Das aktuelle Wetter NRW 26°C
Filmkritik

„Fraktus“ – das Comeback einer erfundenen Kultband

09.11.2012 | 05:30 Uhr
„Fraktus“ – das Comeback einer erfundenen Kultband
Musikmanager Roger Dettner (l.) will die Band Fraktus unbedingt wieder auf die Bühne bringen.Foto: Pandorra

Essen.   Die Elektropop-Band, die mit ihrem Techno die 80-er Jahre geprägt haben soll, es hat sie nie gegeben: „Fraktus“ ist fiktiv, eine Erfindung der Humor-Schmiede „Studio Braun“. Die erlaubt sich mit diesem Film einen herrlichen Kinospaß.

„Die Reduktion auf das Wesentliche“, lobt Stephan Remmler von „Trio“, „das haben die so gut gemacht. So haben wir selber das nie hingekriegt.“ Und H.P. Baxxter von „Scooter“ legt noch eine Schüppe drauf: „Ohne diese Band wäre ich niemals auf die Idee gekommen, selber Musik zu machen.“ Es sind noch viele andere prominente Musiker wie Jan Delay, Dieter Meier oder Blixa Bargeld, die in diesen Chor mit einstimmen.

Doch die Elektropop-Band, die alle meinen und die mit ihrem Techno die 80-er Jahre geprägt haben soll, es hat sie nie gegeben: „Fraktus“ ist fiktiv, eine Erfindung der Humor-Schmiede „Studio Braun“, die sich nun mit „Fraktus – Das letzte Kapitel der Musikgeschichte“ einen herrlichen Kinospaß erlaubt.

Ein Manager beweist Zähigkeit

Es beginnt damit, dass der Musikmanager Roger Dettner (Devid Striesow) sich vorgenommen hat, die Mitglieder des legendären Trios „Fraktus“ zu einem Comeback zu bewegen. Keine leichte Aufgabe bei Leuten, die seit 20 Jahren kein Wort mehr miteinander gewechselt haben. Aber Dettner zeigt Zähigkeit: Er will Frontmann Dickie Schubert (Rocko Schamoni), den Klangkünstler Bernd Wand (Jacques Palminger) und den Produzenten Torsten Bage (Heinz Strunk) einfach wieder gemeinsam in ein Studio sperren. Vielleicht entsteht dann ganz von selbst jene Genialität, die einst von jener Gruppe ausging, deren zweites Album „Tut Ench Amour“ noch heute als Meilenstein der Musikgeschichte gilt.

Allerdings gibt es schon von Anfang an deutliche Zeichen, dass dies so einfach nicht möglich sein wird. Wand hat inzwischen mit Mutti und Vati „Fraktus 2“ gegründet und macht mit ihnen im heimischen Hobbykeller Klangexperimente. Bage trägt inzwischen eine DJ-Ötzi-Kappe, produziert auf Ibiza Eurodisco-Musik und ist stolz auf sein aus der Hose quellendes Arschgeweih („ein 4000 Jahre altes Symbol der Macht“). Nur Dickie, der inzwischen einen Internet-Shop betreibt, ist Feuer und Flamme. Aber dieser Typ mit seiner unschwer erkennbaren Begrenztheit des Intellekts würde wohl überall begeistert mitmachen.

Regisseur Lars Jessen, der bisher hauptsächlich fürs Fernsehen gearbeitet hat, hat sehr wohl begriffen, dass man Komik am besten erzeugen kann, indem man mit Ernsthaftigkeit an die Sache heran geht. Das fängt schon bei den vermeintlichen Errungenschaften von „Fraktus“ in den Achtzigern an, die wunderbar eingearbeitet sind in die tatsächliche Musikszene jener Jahre. Es gibt historische Aufnahmen von ihrem großen Hit „Affe braucht Liebe“ und schließlich auch noch verwackelte Dokumente ihres letzten Konzerts, das in Chaos und Flammen endete. Ein Neuanfang will sich jedoch nicht abzeichnen, denn außer heißer Luft lassen diese Veteranen inzwischen nichts mehr ab. Aus Dettner wird ein tragischer Held: Aufgebrochen, um einen Mythos wiederzubeleben, muss der Gläubige erkennen, dass sich Wunder nicht auf Bestellung wiederholen.

