"Die süße Gier" ist ein Trip in die funkelnde Finanzwelt

Der Finanzjongleur Giovanni Bernaschi (Fabrizio Gifuni) führt mit seiner Frau Carla (Valeria Bruni Tedeschi) und seinem Sohn ein Leben im Luxus.
Der Finanzjongleur Giovanni Bernaschi (Fabrizio Gifuni) führt mit seiner Frau Carla (Valeria Bruni Tedeschi) und seinem Sohn ein Leben im Luxus.
Foto: Loris T.Zambelli/ Movienet
Was wir bereits wissen
Das Drama "Die süße Gier – Il Capitale Umano" kommt ins Kino. Beim italienischen Filmpreis David di Donatello wurde es als bester Film ausgezeichnet.

Essen.. Am Anfang von Paolo Virzis Film „Die süße Gier – Il Capitale Umano“ ereignet sich auf einsamer Landstraße ein fataler Unfall. Ein Geländewagen erfasst in einer Kurve einen Radler, der Fahrer aber jagt weiter, ohne sich um den Schwerverletzten zu kümmern. Der Zuschauer ist damit unweigerlich auf Spannung gepolt und erwartet nun eigentlich einen Thriller.

Der Film aber schlägt danach einen mächtigen Haken, wartet plötzlich mit leuchtenden Sommerfarben auf und beginnt schließlich, säuberlich in vier Kapitel gegliedert, mit der Schilderung schicksalhafter Verstrickungen von zwei Familien aus unterschiedlichen gesellschaftlichen Schichten. Der tragische Unfall zu Beginn wird erst sehr viel später wieder eine wichtige Rolle spielen.

Handlung von Connecticut nach Norditalien verpflanzt

Stephen Amidons Roman „Human Capital“, dessen Handlung hier von Connecticut kurzerhand nach Norditalien verpflanzt wurde, ist ein Trip in die funkelnde, undurchsichtige Welt der Finanzspekulation, erzählt von Menschen, deren Schicksal allein vom Geld bestimmt wird. Dabei kann auch Regisseur Virzi nicht ganz retuschieren, dass den handelnden Personen dabei gelegentlich das Holzschnittartige von Demonstrationsfiguren anhaftet.

Das fängt schon mit dem heftig chargierenden Immobilienmakler Dino Ossola (Fabrizio Bentivoglio) an, der sich unangenehm direkt der Familie des Finanzjongleurs Bernaschi (Fabrizio Gifuni) aufdrängt. Seit seine Tochter mit dem Sohn des Hauses liiert ist, hofft der finanziell ins Schlingern geratene Papa, hier endlich lukrativ investieren zu können.

Doch Virzi, nebenbei auch noch Direktor des Turiner Filmfestivals, versteht es, selbst mit ausgestanzten Figuren durch Wechsel der Perspektive interessant zu erzählen. Und wenn ihm dann auch noch Darsteller wie Valeria Bruni Tedeschi als vernachlässigte und schmerzhaft enttäuschte Ehefrau Carla zur Verfügung stehen, möchte man fast man schon wieder an die Zukunft des in letzter Zeit wenig interessanten italienischen Kinos glauben.

Wertung: drei von fünf Sternen