Kino
Dinosaurier
20.12.2009 | 10:30 Uhr 2009-12-20T10:30+0100In Leander Haußmanns "Dinosaurier" schlagen Altersheimbewohner einem skrupellosen Banker ein Schnippchen.
Den Banken ist nicht mehr zu trauen. Lena Braake (Eva-Maria Hagen), die pensionierte Lehrerin, tut es dennoch und unterzeichnet ungelesen, was ihr der freundliche Bankberater Tobias Hardmann (Daniel Brühl) zum Unterschreiben vorlegt. Nur kurze Zeit später hat sie ihr fast abbezahltes Häuschen verloren und muss ihren Lebensabend in dem heruntergekommenen Altersheim "Sonnenruh" verbringen. Die Einstiegsszenen zu "Dinosaurier - Gegen uns seht ihr alt aus!" lassen zunächst eine Satire auf die internationale Immobilien- und Bankenmisere erwarten, doch so hoch will Regisseur Leander Haußmann mit seinem neuen Film gar nicht hinaus.
Scherze über Alzheimer, vertauschte Gebisse und Katheterbeutel
Deutscher Kinostart: 24.12.2009
Regie: Leander Haußmann
Darsteller: Eva-Maria Hagen, Edzard Haußmann, Walter Giller, Nadja Tiller, Horst Pinnow, Daniel Brühl, Benno Führmann u.a.
Seine freie Adaption von Bernhard Sinkels preisgekröntem Debütfilm "Lina Braake oder Die Interessen der Bank können nicht die Interessen sein, die Lina Braake hat" aus dem Jahr 1975 zielt weniger auf feinen oder systemkritischen, denn auf brachialen Humor. In dem Film wird ungezwungen über Alzheimer, vertauschte Gebisse und Katheterbeutel gescherzt.
So stellt sich der pensionierte Ex-Manager Johann Schneider (Ezard Haußmann) im Altersheim seniler als er in Wahrheit ist, um sich eine höhere Pflegestufe zu erschwindeln und bestellt sich zum Geburtstag ein paar Stripperinnen aufs Zimmer. Der ewige Filou will Lena Braake nun zu ihrem Recht und ihrem Häuschen verhelfen. Mit Hilfe der tolldreisten Heimbewohner soll der skrupellose Jungbanker Hardmann mit seinen eigenen Waffen geschlagen werden.
Lust an der Blödelei
Wirklich glaubwürdig ist der Plan der rüstigen Rentner-Riege allerdings nicht, aber darauf scheint es weder dem Drehbuchautoren Mark Kudlow noch Regisseur Haußmann angekommen zu sein. Als Kommentar auf die Turbulenzen im internationalen Banken- und Wirtschaftswesen kann "Dinosaurier" nicht gemeint gewesen sein. Haußmanns Interesse gilt dem fast vergessenen Genre der Klamotte. Noch mehr als bereits im vorangegangenen Film "Robert Zimmermann wundert sich über die Liebe" setzt er auf boulevardeske Winkelzüge, klischeehafte Figuren und Slapstick-Humor.
Diesen brachialen Albernheiten schaut man dennoch gerne zu, weil Haußmann dafür eine ganze Riege altgedienter Stars der bundesrepublikanischen Film- und Fernsehunterhaltung zusammengetrommelt hat - von Ralf Wolter und Ingrid van Bergen über Walter Giller bis Nadja Tiller. Diese spielen mit so viel Elan, Selbstironie und Lust an der Blödelei, dass ihre jüngeren Kollegen wie Benno Fürmann als Immobilienspekulant oder Tom Gerhardt als profitgieriger Heimleiter ziemlich blass aussehen. (ddp)