Das aktuelle Wetter NRW 26°C
Kino

Der „Schlussmacher“ – eine richtig müde Schweighöfer-Komödie

09.01.2013 | 14:34 Uhr
Der „Schlussmacher“ – eine richtig müde Schweighöfer-Komödie
Toto (l., Milan Peschel) klettet sich an den „Schlussmacher“ Paul (Matthias Schweighöfer).Foto: Twentieth Century Fox

Essen.   Matthias Schweighöfer spielt Paul Voigt, ein Mann, der damit sein Geld verdient, dass er Liebesbeziehungen auflöst. Die Komödie „Schlussmacher“, in der Schweighöfer auch Regie führt und an der er mitgeschrieben hat, wirkt abgeguckt vom Clooney-Film "Up in the Air" - und kann nicht wirklich überzeugen.

Vermutlich ist Matthias Schweighöfer die Idee zu seinem neuen Film „Schlussmacher“ beim Betrachten von George Clooney in „Up in the Air“ gekommen. Clooney spielt da einen smarten Vielflieger mit einer unangenehmen Aufgabe: Wo immer er auch landet, muss er im Auftrag feiger Firmenchefs ahnungslosen Angestellten mitteilen, dass ihre Dienste ab sofort nicht mehr gebraucht werden.

Dann händigt er ihnen eine Mappe aus, die den Gekündigten zumindest vorgaukeln soll, dass der künftige Zustand der Arbeitslosigkeit nicht das soziale Abstellgleis sein muss. In „Schlussmacher“ nun verkörpert Schweighöfer mit Paul Voigt einen Reisenden in Sachen „Verblühte Liebe“. Im adretten Business-Anzug besucht er seine Zielpersonen an der Haustür, um ihnen als Botschafter ihrer bisherigen Lebenspartner den Laufpass zu geben.

Und natürlich überreicht er den verdutzten Neu-Singles dabei gleich auch noch einen Karton, in dem sich bedruckte Ratschläge seiner Berliner Agentur „Happy End“ befinden. Niemand wird leugnen, dass zwischen beiden Filmen mehr als nur eine zufällige Verwandtschaft besteht.

Die Grundidee vom "Schlussmacher" zerbröselt

Der Unterschied ist nur: „Up in the Air“ schildert eine längst gängige Praxis in der immer kälter werdenden Arbeitswelt, „Schlussmacher“ jedoch basiert auf einer Grundidee, die sofort zerbröselt, wenn man nur einmal anfängt, sie zu hinterfragen. Nun werden einige Beziehungen heutzutage zwar bereits per SMS beendet, einem wildfremden Herrn an der Haustür allerdings würde man so schnell nicht über den Weg trauen, würde ihn vermutlich auch gar nicht erst in die Wohnung bitten. Schon gar nicht, wenn der plötzlich auch noch verlangen sollte, dass man selbst diese Wohnung binnen kürzester Zeit zu verlassen hat.

Im adretten Business-Anzug

Aber das ist das Marode an vielen deutschen Komödien: Man schielt auf Erfolgsrezepte des US-Kinos, ohne sie auf ihre Machbarkeit im sozialen Umfeld der Bundesrepublik hin zu überdenken. Matthias Schweighöfer schielt in diesem Fall besonders heftig, was sich auch an vielen anderen Einzelheiten dieses Films zeigt. Nehmen wir nur Toto (Milan Peschel), eine Seele von Mann, den seine Lebensgefährtin Katharina (Nadja Uhl) aus uns nicht bekannten Gründen loswerden möchte. Dieser zunächst sehr weinerliche Typ ist jedoch einer, der um nichts in der Welt allein sein möchte, weshalb er sich wie eine Klette an Paul hängt.

Das Drehbuch jedoch schafft schnell die Möglichkeit, dies schließlich in eine uns nur allzu vertraute Buddy-Beziehung von zwei höchst gegensätzlichen Charakteren münden zu lassen. Paul verliert bei einer Alkoholkontrolle seinen Führerschein, da wird Toto kurzer Hand als Chauffeur engagiert, der den „Schlussmacher“ nun quer durch die Republik kutschieren darf. Und dass dieser Paul dabei allmählich seine distanzierte Haltung zu Frauen ändert, um schließlich doch der Liebe eine Chance zu geben, darauf kann man wetten.

