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Interview

David Kross: Ich hatte keine Eislaufmutti

26.02.2009 | 00:01 Uhr
David Kross: Ich hatte keine Eislaufmutti

Essen. Er ist fast schon Dauergast in der Lichtburg - nach "Krabat" wird er seinen neuen Film "Der Vorleser" Essener Traditionskino präsentieren. Jungstar und "Vorleser" David Kross über seine ersten Karriere-Erfahrungen, Sexszenen und unsinnige US-Gesetze.

Info
Der Vorleser

Deutscher Kinostart: 26.02.2009

Regie: Stephen Daldry

Darsteller: Kate Winslet, Ralph Fiennes, David Kross, Lena Olin, Bruno Ganz, Hannah Herzsprung u.a.

Bilder zum Film

Trailer

David Kross ist gerade mal 18 und praktisch schon ein alter Bekannter in der Essener Lichtburg. Im vergangenen Herbst stand er als Titelheld der großen Ottfried Preußler-Verfilmung "Krabat" auf der Bühne, morgen geht er als deutscher Shooting-Star und Hauptfigur der Verfilmung von Bernhard Schlinks Bestseller "Der Vorleser" über den Roten Teppich. Sonntagnacht war er noch bei der Oscar-Verleihung in Los Angeles. Der Jungstar aus Bargteheide in Schleswig-Holstein hat nach seinem Kinodebüt in Detlev Bucks fulminantem Neukölln-Film "Knallhart" viel erlebt - unter anderem, wie es ist, mit Kate Winslet in der Badewanne zu liegen.

Herr Kross, "Der Vorleser" ist eine deutsche Liebesgeschichte aus der Nachkriegszeit, es geht um Entnazifizierung und Kriegsverbrecherprozesse. Kannten Sie das Buch?

Kross: Wir haben es zwar auch in der Schule durchgenommen, aber in Vorbereitung auf den Film habe ich noch mehr gelesen und mich mehr in diese Zeit hineinbegeben. Ich habe natürlich auch eine Verantwortung gespürt, wie ich als Deutscher an dieses Thema herangehe.

Kate Winslet kann ein Lied davon singen, wie es ist, als junger Mensch sehr schnell berühmt zu werden. Hat Sie Ihnen Tipps gegeben?

Kate Winslet und David Kross in "Der Vorleser". (c) AP Photo/Senator Film)

Kross: Ich konnte wahnsinnig viel von ihr lernen. Durch das Beobachten ihrer Arbeitsweise. Und sie hat mir durch ihre lockere Art, durch ihren Humor und durch ihre Bodenständigkeit unheimlich dabei geholfen, die Anspannung zu nehmen. Sie war einfach sehr nett.

Das hat auch bei den Sex-Szenen geholfen?

Kross: Ich war natürlich beim Drehen zu Tode aufgeregt, und das hat man, glaube ich, auch gemerkt. Sexszenen sind komisch, es ist sehr technisch. Für mich als Schauspieler ist es mehr wie ein Tanz, wie eine Choreographie. Am Anfang war es eine Überwindung, und danach hat man darüber gelacht.

Die Dreharbeiten mussten sogar unterbrochen werden, weil Sie die Sexszenen mit Kate Winslet erst nach Ihrem 18. Geburtstag drehen durften. Regisseur Stephen Daldry hat sich trotzdem für Sie und gegen ältere Kollegen entschieden.

Kross: Ich glaube, wenn er gewusst hätte, er kann die Sexszenen nicht machen, weil ich noch keine 18 bin, dann hätte er mich gar nicht gecastet.

Das kam dann erst im Laufe der Dreharbeiten heraus?

Kross: Ja, ein Glück. Das ist ein amerikanisches Gesetz. Es ist wirklich absurd, du darfst in Amerika unter 18 schon Waffen haben, aber keinen Sex vortäuschen.

David Kross auf der Berlinale. (c) AP

War es ein großer Unterschied, zunächst mit Detlev Buck "Knallhart" zu drehen und später in so einer großen Produktion mitzumachen?

Kross: Nein, im Grunde kochen die auch nur mit Wasser. Ich fand auch nicht, dass es eine größere Produktion war. Es war sehr europäisch, ein sehr familiäres Verhältnis am Set. Stephen Daldry kommt aus England, ebenso Kate Winslet und Ralph Fiennes. Und es gab eine ganz großartige deutsche Besetzung, angeführt von Bruno Ganz, den ich wirklich sehr bewundere und der ein wahnsinnig lieber Mensch ist.

Haben Sie sich in der Zeit der Dreharbeiten als Schauspieler eigentlich verändert?

Kross: Auf jeden Fall. Ich habe vorher ja nur zwei Kinofilme gemacht und wusste einfach nicht viel über den Beruf. Beim "Vorleser" habe ich, glaube ich, einen großen Schritt gemacht. Jetzt weiß ich einfach mehr über die Arbeit eines Schauspielers.

Ist es schwierig, eine so emotionale Rolle nicht in der Muttersprache zu sprechen?

Kross: Ich hatte eine wahnsinnig lange Vorbereitungszeit mit einem Dialekttrainer, weil ich vorher nur Schulenglisch sprechen konnte. Mit dem bin ich durch das Drehbuch gegangen und habe die Aussprache und die Betonung gemacht. Ich habe fast über ein Jahr Englisch gesprochen und dadurch die Sprache richtig gelernt.

Das Team von "Der Vorleser" auf der Berlinale: Schauspieler Ralph Fiennes, Regisseur Stephen Daldry, Oscar-Preisträgerin Kate Winslet und David Kross. (c) AP

Sie sind Autodidakt. Wollen Sie eine Schauspielausbildung irgendwann nachholen?

Kross: Das kann ich nicht sagen. Ich habe keine Pläne.

Es kursieren diverse Geschichten darüber, wie Ihre Schauspielerei angefangen hat. Wie war es denn wirklich?

Kross: Ich habe am "Kleinen Theater Bargteheide" Theater gespielt, seit ich ein kleiner Junge war, so mit zwölf. Und dann habe ich auch schon in Fernsehfilmen mitgemacht.

Aus eigenem Antrieb?

Kross: Ja, ich hatte keine Eislaufmutti, die mich dahingeschickt hat.

Ihre Eltern sind auch nicht in der Filmbranche?

Kross: Nee, gar nicht.

Wollten Sie auch mal was anderes werden?

Kross: Profifußballer war mal mein Berufswunsch. In meinem Poesiealbum stand: Fußballprofi und Schauspieler.

Verstehen die Leute daheim in Bargteheide, was die Schauspielerei für ein Knochenjob ist?

Kross: Gute Frage. Man sieht ja immer nur das Endprodukt, aber nicht die Arbeit dahinter. Und deshalb denkt man, oh, der hat jetzt wirklich 100 Prozent Highlife in Tüten. Der hat ja nur noch Party und Sex mit Kate Winslet.

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Kommentare
24.02.2009
15:09
David Kross: Ich hatte keine Eislaufmutti
von Peter L. | #1

Hat er wahrscheinlich auch... ;-)

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