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Ein russischer Sommer

25.01.2010 | 12:45 Uhr
Ein russischer Sommer. © Warner Bros. Ent.
Ein russischer Sommer. © Warner Bros. Ent.

Michael Hoffman erzählt in einem biografischen Drama von den letzten Tagen Leo Tolstois.

Im Frühjahr 1910 ahnt der russische Schriftsteller Leo Tolstoi (Christopher Plummer) bereits, dass er nicht mehr lange zu leben hat. Es ist daher an der Zeit, den Nachlass zu regeln. Tolstois langjähriger Weggefährte Tschertkow (Paul Giamatti) sähe es gern, wenn der Literat die Rechte an seinen Werken dem russischen Volk überschreiben würde. Doch Ehefrau Sofia (Helen Mirren) ist davon wenig begeistert. Zwischen beiden Parteien entbrennt daraufhin ein erbitterter Streit, den Tolstois neuer Privatsekretär Valentin Bulgakov (James McAvoy) aus nächster Nähe reflektiert.

In dem biografischen Drama «Ein russischer Sommer» blickt Regisseur Michael Hoffman («Ein Sommernachtstraum») auf die bewegenden, von Auseinandersetzungen und Vorwürfen geprägten letzten Tage von Leo Tolstoi zurück. Dabei skizziert er einen charismatischen Mann, der schon zu Lebzeiten zu Ruhm und Reichtum kam und überdies Begründer einer gesellschaftspolitischen Bewegung war. Geliebt vom Volk und von den Medien genießt Tolstoi im Film zunächst seinen Lebensabend.

Gewaltige Lücken klaffen zwischen Dichtung und Wahrheit

Info
Ein russischer Sommer

Deutscher Kinostart: 28. Januar 2010

Regie: Michael Hoffman

Darsteller: James McAvoy, Helen Mirren, Christopher Plummer, Paul Giamatti und andere

Doch der schöne Schein trügt. Hinter den Kulissen brodelt es. Um dies zu verdeutlichen, lässt Hoffman die Handlung, die zum großen Teil in Sachsen-Anhalt gedreht wurde, aus dem Blickwinkel des von James McAvoy («Abbitte») gespielten Bulgakov erzählen. Als flammender Tolstoianer beginnt er seinen Dienst auf dem Landgut seines Idols. Ziemlich unverblümt und reichlich naiv offenbart er ihm seine Ehrerbietung. Doch mit der Zeit muss Bulgakov erkennen, dass zwischen Dichtung und Wahrheit bisweilen gewaltige Lücken klaffen.

Auf dem Weg zu dieser Erkenntnis entwickelt sich «Ein russischer Sommer» zu einem Drama, in dem sich die in die Jahre gekommene Ehe von Leo und Sofia Tolstoi immer deutlicher auf die Leinwand drängt. Während Tolstoi bemüht ist, sein Erbe zu regeln, beginnt es in der schrulligen Beziehung mächtig zu kriseln. Das Wetteifern um die Verwertungsrechte führt schließlich zum Bruch und Tolstois Auszug. Das Bahnwärterhäuschen von Astapowo wird zu seiner letzten Bleibe.

Helen Mirren überzeugt als so zornige wie liebende Ehefrau

Als gestandenes Ehepaar, das weder mit noch ohne einander auskommen kann, blühen die Co-Stars Christopher Plummer («Insider») und Helen Mirren («Die Queen») vor der Kamera förmlich auf. Vor allem Mirren überzeugt als sorgende, entschlossene, zornige und trotz allem stets liebende Ehefrau.

Ein wenig zu kurz kommen dafür die gesellschaftspolitischen Rahmenbedingungen wenige Jahre nach dem Ende der Russischen Revolution. Hoffman bricht die Handlung stattdessen auf die privaten Themen Liebe, Trennung und Versöhnung herunter. Dadurch versäumt er es, den Film in ein Kinoepos klassischen Ausmaßes zu verwandeln. Dennoch ist ihm mit «Ein russischer Sommer» ein vorzüglich bebildertes und leidenschaftliches Drama gelungen. (ddp)

DerWesten

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