Film-Festival in Rom
25.10.2009 | 11:45 Uhr 2009-10-25T11:45+0100Die Internationalen Filmfestspiele in Rom trotzen mit internationalen Stars wie Meryl Streep in der Kälte.
Es ist kalt in Rom, ungewöhnlich kalt für Mitte Oktober, und so laufen die Stars und Sternchen, vorn und hinten tief dekolletiert, abends bei fünf bis acht Grad frierend über den roten Teppich. Und das nur vor wenig Publikum, denn die eigentlich so kinobegeisterten Römer suchen nach kurzer Wartezeit zähneklappernd das Weite. Junge Leute harren aus, manch einer unterm Scooterhelm, um die Ohren vor Wind zu schützen. Es ist die vierte Auflage von Roms Filmfestival, als Massenspektakel mit vielen Events rundherum ins Leben gerufen, bei dem eigentlich die ganze Stadt mitmachen soll. Sogar für Schulklassen fällt der Unterricht aus und sie gehen ins Kino. Doch Masse ist bisher nicht.
Und so ähnelt dieses Ereignis, bei dem bis zum 23. Oktober 137 Filme über Leinwände laufen, erstmals seinen großen Konkurrenzfestivals in Cannes und Venedig, wo es mehr um Qualität, viel Kritik, Polemik und weniger um Schau geht. Von „römischer Kirmes”, wie dieses Festival schon ironisch genannt wurde, bleibt nicht viel. Den renommierten Präsidenten und Filmprofi Gian Luigi Rondi freut's: „Ich hoffe, dass letztlich anerkannt wird, dass wir die besten in der Welt zur Verfügung stehenden Filme heranholen”.
Der lange rote Teppich
Dazu gehört der engagierte Streifen „Triage” von Oscar-Preisträger Danis Tanovic mit Colin Farrell und Paz Vega, der das Leben von zwei Fotoreportern im Krieg in Kurdistan erzählt und das Festival eröffnet hat. Tanovic polemisierte schon im Vorfeld:„Die Uno muss verschwinden. Sie basiert auf Neutralität und Neutralität gibt es nicht”. Der 87-jährige Christopher Lee, einst Star in Dracula-Filmen, gibt bei Tanovic einen überzeugenden Psychologen ab. Auf seinen Stock gestützt schritt er an der Seite von Paz über den römischen roten Teppich, auf dem sich auch George Clooney (samt Freundin Elisabetta Canalis) und Richard Gere einfanden.
„Sea Purple”, ein italienischer Streifen von Donatella Maiorca, sorgte mit seiner Lesben-Thematik in der ewigen Stadt, wo der Papst nebenan wohnt, dann gleich für viel Aufregung. 14 Filme laufen im Wettbewerb und da konkurrieren auch deutsche Beiträge um den Marc Aurel Award.
Von Trottas „Vision”
„Ich habe Freudensprünge gemacht, als man mir sagte, dass auch Margarethe von Trotta mit ihrem Film ,Vision' dabei ist”, so Präsident Rondi. Er saß in Venedig in der Jury, als ihre „Bleiernen Jahre” prämiiert wurden. In Rom erlebt von Trottas Film über Hildegard von Bingen, in Deutschland längst angelaufen, jetzt seine Europapremiere. Auch „The Last Station”, mit Helen Mirren und Christopher Plummer in Sachsen-Anhalt gedreht, ist mit von der Partie. Ansonsten: viele Frauenthemen und italienische Filme, aber auch Dokus mit Umwelt- und Klimaschutzthemen.
Eine der originellen Ausstellungen rund herum zeigt Filmbrillen, darunter die berühmte von „Lolita” in Herzchenform. Die Rückschau in einem Parkhaus auf Sergio Leone, den Giganten des Italo-Westerns, verleitet mit „live” gezeigten Filmszenen, Riesenfotos und der Filmmusik von Enni Morricone zu stundenlangem Ausharren. Trotz der Kälte.