Das Musikgeschäft war brutal

Aus all dem entwickelt sich ein manchmal subtiler, manchmal auch schreiend komischer Film, den nicht nur jene genießen können, die in den Achtzigern dabei waren. Das Musikgeschäft war halt zu allen Zeiten brutal. Der Neuanfang von „Fraktus“ endet deshalb kläglich mit dem Video eines Remixes von „Affe braucht Liebe“, in dem die eigentlichen Urheber nur noch als Statuen vorkommen dürfen. In der Realität von 2012 allerdings gibt es ein Happy-End: Im Zuge des Filmstarts sind die drei Hauptdarsteller derzeit tatsächlich als „Fraktus“ auf Tour.

Arnold Hohmann



Kommentare
Aus dem Ressort
"Jersey Boys" – Clint Eastwood wagt sich ans Film-Musical
Film-Musical
In "Jersey Boys" unternehmen Kinogänger eine Zeitreise in die Musik der 50er- und 60er-Jahre. Regisseur Clint Eastwood ist ein Film-Musical gelungen, das eher Tiefgang als Juke-Box-Klamauk bietet. Es geht um die Four Seasons, die vor 40, 50 Jahren in den USA eine wahre Hitfabrik waren.
"Die geliebten Schwestern" – Liebe ertrinkt im Blut
Historienfilm
In Dominik Grafs Historienfilm "Die geliebten Schwestern" betreiben der Dichter Friedrich Schiller sowie die adeligen Schwestern Charlotte und Caroline von Lengefeld ihre eigene Revolution. Sie leben eine Dreiecksbeziehung. Doch Ideale und Hoffnungen werden im Blut ertränkt.
"Die innere Zone" – Science-Fiction-Drama als Filmkunst
Science-Fiction
Der Schweizer Fosco Dubini hat sein Science-Fiction-Drama "Die innere Zone" zu einer Hommage an den vor 30 Jahren verstorbenen Russen Andrei Tarkowski gemacht. Der Reiz des Films besteht in dem Wechselspiel zwischen Schein und Sein.
"The Purge - Anarchy" – wenn Verbrechen legal sind
Thriller
Regisseur und Drehbuchautor James DeMonaco lässt in "The Purge: Anachy" einmal mehr Gesetze für zwölf Stunden außer Kraft treten. Die Nacht der Säuberung ist ein Ventil für eine ansonsten unterdrückte Seite der menschlichen Natur. Und sie hat wirtschaftliche und soziale Dimension.
Die klamaukige Komödie "Eyjafjallojökull..."
Komödie
Die französische Komödie "Eyjafjallojökull – der unaussprechliche Vulkanfilm" zeichnet sich vor allem durch Klamauk aus. Der isländische Vulkan, der vor einigen Jahren mit seinem Ausbruch den europäischen Flugverkehr zum Erliegen gebracht hatte, spielt dabei nur eine Nebenrolle.
Umfrage
Nach der jüngsten Preiserhöhung kehren viele Wirte Sky den Rücken . Wo verfolgt ihr Bundesliga- und Champions-League-Spiele?

Nach der jüngsten Preiserhöhung kehren viele Wirte Sky den Rücken . Wo verfolgt ihr Bundesliga- und Champions-League-Spiele?

 
Fotos und Videos
Fifty Shades of Grey - Trailer
Video
Erotik-Verfilmung
Schiller auf dem roten Teppich
Bildgalerie
Filmpremiere
Die Top-Verdiener Hollywoods
Bildgalerie
Stars
Karlheinz Böhm ist tot
Bildgalerie
Todesfall