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Die Heimat eines Eisenbahners ist die Schiene

19.12.2008 | 18:47 Uhr

Ein Zug ruckelt gemächlich durch die norwegische Winterlandschaft. Im Führerhaus der Lokomotive sitzt Odd Horton, Eisenbahner aus Passion und auf seiner vorletzten Dienstfahrt.

Im Dienst vorbildlich: Lokführer Odd Horton. (Pandora)

Nach 40 Jahren tadellosen Einsatzes in der Personenbeförderung zwischen Oslo und Bergen geht Odd (großartig: der 72-jährige Bård Owein) in den verdienten Ruhestand. Eine letzte Fahrt steht an, doch ausgerechnet die verschläft er. Was ihm in all den Jahren noch nie passiert ist.

Mit "O´Horton" hat der norwegische Regisseur Bent Hamer, der bereits mit "Kitchen Stories" seinen ebenso skurrilen wie lakonischen Humor unter Beweis stellte, eine hinreißende Tragikomödie über das Altern gedreht. Schnell wird deutlich, dass der Führerstand O´Hortons eigentliches Zuhause war und er sich in der Welt abseits der Gleise überhaupt nicht auskennt. Und so taumelt der orientierungslose Pensionär von einer absurden Situation in die nächste. Mal findet er sich im Auto eines Hobby-Philosophen wieder, der mit verbundenen Augen durch die Stadt rast und ihm den Sinn des Leben erklären will, mal hockt er am Bett eines Kindes, für das er den Sandmann spielen soll. Und nach unzähligen anderen seltsamen Vorkommnissen steht Odd am Ende auf der Skisprungschanze am Holmenkollen, um den Traum seiner verstorbenen Mutter in die Tat umzusetzen.

"O´Horton" ist ein melancholischer Film über die verpassten Chancen des Lebens, vermittelt aber zugleich die tröstende Hoffnung, dass mit 67 längst nicht alles vorbei ist. Ein wunderbarer Film, in dem kein Wort zuviel gesprochen wird und der aussieht, als hätten sich Aki Kaurismäki und Loriot zu einer altersweisen Gemeinschaftsproduktion verabredet.

Von Reinhard Lüke

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