Hagenerin Lisa Aylin Berns in Jugend-Jury der Berlinale
16.02.2010 | 17:52 Uhr 2010-02-16T17:52:00+0100
Berlin. Für die Hagener Abiturientin Lisa Aylin Berns wird in diesen Tagen ein unglaublicher Traum Wirklichkeit: Die 19-Jährige ist Mitglied der Jugend-Jury bei den Internationalen Berliner Filmfestspielen.
Der Treffpunkt könnte kaum abgehobener sein, buchstäblich. Im neunten Stock des Deutschen Filmhauses, direkt unter dem Innendach des Sony-Centers, treffe ich Lisa Aylin. Von der Terrasse hier oben hat man einen wundervollen Blick auf das Menschengewusel tief unten, das von der matt-farbig bestrahlten, riesigen Glaskuppel beschirmt wird. Fast schon wie bei Reinhard Meys „Über den Wolken...” ist hier das Gefühl, denke ich. Aber dann fällt mir doch das Lied der ebenfalls gebürtigen Hagenerin Nena ein: „Wunder geschehen, ich hab's gesehen...”
Filme, Filme, Filme
Nein, so richtig könne sie das noch gar nicht begreifen, was hier gerade mit ihr geschieht, bekennt Lisa, und schon sprudelt sie fröhlich und aufgeregt die Erlebnisse der letzten Tage hervor. Gemeinsam mit acht weiteren jungen Leuten aus Deutschland und Frankreich bildet sie die Jugend-Jury in der Berlinale-Sektion „Perspektive Deutsches Kino”, die vor allem der Nachwuchsförderung verpflichtet ist.
Den Jury-Vorsitz hat der renommierte Regisseur Roman Paul („Paradise Now”), und insgesamt 14 Filme warten auf das Urteil der jungen Juroren.
Rückblende: Es war eine Meldung auf der Kulturseite unserer Zeitung, die die Eltern von Lisa Aylin gelesen hatten. Das müsste doch etwas für unsere Tochter sein, dachten sie und mailten die Informationen weiter nach Istanbul, denn dort absolviert die Hagenerin gerade mehrere Praktika in Kultureinrichtungen. „Die habe ich mir alle selbst zusammengesucht”, erklärt sie nicht ohne Stolz. Bei einer Stiftung war sie schon, ein Jazzfestival hat sie mitorganisiert und auch in einem Museum bereits mitgeholfen. Nach der Berlinale sollen noch Aufgaben in einer Galerie folgen.
Traumberuf Kunsthistorikerin
Kunstgeschichte möchte Lisa Berns anschließend in Berlin studieren, aber darauf muss sie trotz eines Abi-Schnitts von 1,5 noch etwas warten. „Die Hürden sind wirklich hoch, wenn man nach Berlin will”, sagt sie ohne Groll und voller Pläne.
Die heißen jetzt erst einmal Film, Film, Film. Neben ihren direkten Jury-Aufgaben lernt sie Regisseure kennen, wird auf Partys eingeladen und tauscht sich mit anderen Berlinale-Gästen aus. Zum Schlafen bleiben bei diesem Programm-Marathon dann kaum mehr als vier Stunden pro Nacht.
Beworben hatte sich Lisa Aylin für ihren faszinierenden Festival-Job mit einem ausführlichen Lebenslauf und einer selbst verfassten Kritik über den Film „Das weiße Band”. Geholfen hat ihr wohl - neben einem halben Jahr Schüleraustausch in Frankreich - der Umstand, dass sie ohnehin vier Sprachen beherrscht: Deutsch, Englisch, Französisch und Türkisch. „Spanisch kann ich bisher leider nur ein paar Brocken”, fügt sie bedauernd hinzu. Zwischen 19 und 29 Jahre sind ihre Mitjuroren alt, die vom deutsch-französischen Jugendwerk ausgewählt worden sind.
Gemeinsame Wertung
Und wie wird gewertet? „Wir diskutieren jeden Film sehr lange aus”, erzählt
die Hagenerin. „Jeder macht sich Notizen während des Films und gibt anschließend seine Meinung ab. Am Ende entsteht daraus eine gemeinsame Wertung.” Viel gelacht habe sie schon im Kino, aber auch schon einmal „geweint wie ein Schlosshund: Das ist aber auch sehr schön gewesen, denn meine Gefühle waren tief bewegt”.
Ob sie Probleme habe, in einige Vorstellungen zu kommen, möchte ich noch wissen. „Überhaupt nicht”, sagt Aylin Berns und zieht ihre gelbe Akkreditierungskarte aus der Tasche. Gelb steht für Jury und ein großes „J” ist auch noch draufgedruckt. Es ist die höchste Kategorisierungsstufe, die die Berlinale zu verteilen hat. Werner Herzog und Renée Zellweger haben als Hauptjuroren auch gelb. Schließen wir an dieser Stelle einfach mit einer anderen Zeile aus dem einfühlsamen Nena-Lied: „Wunder geschehen, ich war dabei . . .”
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