"Gigante" - eine Liebe lebt auch ohne Worte
05.10.2009 | 08:34 Uhr 2009-10-05T08:34:00+0200
Essen. Adrián Biniez hat mit minimalen Mitteln einen Film mit großer Ausstrahlungskraft geschaffen: "Gigante", der Gewinner des Silbernen Bären in Berlin, läuft jetzt im Kino.
Jara hat keine Worte für die Liebe. Als Wachmann in einem Supermarkt hat er nur gelernt, auf Bildschirme zu starren. Und als die Bilder von Julia aus der Putzkolonne etwas in ihm auslösen, weiß er seine Zuneigung nur dadurch zu äußern, indem er sie nicht mehr aus den Augen lässt.
Nie jedoch hat man in Gigante, dem wortkargen Debütfilm des argentinischen Regisseurs Adrián Biniez, das Gefühl, einem Stalker bei der Arbeit zuzuschauen. Zu liebevoll erscheint dieser Heavy-Metal-Fan Jara, zu besorgt um das Wohlergehen der Dame seines Herzens. Die jedoch ahnt nichts von ihrem Verehrer. Auf sie zuzugehen wäre für Jara unmöglich, das würde spontane Kommunikation erfordern. Dafür denkt er sich Dinge aus, von denen er annimmt, dass sie ihr gefallen könnten. Einen kleinen Kaktus auf Julias Arbeitsroute im Verkaufsraum beispielsweise.
Minimale Mittel, große Ausstrahlungskraft
Deutscher Kinostart: 01.10.2009
Regie: Adrián Biniez
Darsteller: Horacio Camandule, Leonor Svarcas, Fernando Alonso, Diego Artucio u.a.
Biniez hat einen Film mit minimalen Mitteln, aber großer Ausstrahlungskraft geschaffen. Selten hat man so berührt einer Liebe zugeschaut, die erst noch ihren Widerhall finden muss. Die Grenze zur Obsession wird dabei nie überschritten: Jara-Darsteller Horacio Camandulle ist ein liebenswerter Teddy von einem Kerl, mehr Beschützer als Ausspäher, mehr Prüfer seiner Herzensdame (Leonor Svarcas) als besessener Voyeur. Am Ende sitzt er mit Julia nebeneinander am Strand. Sie reden offensichtlich miteinander, aber wir hören sie nicht. Ein wunderbares Ende für einen charmanten Film, der dieses Jahr in Berlin den Silbernen Bären gewonnen hat.
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