"Fast & Furious 7" mit Paul Walker - ein echter Adrenalinkick

"Fast & Furious 7" - seine letzte Rolle: Paul Walker starb 2013 während der Dreharbeiten bei einem Autounfall.
"Fast & Furious 7" - seine letzte Rolle: Paul Walker starb 2013 während der Dreharbeiten bei einem Autounfall.
Foto: Universal Pictures
Kino-Abschied von Paul Walker, dem verunglückten Hollywoodstar: Mehr Action, mehr Wahnwitz als bei der jüngsten Fortsetzung der Serie kann es nicht geben.

Essen.. Der schönste Moment des Films ist Paul Walker vorbehalten, und das muss wohl auch so sein. In seiner ersten Szene sitzt er, wo sonst, in einem Auto, gibt mehrfach Gas und lässt den Motor röhren. Aber dann setzt er ganz gemächlich nur einen halben Meter nach vorn – in eine Parklücke. Und sagt erleichtert: „Geschafft.“ So viel Selbstironie muss sein. In den „Fast & Furious“-Filmen ging es immer um schnelle Flitzer. Parklücken spielten darin aber keine Rolle.

Die Reihe war von jeher ein Mix aus schnittigen Karossen, willigen Mädchen, rockigem Sound und lautem Geballer. Jungs und ihr Spielzeug, hieß das mal in einem Bond-Film. Und das ist auch hier eine griffige Umschreibung. Wobei jeder Film noch ein bisschen mehr auftunen musste als der vorherige Teil.

„Fast & Furious 7“ - schneller, größer, wahnwitziger

„Fast & Furious 7“, der nun morgen in die Kinos kommt, ist da vielleicht an einem Endpunkt angelangt, den man wirklich nicht mehr toppen kann. Die spektakulärste Szene spielt sich im Kaukasus ab, wo die Wagen nicht nur rasen, sondern sogar fliegen: werden sie doch, mitsamt Fahrer, wohlgemerkt, aus einem Flugzeug katapultiert, sausen dann in freiem Fall auf das Gebirge herab, um kurz vor dem Aufprall einen Fallschirm zu öffnen und punktgenau auf der schmalen Straße zu landen.

Später, in Abu Dhabi, rasen die beiden Hauptstars des Films, Paul Walker und Vin Diesel, in einem der teuersten Wagen der Welt aus einem der höchsten Gebäude der Welt, den Etihad-Towers, landen im zweiten Turm und rasen einmal durch diesen hindurch, bevor der Wagen dann in den dritten Tower fliegt. Mehr Action, mehr Absurdität, mehr Wahnwitz geht nicht mehr.

Dabei hat die Reihe ganz klein angefangen. Vor 14 Jahren war das, mit eher mittlerem Budget und weithin unbekannten Schauspielern, wobei man sich bei einem noch über dessen Benzin-Namen amüsieren konnte. Aber dann passierte etwas, womit selbst die Macher nicht im Entferntesten gerechnet haben: Der Film zündete, wurde zum Sensationshit des Kinosommers. Und zog eine Fortsetzung nach der anderen nach sich, die immer noch mehr Geld einspielte als die vorherige, wodurch die Reihe sich als eine der erfolgreichsten im ganzen Actionfach etablierte. Dabei pausierte schon mal der eine und mal der andere Star.

Auch die Chronologie wurde bisweilen auf den Kopf gestellt, wenn spätere Teile zwischen den früheren spielten. Zuweilen geht es dem Zuschauer deshalb wie Michelle Rodriguez, der einzigen Frau unter all den Fleischpalästen, die das Gedächtnis verloren hat und nicht mehr weiß, was früher passiert ist.

Ein paar Pferdestärken mehr im modernen Beschleunigungskino

Macht aber nichts: Man muss die früheren Teile nicht kennen. Auch die Handlung zu umreißen, wäre müßig. Letztlich geht es um Männerkino. Und ein Ur-Prinzip, das wir auch aus dem Western oder dem Ritterfilm kennen: echte Kerle im Sattel, nur dass es im modernen Beschleunigungskino stets ein paar Pferdestärken mehr sind. Aber es bleibt dabei, wer der Schnellere ist. In einer von vielen irrwitzigen Szenen rasen Vin Diesel als der Gute und Jason Statham als der Böse direkt aufeinander zu. Wie die alten Ritter auf den Turnieren mit ihren Lanzen und Rossen. Und mehr als um schauspielerische Leistungen geht es hier darum, wer in welchem Auto welcher Marke und welcher Serie steckt.

Das ist Eskapismus pur, Unterhaltung im Turbodrive, ein einziger, nicht enden wollender Adrenalinkick. Und doch sieht man den siebten Teil nicht mit denselben Augen wie die früheren Filme. Weil Paul Walker eben nicht mehr unter uns weilt. Auch im wirklichen Leben ist der Schauspieler, am 30. November 2013, in einer Edelkarre über den Asphalt gerast. Er saß nicht selbst am Steuer, ein Mythos wie bei James Dean wird es deshalb nicht geben. Es fuhr ein Freund von Walker, aber doch mit 160 Stundenkilometern. Und als der Fahrer in Valencia nördlich von Los Angeles die Kontrolle über den Wagen verlor, gegen einen Laternenmast und dann gegen einen Baum prallte, da stiegen die Fahrer eben nicht, wie bei „Fast & Furious“, mit ein, zwei Schrammen aus dem Wagen und klopften sich den Staub von der Schulter. Walker starb mit gerade mal 40 Jahren.

In den letzten Szenen doubelten die Walker-Brüder

Der Film war da schon in der Mache, doch der Unfall stürzte die Macher in die Krise. Was tun? Den Film vollenden? Abbrechen? Am Ende entschied man sich für Ersteres. Und dreht es nun so hin, dass es eine letzte Hommage an den Toten wird. „Paul selbst hätte gewollt, dass wir den Film beenden“, meint Neil Moritz, einer der Produzenten des Films. „Ich weiß, dass der Film Paul sehr gefallen hätte“, stimmt Drehbuchautor Chris Morgan zu. Und: Walkers Brüder haben dessen letzten Szenen gedoubelt.

So gibt es am Ende, nach dem letzten brachialen Showdown, noch eine lange Abschiedssequenz. Da sausen Vin Diesel und Paul Walker noch mal in zwei Wagen nebeneinander über die Straße, man sieht Ausschnitte aus allen sechs früheren Filmen, und man hört bedeutungsschwer Vin Diesels tiefen Bass aus dem Off: „Du wirst immer mein Bruder sein. Und du wirst immer bei uns sein.“ Dann Abblende. Und der Schriftzug „Für Paul“. Es bleibt ein seltsam pathetischer Nachgeschmack, der nicht so recht passen will zu einem crash-wütigen Actionspektakel, das sich ansonsten nie hinterfragt.

Wertung: Drei von fünf Sternen

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