Hape Kerkeling zeigt Weg ins Kanzleramt
18.08.2009 | 12:17 Uhr 2009-08-18T12:17:00+0200
Berlin. Keine Punkte mehr in Flensburg, kostenfreie Besuche im Solarium und eine "Fango-Koalition": So sieht Deutschland mit Horst Schlämmer als Kanzler aus. Zur Filmpremiere von "Isch kandidiere" in Berlin wurde Hape Kerkeling mit ockerfarbenen Fähnchen begrüßt.
Von wegen Politikverdrossenheit: Mit ockerfarbenen Fähnchen und T-Shirts haben die Fans ihren fiktiven Kanzlerkandidaten Horst Schlämmer alias Hape Kerkeling in Berlin in Empfang genommen. Der Komiker stand bei der Premiere seines Films "Horst Schlämmer - Isch kandidiere!" am Montag minutenlang im Blitzlichtgewitter - so schön kann Wahlkampf sein.
Politiker machen bei Komödie mit
Neben Politikern wie Jürgen Rüttgers (CDU) und Cem Özdemir (Die Grünen) wirken in der von Angelo Colagrossi produzierten Komödie auch die Schauspieler Simon Gosejohann, Maren Kroymann und Norbert Heisterkamp mit. Alexandra Kamp, die die neue Frau an der Schlämmers Seite spielt, sagte: "Es war ein Traum, in dem Film mitzuspielen. Hape Kerkeling ist einer der tollsten Menschen, die ich je kennengelernt habe."
Die Geschichte des Klamauks ist schnell erzählt: Der gelangweilte stellvertretende Chefredakteur Schlämmer schmeißt seinen Job beim Grevenbroicher Tagblatt, um höheren Ambitionen zu folgen. Genervt von den leeren Reden der großen Parteien entschließt er sich, die Horst-Schlämmer-Partei (HSP) zu gründen, mit der er ins Bundeskanzleramt möchte. Frei nach dem Motto: Was die anderen nicht können, könne er auch. "Die Welt braucht mich", ist Schlämmer überzeugt.
Eine lange Agenda
Auf der Agenda stehen: Kostenfreie Besuche im Solarium, die Abschaffung der Flensburger Verkehrssünder-Kartei und Schönheitsoperationen auf Kassenrezept. Zudem möchte er vier Millionen Arbeitsplätze nicht schaffen und sollte ihm das doch gelingen, könne man ihn wieder abwählen. Im Falle eines Wahlsiegs würde der Grevenbroichener mit der altmodischen Brille und dem Überbiss mit den Grünen eine "Fango-Koalition" eingehen. Zudem würde Claudia Roth neue Außenministerin werden.
"Ich werde mich natürlich anstrengen, damit Schlämmer gewinnt", sagte Roth vor dem Film. Sie bewundere Schlämmers Fähigkeit, sich selber zu karikieren. Von dem Spitzenkandidaten könne man lernen, über sich selbst zu lachen: "Er hält der großen Politik den Spiegel vor."
Da tut es auch nichts zur Sache, dass der Wunschkandidat nach Alkohol riecht, ständig aufstößt und schiefe Zähne hat. Selbst der Botschaft von US-Präsident Barack Obama gibt Schlämmer eine eigene Note: Statt "Yes, we can", ziert nun "Yes, weekend" seine Wahlplakate.
Kunstfigur trifft Nerv der Zeit
Der Komödiant Kerkeling trifft mit seiner Kunst-Figur scheinbar den Nerv seiner Mitmenschen. Das Medieninteresse in den letzten Wochen war enorm. Die Nachrichtensender n-tv und N24 präsentierten die Vorstellung des Schlämmer-Wahlprogramms am vergangenen Dienstag sogar als breaking-news. Eine repräsentative Umfrage unter 1.000 Bundesbürgern für den "Stern" hatte ergeben, dass 18 Prozent der Befragten ihr Kreuz unter die Horst-Schlämmer-Partei setzen würden, wenn sie bei der Bundestagswahl am 27. September tatsächlich anträte.
Da wird es am Ende fast zur Nebensache, dass Schlämmer im Film gegen die CDU und SPD haushoch verliert. Mit nur 0,37 Prozent ist eben kein Kanzler zu stellen. Doch Schlämmer verspricht: "In vier Jahren probiere ich es wieder". (ap)
20:15
Ich finde Hape Kerkeling große Klasse! Aber die von ihm kreierte Figur des Horst Schlämmer hat mir noch nie gefallen. Da gibt es meiner Meinung nach viel bessere - und auch witzigere Rollen, in die Hape geschlüpft ist!