Schweighöfer kann sich nicht herausreden

Ähnlich wie schon zuletzt „What a Man“ ist dies ganz und gar Matthias Schweighöfers Film. Er ist nicht nur Regisseur und Hauptdarsteller, er hat auch am Drehbuch mitgeschrieben und tritt selbst als Produzent in Erscheinung. Er kann sich also nicht herausreden, wenn man auf den zweifelhaften Humor dieses Werkes zu sprechen kommt.

Der bewegt sich zwischen Kloschüsseln und furzenden Bettgenossen, macht üble Scherze auf Kosten von übergewichtigen Frauen und stattet Russen grundsätzlich mit einer Kalaschnikow aus. Ganz nebenbei wartet „Schlussmacher“ auch noch mit der biedersten aller Männerphantasie auf, dass nämlich zwei Lesben hin und wieder doch mal einen richtigen Kerl im Bett brauchen.

Schweighöfer selbst bemüht sich, seinen Paul als ein reines Nervenbündel zu präsentieren, was in einer enervierenden Art von überzogener Darstellung mündet. Und eigentlich kann man nur Milan Peschel bewundern, der ein Gespür für Slapstick besitzt und selbst peinlichste Szenen noch mit Bravour zu überspielen versucht. „What a Man“, die letzte Komödie dieses Regisseurs, zog 1,8 Millionen Menschen ins Kino. Es steht zu befürchten, dass es diesmal nicht viele weniger sein werden.

Arnold Hohmann


Empfehlen
Themenseiten
Kommentare
Kommentare
Aus dem Ressort
Trailer gibt ersten Vorgeschmack auf "Fifty Shades of Grey"
Roman-Verfilmung
Die Verfilmung des Erfolgsromans "Fifty Shades Of Grey" kommt zwar erst im Februar 2015 in die Kinos, doch schon jetzt gibt es einen kleinen Vorgeschmack im Internet zu bewundern. Universal hat einen ersten Trailer veröffentlicht. Die Reaktionen fallen gemischt aus.
Fatih Akin mit "The Cut" beim Filmfestival von Venedig
Filmfestival
Als einziger deutscher Beitrag ist der Film "The Cut" von Fatih Akin im Rennen um den Goldenen Löwen von Venedig. Mit seinem neuen Drama vollendet der Regisseur seine Trilogie "Liebe, Tod und Teufel". Insgesamt sind 20 Werke im Wettbewerb beim Filmfestival von Venedig.
„The Raid 2“ – Gangsterspektakel mit eleganten Kampfszenen
Action
Vor drei Jahren hat der Waliser Gareth Evans dem Action-Kino mit "The Raid", seinem in Jakarta gedrehten Martial-Arts-Spektakel, noch einmal einen neuen Schub gegeben. In der Fortsetzung setzt er nun erneut auf die Kampfkünste von Iko Uwai und erzählt ein geradezu ausuferndes Gangster-Epos.
Kampf der Wikinger - Drachenzähmer kehrt zurück
Animationsfilm
Der Animationsfilm "Drachenzähmen leicht gemacht 2" ist ein visuell beeindruckendes, aber auch etwas zu martialisches Fantasy-Spektakel in 3D. Die Rückkehr des Wikingers Hicks und seines Drachen "Ohnezahn" kommt mit deutlich mehr Action- und Flugszenen daher. Gelungen ist das nicht immer.
„Ruhm ist Blödsinn“ findet Frankreichs Kinostar Clavier
Kino
„Ruhm ist Blödsinn“, sagt der französische Schauspieler Christian Clavier im Interview. Aber prominent ist er doch nicht ganz ungern. Diese Woche kommt sein jüngster Filmerfolg in deutsche Kinos: „Monsieur Claude und seine Töchter“ hat in Frankeich schon sieben Millionen Besucher begeistert.
Umfrage
Die Ebola-Seuche breitet sich in Westafrika weiter aus. Ein erster Patient könnte möglicherweise in Hamburg behandelt werden. Macht Ihnen Ebola Sorgen?

Die Ebola-Seuche breitet sich in Westafrika weiter aus. Ein erster Patient könnte möglicherweise in Hamburg behandelt werden. Macht Ihnen Ebola Sorgen?

 
Fotos und Videos
Fifty Shades of Grey - Trailer
Video
Erotik-Verfilmung
Schiller auf dem roten Teppich
Bildgalerie
Filmpremiere
Die Top-Verdiener Hollywoods
Bildgalerie
Stars
Karlheinz Böhm ist tot
Bildgalerie
Todesfall