Zahl der gesehenen Raucherszenen gebe.