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Eine ganz schräge Nummer

02.10.2008 | 00:08 Uhr
Eine ganz schräge Nummer

Essen. In "Burn After Reading" spielt Brad Pitt einen unterbelichteten Fitnesstrainer, der sich als Erpresser versucht. Zur Starriege der mörderischen Kino-Komödie der Coens zählen George Clooney, Tilda Swinton und John Malkovich.

Stil ist nicht alles. Aber sehr viel. Das Kino der Brüder Ethan und Joel Coen fußt auf dieser Erkenntnis. Wenn auch nicht jeder Film der beiden unvergesslich ist, so gehören doch der bissige schwarze Humor, der liebevolle Umgang mit dem Erzählstil des klassischen Spannungskinos und der Einfallsreichtum in der Bildgestaltung zu den unverkennbaren Qualitätsmerkmalen ihrer Werke.

Info
Wer verbrennt sich hier die Finger?

Deutscher Kinostart: 02.10.2008

Regie: Joel & Ethan Coen

Darsteller: Brad Pitt, George Clooney, John Malkovich, Frances McDormand, Tilda Swinton u.a.

Trailer

Bilder zum Film

Damit wurden die Brüder zur festen Größe im modernen Autorenkino. Wo Coen draufsteht, da ist eben auch Coen drin. Und bei ihrem neuen, mittlerweile 13. gemeinsamen Film ist das auch nicht anders.

"Burn After Reading", das ist im Englischen die Umschreibung dafür, dass ein Dokument vernichtet werden soll, nachdem man es gelesen hat. Ein solches Dokument in Form einer Daten-CD ist Chad Feldheimer (Brad Pitt) in die Hände gefallen. Der ist ein recht tumber Geselle, der als Trainer in einem Fitnessstudio arbeitet und eigentlich keine finsteren Absichten hegt. Diesmal aber glaubt Chad, den großen Treffer gelandet zu haben und findet in Arbeitskollegin Linda Litzke (Frances McDormand) eine eifrige Komplizin.

Beide sind sich einig, dass auf der CD brisantes Geheimmaterial über CIA-Aktionen ist und wollen nun dem rechtmäßigen Inhaber, einem gewissen Ozzie Cox (John Malkovich), eine stattliche Lösegeldsumme abpressen. Frohen Mutes begibt sich Chad zum ersten Sondierungsgespräch und fängt sich eine blutige Nase, denn Ozzie ist nicht nur mies gelaunt, weil man ihn erpressen will. Der Mann hat kürzlich erst seinen Job bei der CIA verloren, außerdem droht ihm seine Frau Katie (Tilda Swinton) mit kostspieliger Scheidung und geht seit einiger Zeit mit dem smarten Regierungsbeamten Harry Pfarrer (George Clooney) ins Bett.

Sie weiß nicht, dass der verheiratete Harry kein Mann für eine Frau ist und im Internet fleißig nach weiteren Gespielinnen Ausschau hält. Harrys jüngster Fang ist eine gewisse Linda Litzke, die im Blick auf kommende amouröse Attraktionen schon länger mit einer Schönheitsoperation liebäugelt, die sie mit dem Lösegeld aus Ozzies Daten-CD bezahlen will. Damit die Sache endlich in Gang kommt, will sie das vermeintliche CIA-Geheimmaterial nun an die Russen verkaufen. Das löst bei der CIA die Alarmglocken aus. Bald wird jeder von jedem bespitzelt und die Nervenkostüme werden immer dünner.

Es ist eine ziemlich komplizierte Sache, bis alle wesentlichen Figuren und Handlungsfäden dieses Films etabliert sind. Die Lage lichtet sich auch nicht, sobald man einen ersten Überblick gewonnen hat. In den meisten Fällen wäre ein solches Verwirrspiel schnell überreizt und gespannter Erwartung folgt Überdruss.

Bei den Coens ist das anders und in diesem Fall umso mehr, weil die Brüder nach dem düsteren, brutalen Oscar-Erfolg "No Country for Old Men" das Makabre mit betont komischem Unterton beschwören. Der Humor resultiert aus der Überzeichnung von Versatzstücken und Charakterskizzen, in denen banale Alltagsdetails und persönliche Schrullen bis zur Karikatur überhöht und mit präzisem Timing im Wortwitz veredelt werden. Überdies fahren die Coens eine hochkarätige Schauspielerriege auf: Mit Clooney, Swinton und McDormand sind gleich drei Oscar-Preisträger dabei. Und wenn es Gerechtigkeit gibt, dann werden Pitt und Malkovich im nächsten Jahr endlich auch ihre Trophäen bekommen. Vor allem Brad Pitt ist als gutgelaunter Dummbub mit blödem Grinsen, leeren Augen und tapsig tänzelnder Körpersprache eine echte komödiantische Entdeckung.

Allerdings ist der Film keine reine Lachnummer. Wer mit dem Feuer spielt, kann sich die Finger verbrennen, und so kommt es im letzten Viertel zu einigen unschönen Momenten für einige der Beteiligten. Man kann sich darüber streiten, ob das so drastisch brutal ins Bild gerückt werden musste. Die Coens waren in diesem Punkt aber nie zimperlich. Zartbesaitete seien dennoch gewarnt. Die FSK-Freigabe ab 16 hat ihren guten Grund, denn diese Mordskomödie wird am Ende tatsächlich auch mörderisch.

Uwe Mies

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Kommentare
01.10.2008
14:33
Eine ganz schräge Nummer
von Schmartgegner | #1

Super Film ! Beste seit langem !

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