17:36
...nach so viel Wirbel glaube ich dass es Menschen gibt, die nur oberflächlich von Horst Schlämmer gehört haben, am 27.9. mit ihrem Wahlzettel in die Wahlkabine gehen und nach einiger Zeit sich beim Wahlleiter beschwehren dass Horst Schlämmer nicht drauf ist, ha,ha, klaus h
20:20
Politisches Kabarett ist eine Art „Second Life“,
und je mehr wir uns in diese Sphäre zurückziehen (bei allem Sinn für Humor!), desto weniger haben die Akteure, die das „First Life“ gestalten, etwas wirklich Ernsthaftes zu befürchten. Die beiden Sphären berühren sich nicht!
Genau hier liegt die Herausforderung: Wir brauchen einen verbindlichen Berührungspunkt der „hofnärrischen Weisheit“ der Kabarettisten einerseits und der bitter-ernsten realen Politik andererseits.
Mit meiner Initiative „KeinePartei!“ bemühe ich mich seit kurzem, hier einen konstruktiven Akzent zu setzen: ich fordere, dass die Option „Keine Partei“ auf den Wahlzettel kommt. Dann können wir verbindlich (amtlich!) erkennen, wer keine Partei mehr wählen möchte. Das schafft eine nie dagewesene Transparenz. Das schafft den Berührungspunkt zwischen „Second Life“ (Kabarett) und „First Life“ (die knallharte politische Realität).
Sobald dies öffentlich diskutiert wird, wird ein ganz anderer Wind wehen! Dies durfte ich erleben, als ich im Juli 2009 eine Umfrage zu dem Thema gemacht habe. Die Ergebnisse sind zu finden auf www.keinepartei.info (ich weiß nicht, ob Weblinks hier übertragen werden/dürfen, daher noch mal in anderer Schreibweise: keinepartei.INFO)
Gruß an alle,
andrewesten (NRW, Kreis Steinfurt)
12:31
War das bisher nicht immer so , daß Filme die mit großem Bohei angekündigt wurden auch die größten Langweiler waren ? Irgendwann wird das Ding im Free-TV gesendet,dann schau ich mal rein,vorher nicht.
11:36
Bei all der Bilderschau vom Film und dem ganzen Gerede darüber ist mir die Lust vergangen ihn mir überhaupt anzusehen.
11:33
interessant, wie viele menschen doch zum lachen in den keller gehen... bin ich froh, dass ich noch nicht zu den verbiesterten,destruktiven zeitgenossen gehöre, deren leben so langweilig und eintönig geworden ist, dass sie ständig bemüht sind bei allem und jedem etwas negatives zu finden.
HORST FOR PRESIDENT :-))))
10:57
... ich kannte den schon, bevor er lustig war, und da war er viel besser als heute ... und überhaupt finde ich, dass Humor nur lustig ist, so lange kein anderer ausser mir drüber gelacht hat. Weil: Wenn alle etwas gut finden, ist das sowieso schlecht ... aber wenn alle etwas schlecht finden bin ich was ganz besonderes, wenn ich es gut finde.
*gähn*
10:35
Für mich ist das schon out gewesen, bevor es angefangen hat. Manche Comedy-Figuren kann man eben nur kurz ertragen. So fand ich auch Bully als schwulen Indianer ganz lustig, aber mit einem ganzen Tunten-Film ala Traumschiff Enterprise war das nicht mehr lustig. Eher langweilig.
Und neu ist die Idee auch nicht. In den Zeiten von Maggie Thatcher machte genau diese Dinge ein Mann, der unter dem Pseudonym Screaming Lord Sutch auf der Welle schwamm. Weisse Bescheid, Schätzelein!
Irgendwann ist eine Figur einfach ausgenuckelt. Diesen Hype kann ich nicht so ganz nachvollziehen und es geht mir irgendwie am A**** vorbei. Aber wenns Geld macht...
@ #6:
Die Verulkung der Führungsorgane verbot sich eine Nation nur unter Diktaturen. Sonst heißt sowas politische Satire und ist von jeher auch ein legitimes und unterhaltsames Mittel, Missstände anzuprangern. Ohne politische Satire wäre es ganz schön langweilig in der Welt. Man muss nicht alles bejubeln, aber es wäre schade, wenn es zensiert würde. Eben eine Kunstform.
10:17
Leider ist die Masse der Fans nicht intelligent genug zu erkennen, dass sie nicht über die Politik oder Herrn Kerkeling, sondern er über sie lacht, indem er aufzeigt wie wenig Ernst das Volk seine eigene Vertretung nimmt. Eine stolzere Nation würde sich eine Verulkung der eigenen Führungsorgane wohl verbieten.
10:16
Ich fand den Hape schon toll, als er lecker Mittagessen wollte. Wenn er von einer Begegnung mit Gott erzählt, glaube ich ihm das,