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Die Fremde
10.03.2010 | 13:26 Uhr 2010-03-10T01:26+0100Sibel Kekilli kämpft in ihrem neuen Film für ihre Freiheit - und fällt einem "Ehrenmord" zum Opfer
Es sind Schicksale wie das der 2005 in Berlin ermordeten Hatun Sürücü, die einer breiten Öffentlichkeit aufzeigten, dass sogenannte Ehrenmorde nicht nur fern in der Türkei stattfinden. Die Deutschkurdin war von ihren Brüdern erschossen worden, weil sie ihr Recht auf ein modernes, selbstbestimmtes Leben einforderte. Doch damit beschmutzte sie für ihre Angehörigen die Familienehre. So wie die junge Türkin Umay in Feo Aladags Regiedebüt "Die Fremde".
Ausschluss von der Familie
Weil sie ihre von Unterdrückung und Gewalt geprägte Ehe nicht mehr erträgt, verlässt Umay ihren Mann Kemal (Ufuk Bayraktar) und flieht mit ihrem Sohn Cem von einem Vorort in Istanbul zu ihren Eltern nach Berlin. Doch dort wird sie keineswegs mit offenen Armen empfangen. Als sie sich weigert, zu ihrem Mann zurückzukehren oder das gemeinsame Kind dem Vater zu übergeben, wird sie von ihrer Familie ausgestoßen. Deren Verständnis von Familienehre nimmt schließlich ein tragisches Ende.
Kinostart: 11. März 2010
Regie: Feo Aladag
Darsteller: Sibel Kekilli, Settar Tanriogen, Derya Alabora, Florian Lukas, Tamer Yigit, Alwara Höfels, Nizam Schiller, Ufuk Bayraktar und andere
Sibel Kekilli, die mit einer ähnlichen Rolle in Fatih Akins Berlinale-Gewinnerfilm "Gegen die Wand" (2004) ihr Leinwanddebüt feierte, überzeugt auch hier mit einer außergewöhnlichen schauspielerischen Leistung. Zu einer Schlüsselszene und einem nachdrücklichen Auftritt wird die Hochzeit von Umays Schwester: Sie ist als Gast nicht erwünscht, drängt sich aber ihrer überforderten Familie bei der Feier auf und wird schließlich brutal hinausgeworfen.
Männer sind ebenfalls in Not
Die in Wien geborene Schauspielerin Feo Aladag hat die Geschichte ihres Regiedebüts gut recherchiert und eine grobe Schwarz-Weiß-Malerei oder moralische Pauschalverurteilung vermieden. Verlierer gibt es auf beiden Seiten, denn auch Umays in Berlin-Kreuzberg lebende Familie ist zerrissen zwischen den traditionellen Werten, den Erwartungen der türkisch-muslimischen Gesellschaft und der Liebe zur ihrer Tochter.
"Indem ich die Männer nicht als Täter, sondern ebenso als Opfer von strukturellen, traditionellen Dynamiken erzähle, und ihre Nöte, ihr Ringen und ihre Zerrissenheit aufzeige, versuche ich der Absurdität dieser Mechanismen Ausdruck zu verleihen, ihnen ein menschliches Gesicht zu geben", sagt die Filmemacherin.
Ein eindringliches Familienporträt
Tatsächlich ist "Die Fremde" nicht zu einem gut gemeinten politischen Statement geworden, sondern zu einem eindringlichen Familienporträt, welches die Probleme multikultureller Parallelgesellschaften vielschichtig und differenziert aufzeigt und ganz sicher die Debatte über Integration und Ehrenmorde anregen wird. (ddp)
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der Film ist Der Hammer - unbedingt sehenswert