Friendship!
12.01.2010 | 06:00 Uhr 2010-01-12T06:00+0100Freundschaft, Freiheit, Abenteuer: "Friendship!" ist ein Ost-West-Roadmovie mit Lausbuben-Charme.
Dem real existierenden Sozialismus den Rücken kehren und das Freiheitsgefühl im kapitalistischen Amerika suchen - diesen Traum hatten viele in der ehemaligen DDR. Für Veit birgt der Mauerfall 1989 die langersehnte Chance, gemeinsam mit seinem Kumpel Tom nach San Francisco aufzubrechen, "zum westlichsten Punkt der Welt". Von ihrer gemeinsamen Abenteuerreise handelt die am 14. Januar anlaufende Ost-West-Komödie "Friendship!", die Regisseur Markus Goller als Geschichte einer wahren Männerfreundschaft erzählt.
Am Anfang steht der ernüchternde Kassensturz: Ersparnisse und Begrüßungsgeld reichen nur für ein Ticket nach New York, die restlichen 3000 Meilen müssen Veit (gespielt von Friedrich Mücke) und Tom (Matthias Schweighöfer) binnen drei Wochen per Anhalter zurücklegen. Das wahre Motiv für die Reise wird nach der Landung klar: Pünktlich zu seinem Geburtstag will Veit am Postamt in San Francisco sein, um dort seinen geflüchteten Vater abzupassen, wenn der seine alljährliche Geburtstagskarte für ihn einschmeißt.
Roadmovie mit ansteckendem Lausbuben-Charme
Die unbedarfte Naivität der zwei Jungs und ihr bruchstückhaftes Englisch bringen ihnen Sympathien ein, sorgen aber auch für Probleme. So führt ihre Vorstellung als "freie Kommunisten" bei der Einreise schnurstracks in den Verhörraum der Flughafenbehörden und auch sonst lassen die beiden kein Fettnäpfchen aus. Schutz vor der winterlichen Kälte müssen sie im Pornokino suchen und für ihre selbst gedrehten Gruselfilme im Super-8-Format können sich die Amerikaner nur schwer erwärmen. So hatten sich die beiden ihr Abenteuer nicht vorgestellt.
Als der Mut zu schwinden droht, gabelt sie der durchgeknallte Comiczeichner Darryl beim Trampen auf, und es entwickelt sich ein Roadmovie mit ansteckendem Lausbuben-Charme. Ohne nennenswerte Spezialeffekte wird das aufwallende Freiheitsgefühl eingerahmt von malerischen Landschaftsaufnahmen. Nach einem grotesken Intermezzo mit der Polizei trifft das Duo in einem Supermarkt auf die ebenso reizende wie energiegeladene Zoey (Alicja Bachleda). Das penetrant aufgedrehte Mädchen nimmt Veit und Tom bei sich zu Hause auf und verhilft ihren Filmen zum Durchbruch. Doch schon bald stellt sie die Freundschaft ungewollt auf die Probe.
Freundschaft, Freiheit, Abenteuer
Regie: Markus Goller
Darsteller: Matthias Schweighöfer, Friedrich Mücke, Alicja Bachleda und andere
Glücklicherweise hat Drehbuchautor Oliver Ziegenbein der Versuchung widerstanden, "Friendship!" als platten Ost-West-Klamauk zu inszenieren. Im Unterschied zu deutsch-deutschen Erfolgskomödien wie "Goodbye Lenin" oder "Sonnenallee" bleibt die politisch-geschichtliche Dimension der DDR eher im Hintergrund. Sie dient vor allem als humoristische Vorlage, etwa wenn Veit und Tom aus Geldmangel Betonstücke ansprühen und begeisterten Amerikanern als Teil der Berliner Mauer verkaufen - natürlich inklusive Echtheitszertifikat.
Die eigentlichen Themen des Films sind universell: Freundschaft, Freiheit und Abenteuer. Da fällt es auch nicht weiter ins Gewicht, dass amerikanische Klischees und DDR-Folklore etwas dick aufgetragen sind oder Kleidung, Frisuren und Autos nicht immer dem Stand des Jahres 1989 entsprechen. Durchaus nah am historischen Vorbild ist der Film dagegen in einem anderen Punkt: Das Drehbuch basiert auf einer früheren Abenteuerreise von Koproduzent Tom Zickler, deren Originalbilder im Abspann zu sehen sind.
Zwei russische Offiziere im Stripclub
Getragen wird "Friendship!" vor allem von der Chemie zwischen den beiden Hauptdarstellern. Die Rolle des eher ruhigen und nachdenklichen Veit harmoniert bestens mit der flippigen Aufmüpfigkeit Toms. Da überrascht es nicht, dass sich die beiden Schauspieler dem Vernehmen nach auch privat gut verstehen. Beispielhaft die Szene, in der sie verkleidet als russische Offiziere ("Leningrader Hengste") zu "Auferstanden aus Ruinen" in einer Schwulenbar strippen. Wieviel Spaß ihnen der Dreh bereitet haben muss, lässt sich auf der Leinwand erahnen.
Ein nachdenklicher Film über den deutschen Ost-West-Konflikt ist "Friendship!" sicher nicht geworden, aber das war auch erkennbar nie das Ziel. Stattdessen machen die unbeschwerte Atmosphäre und das kumpelhafte Rumalbern der beiden Hauptdarsteller Lust auf einen Abenteuerurlaub mit dem besten Freund. Wohl dem, der einen hat. (apn)