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Ein Prophet

10.03.2010 | 16:27 Uhr
Ein Prophet. © Sony Pictures
Ein Prophet. © Sony Pictures

Karriere im Knast: Malik schafft es vom Häftling zum Mafia-Paten. Ein "Prophet" auf Abwegen.

Sechs Jahre muss der gerade mal 19 Jahre alte Franzose Malik (Tahar Rahim) im Gefängnis absitzen. Sechs Jahre, die ihn resozialisieren und zu einem besseren Menschen machen sollen. Doch im Gefängnis von Brécourt erlebt Malik alles andere als eine Erziehung zum Guten. In zweieinhalb bis zuletzt atemberaubend spannenden Stunden erzählt Regisseur Jacques Audiard ("Der wilde Schlag meines Herzens") Maliks Aufstieg hinter Gittern vom Kleinkriminellen zum Großgangster.

Vom Kleinkriminellen zum Dienstboten

Der ebenfalls inhaftierte korsische Mafiaboss César Luciani (Niels Arestrup), der als heimlicher Patron das Gefängnisleben kontrolliert, nimmt sich des ungebildeten, arabischstämmigen Jungen an. Um künftig seine Protektion zu erfahren, muss Mailk allerdings erst einen von Luciani verhassten muslimischen Mithäftling (Hichem Yacoubi) ermorden. Von da an ist Malik vor den Übergriffen der Schwerstkriminellen geschützt, dafür wird er von Luciani wie ein Dienstbote behandelt.

Doch Malik lernt sich anzupassen. Schritt für Schritt arbeitet er sich innerhalb des Systems hoch. Bald schon gewährt man ihm Botengänge, er organisiert Drogendeals und spielt schließlich die rivalisierenden Mafiaclans gegeneinander aus. Malik, der als unbedeutender Kleinganove das Gefängnis betreten hatte, verlässt es als einflussreicher Krimineller.

Info
Ein Prophet

Kinostart: 11. März 2010

Regie: Jacques Audiard

Darsteller:Tahar Rahim, Niels Arestrup, Adel Bencherif, Hichem Yacoubi, Reda Kateb und andere

Ob ihn der Zuschauer als Opfer eines aus der Kontrolle geratenen Systems bedauern oder ihn für seinen Willen zum Aufstieg bewundern soll, lässt Regisseur Audiard völlig offen. Eine klare Haltung sucht man in seinem Film vergebens. Statt eines gesellschaftskritischen Lehrstücks hat Audiard ein nüchtern und schonungslos beschriebenes Gesellschaftsdrama geliefert und dabei auch vor drastischen Darstellungen des Gefängnisalltages und brutaler Gewalt nicht zurückgeschreckt.

Malik wird zum Propheten

Umso irritierender sind die wenigen mystisch-fantastischen Momente, in denen Malik von traumatischen Erlebnissen heimgesucht wird, die ihn zugleich zu einer Art Heilsfigur, dem titelgebenden Propheten machen.

Kameramann Stéphane Fontaine hat für die entfesselten Gewaltexzesse wie auch für die kafkaesken Traumsequenzen grandiose Bilder gefunden. Er hat, neben dem bisher kaum bekannten Hauptdarsteller Tahar Rahim, entscheidenden Anteil am überwältigenden Gesamteindruck des Oscar-nominierten Filmes. Rahim wurde für seine darstellerische Leistung bereits mit dem Europäischen Filmpreis und dem César gewürdigt. Insgesamt wurde "Ein Prophet" in neun Kategorien des französischen Filmpreises ausgezeichnet. Regisseur Audiard bekam zudem bei den Filmfestspielen von Cannes 2009 den Großen Preis der Jury. (ddp)

DerWesten

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