"Fast & Furious" - Echt super, dieser Diesel
20.03.2009 | 00:01 Uhr 2009-03-20T00:01:00+0100
Bochum. Es geht um frisierte Mittelklasseautos, harte Kerle und hübsche Mädchen. In der Nacht zu gestern feierte der vierte Teil der „Fast & Furious”-Reihe mit Vin Disel Europa-Premiere im UCI-Kino des Bochumer Ruhr-Parks. Die Filmstars kamen. Tausende Fans auch.
Warum der jüngste Teil ausgerechnet in Bochum Premiere feierte, weiß die Pressesprecherin des Veranstalters selbst nicht so genau. Daniel Milke dagegen ahnt es. „Weil es im Revier die größte Tuningszene Deutschlands gibt”, sagt der Mitarbeiter eines Auto-Veredlers.
Einige aus dieser Szene sind schon am Nachmittag eingetroffen. Nachdem ihre Autos von einer fachkundigen Jury zu den schönsten des Landes gewählt wurden, hat der Veranstalter sie zur Premiere eingeladen. Rund ums Kino werden ihre Wagen postiert. Doch erst einmal müssen sie es bis zum Kino schaffen. Das ist nicht so einfach. Denn der Weg in das Einkaufscenter, man muss es einmal sagen, ist offenbar von Menschen gestaltet worden, die noch nie davon gehört haben, dass sich Fahrwerke tiefer legen lassen und auch Frontspoiler der Bodenfreiheit eher abträglich sind.
Langsam über jeden Huckel
Deutscher Kinostart: 02.04.2009
Regie: Justin Lin
Darsteller: Vin Diesel, Paul Walker, Michelle Rodriguez, Jordana Brewster u.a.
Sanfte Huckel haben sie vor Jahren zwecks Verkehrsberuhigung auf die Straßen gebaut. Überall Huckel. Was Familienväter in ihren Kombis nur zu einem kurzen Antippen der Bremse veranlasst, bringt manchen Wagen der Preisträger an die Grenze des technisch Machbaren.
„Rooooaaarrrr”, hat ihr Wagen gerade noch gemacht, als sie von der A 40 abgebogen sind. Jetzt grummelt der Motor nur noch leise, während der Fahrer zentimeterweise über das Hindernis rollt und gerne auch mal aus dem Seitenfenster nach vorne blickt. Kein Grashalm passt bei vielen mehr zwischen Bodenblech und Asphalt. „Alter, das ist doch Scheiße hier.”
Irgendwann aber ist das letzte Hindernis überwunden. Und dann stehen die Autos auf dem Parkplatz. Ihre Besitzer stehen daneben. Der Lack glänzt, die Felgen blinken, und aus dem Inneren wummern die Bässe. Schnell sind die Prachtstücke von Schaulustigen umringt. Angucken ist erwünscht, anfassen nicht. „Gibt fiese Flecken”, sagt einer.
Viele Fragen gibt es auch. Männer wie Artur, Eric oder Steffen beantworten sie gerne. Erzählen etwa, dass Motorrad-Lack der beste ist, aber auch „schweineteuer”. Oder welche Federn und Dämpfer sich bewährt haben. Viel Zeit und Geld haben sie investiert, um das herauszufinden. Normal. Denn für sie ist Tuning ein Hobby wie jedes andere. „Ich will einfach kein Auto von der Stange”, sagt Artur. Lieber was „Individuelles”. Individuell wollen viele. Deshalb geht es der Branche - von Ausnahmen wie der Firma D&W abgesehen - trotz Wirtschaftskrise gar nicht so schlecht. Und deshalb will angeblich auch kaum jemand illegale Autorennen fahren. „Du gibst dir nicht jahrelang viel Mühe mit deinem Wagen, um ihn dann in einer Sekunde zu schrotten”, sagt einer.
Stars nehmen sich Zeit für Roten Teppich
Kurz nach halb acht Uhr zieht selbst der schönste Wagen vor dem Kinocenter den Kürzeren. Denn da treffen die Hauptdarsteller der PS-Orgie ein. Allen voran Vin Diesel, der Mann mit den gewaltigen Oberarmen, den viele Jungs vor dem Kino „coole Sau” nennen. Was als Kompliment gemeint ist. Und natürlich Paul Walker, der Frauenschwarm. Zusammen mit ihren Filmpartnerinnen Michelle Rodriguez und Jordana Brewster schreiten sie durch das Blitzlichtgewitter über den roten Teppich, der an diesem Abend grau ist.
Sie winken, sie lächeln, sie sprechen in die Batterie der hingehaltenen Mikrofone. Dann gehen sie zu den Fans, die sich vor den Absperrgittern drängeln und Fotos oder DVDs hochhalten, um ein Autogramm zu ergattern. „Jordana, please” rufen die Leute oder „Paul, look hier”. In der Ecke singt gleich ein kleiner Chor. „Vin Diesel, oho. Vin Diesel ohohoho”. Michelle Rodriguez ist begeistert. „Oberaffentittengeil here” radebrecht sie, bevor die Darsteller ins Kino entschwinden, wo schon das Premierenpublikum wartet. So sind sie, Europa-Filmpremieren in Bochum.
Die Menge draußen ist zufrieden. „Echt super, dieser Diesel”, scherzt einer, bevor er den Motor seines Hochglanz-Autos startet. Zurück auf die A 40 geht es. Erst ganz langsam über die Huckel, dann wie immer.
Roooaaarrr.
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