Das aktuelle Wetter NRW 13°C
Film

Die Lust auf Wirklichkeit im Dokumentarfilm

02.11.2012 | 18:37 Uhr
Die Lust auf Wirklichkeit im Dokumentarfilm
Schauplatz des Eröffnungsfilms „Stahlbrammen und Pfirsiche“: die Hüttenwerke Krupp-Mannesmann in Duisburg-Hüttenheim.Foto: Duisburger Filmwoche

Duisburg.   Seit mittlerweile 36 Jahren ist die Duisburger Filmwoche eine Heimstatt des engagierten Dokumentarfilms. Jedes Jahr bringt neue Überraschungen, bietet verblüffende Einblicke in Welten, die einem völlig unbekannt sind. Am kommenden Montag, 5. November, geht es wieder los.

„Zu einer anderen Zeit“, bedauert der Betriebsrat, „da hätte man sehen können, wie viel Grün es auf der Hütte gibt.“ Aber als es um diesen Betriebsrat ging, da hatten Florian Pawliczek und Andi Michaelis von der FH Dortmund eher eine spätherbstliche Stimmung im Sinn. Passend zu der Stimmung bei den Hüttenwerken Krupp-Mannesmann in Duisburg-Hüttenheim, wo nicht wenige der Arbeiter die Kündigung erwarten. Die Frage ist nur, wann der Ofen endgültig aus ist.

Der Film der beiden Nachwuchsfilmer trägt den schönen Titel „Stahlbrammen und Pfirsiche“ und eröffnet am kommenden Montag die 36. Duisburger Filmwoche. Es ist sicher ein Glücksfall, dass ein Film mit lokaler Thematik dieses dokumentarischen Traditionsfestival eröffnet. Das dokumentiert auch die Nähe zu einer Stadt, die diese Veranstaltung über Jahrzehnte am Leben gehalten und gerade erst wieder eine Versicherung für die Zukunft abgegeben hat.

Der Traumwagen vor der Haustür

„Stahlbrammen und Pfirsiche“ holt uns die Menschen heran, die auf typischen Industriebildern nur wie kleine Spielfiguren inmitten riesiger Werkshallen wirken. „Vatta auffe Hütte, Oppa auch, dat ging ganz automatisch“, erzählt der 43-jährige Schleifer, der selbst lieber zur Post gegangen wäre. Dann aber hätte er vermutlich nicht eine solche Sehnsucht nach kleinen Fluchten mit seinem Traumwagen entwickelt, der bisher unbenutzt vor der Haustür steht, weil noch „die Fleppe weg is“. Bald aber wird er ihn tunen, mit mächtigem Auspuff und reichlich Krach. Das muss wohl sein, damit der Lärm des Schleifens innerlich übertönt wird.

Meldung vom 31.10.12
Filmwoche im Filmforum Duisburg langfristig gesichert

Zum Auftakt der 36. Duisburger Filmwoche läuft am Montag, 5. November, „Stahlbrammen und Pfirsiche“ über die Leinwand. Der Dokumentarfilm beleuchtet die Arbeitswelt im Hüttenwerk Krupp-Mannesmann in Hüttenheim.

„Bilderräume“ ist das Duisburger Programm in diesem Jahr betitelt. Will sagen: Hier sieht man Filme, in denen die Kamera in Räume eintaucht, die dem Betrachter gemeinhin verschlossen bleiben. Wie beispielsweise das Hochsicherheitsgefängnis „Thorberg“, eine Art Alcatraz der Schweiz. Dem Regisseur Dieter Fahrer ist es dennoch gelungen, sieben Einsitzende danach zu befragen, ob der offene Vollzug einen Menschen sozial bessert.

Evangelikale Christen in Colorado Springs

Der Lebensraum evangelikaler Christen in Colorado Springs steht im Zentrum von „Virgin Tales“, einem beklemmenden Film über einen Fundamentalismus, der Mädchen zur sexuellen Abstinenz bis zur Hochzeitsnacht nötigt und aus jedem Mann einen Kämpfer für ein anderes Amerika macht.

Allein acht Uraufführungen und fünf deutsche Erstaufführungen finden sich unter den 26 Filmen des Hauptprogramms. Alte Bekannte wie Harun Farocki und Romuald Karmakar sind wieder dabei. Vor allem aber der Nachwuchs sei es, so Festival-Chef Werner Ružička, der diesmal „durch eigen- und oft widerständige Arbeiten“ auf sich aufmerksam mache.

Arnold Hohmann



Kommentare
Aus dem Ressort
Elyas M'Barek hat gespürt, wie rasant "Who am I" wird
Kinofilm
Datenschutz hat Elyas M'Barek in seiner Rolle als Hacker Max in "Who am I" nicht interessiert. Viel wichtiger waren dem Schauspieler die Verstrickungen der Geschichte selbst. Im Interview spricht M'Barek über seinen neuen Film und verrät, warum sich Vor- und Nachteile des Ruhms die Waage halten.
Brillantes Melodram Phoenix über eine Auschwitz-Überlebende
Melodram
Bereits zum sechsten Mal spielt Nina Hoss die Hauptrolle in einem Film von Christian Petzold. In dem Melodram „Phoenix“ verkörpert sie die Auschwitz-Überlebende Nelly, die mit einer schweren Gesichtsverletzung in ihre Heimatstadt Berlin zurückkehrt und vom eigenen Mann nicht erkannt wird.
Schauspielstar Jean Reno glänzt als griesgrämiger Großvater
Familienfilm
"Ein Sommer in der Provence" der französischen Regisseurin Rose Bosch handelt von einem Familienurlaub, bei dem es zwischen den verschiedenen Generationen heftig knallt. Für die Hauptrolle des miesepetrigen Großvaters konnte Bosch („Die Kinder von Paris“) den französischen Star Jean Reno gewinnen.
Ottos Zwerge kehren als 3D-Animation auf der Leinwand zurück
3D-Film
Nach zwei erfolgreichen Realfilmen kehrt Waalkes als Produzent und Sprecher zu dem parodistischen Märchen-Projekt zurück. Diesmal im Gewand eines 3D-Animationsfilms. Der Film ist allerdings eher ein Neuanfang als eine Fortsetzung.
Brillantes Melodram Phoenix über eine Auschwitz-Überlebende
Melodram
Bereits zum sechsten Mal spielt Nina Hoss die Hauptrolle in einem Film von Christian Petzold. In dem Melodram „Phoenix“ verkörpert sie die Auschwitz-Überlebende Nelly, die mit einer schweren Gesichtsverletzung in ihre Heimatstadt Berlin zurückkehrt und vom eigenen Mann nicht erkannt wird.
Umfrage
Essen testet jetzt, ob nächtliches Tempo 30 auf Hauptverkehrsstraßen etwas für den Lärmschutz bringt. Was halten Sie davon?
 
Fotos und Videos
So viel verdienen die Hollywood-Stars
Bildgalerie
Forbes-Liste
Fifty Shades of Grey - Trailer
Video
Erotik-Verfilmung
Schiller auf dem roten Teppich
Bildgalerie
Filmpremiere
Die Top-Verdiener Hollywoods
Bildgalerie
Stars