Der Tod lehrt sehen
02.02.2009 | 15:00 Uhr 2009-02-02T15:00:00+0100
An Rhein und Ruhr. Wendepunkte eines Lebens: Nanni Moretti spielt in in Antonello Grimaldis Film "Stilles Chaos" einen Aussteiger, der zu Hause bleiben will.
Eine Frau stirbt, während ihr Mann um das Leben einer anderen schwimmt. Sehr wirkungsvoll sind diese ersten Szenen, mit denen Antonello Grimaldi seinen Film "Stilles Chaos" beginnt. Sie zeigen den Fernsehmanager Pietro am Strand, beim Beach-Tennis mit seinem Bruder. Die beiden retten zwei Frauen vor dem Ertrinken und als sie nach Hause kommen, ist Pietros Lebensgefährtin tot.
Märchenhaft unspektakulär
Deutscher Filmstart: 29.01.2009
Regie: Antonello Grimaldi
Darsteller: Nanni Moretti, Blu Yoshimi, Alessandro Gassmann, Valeria Golino u.a.
Was nun folgen könnte, wäre eine tränenblinde Schluchz-und Schmerzensstory. Doch Grimaldis Geschichte nach dem Bestseller von Sandro Veronesi geht ganz anders. Leiser, heiterer und auf eine märchenhafte Weise unspektakulär.
Der italienische Großschauspieler Nanni Moretti führt mit "Stilles Chaos" gewissermaßen ein Thema weiter, das er mit "Das Zimmer meines Sohnes" schon einmal auf traurige Weise bearbeitet hat: den Verlust, den Schmerz dieser unheilbaren Wunde namens "Warum?" Diesmal jedoch ist der Tod vor allem ein Wendepunkt in Pietros Leben, das so nicht mehr weitergehen kann. Er wird ein Aussteiger, aber einer, der nicht möglichst weit weg will.
Halt finden im Wiedererkannten
Er will bloß dableiben, wo er gerade ist. Genau vor der Schule seiner kleinen Tochter Claudia (großartig: Blu Yoshimi), die er anfangs vor allem mit ängstlicher Überfürsorge überschüttet. Doch dann wird dieser Platz im Park mehr als ein Fluchtpunkt und Wachposten, sondern seine eigene kleine Welt, ein Refugium, in dem sich die Freunde und Verwandten ganz selbstverständlich einfinden wie die Geschäftspartner und Vorgesetzten. Und Pietro, der lange so blind war für die ganzen alltäglichen Dinge, lernt plötzlich wieder sehen. Er beobachtet die hübsche Hundebesitzerin bei ihrem täglichen Gassigang, wird dem behinderten Jungen irgendwann wie selbstverständlich zuwinken, erhält seltsame Angebote seiner attraktiven Schwägerin und trifft irgendwann sogar wieder die Frau vom Meer.
So geht das "Stille Chaos" über in eine lebensrettende Ordnung aus öffentlichem Leben; aus banalen Wiedererkennungsmomenten, die wieder Halt in Pietros Leben bringen. Ein rührender Film zwischen Lachen und Weinen, zwischen Trauer und Trost. Ein einfühlsames Werk, das ziemlich gekonnt zwischen Moll und Dur hin und her zu balancieren versteht. (NRZ)
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