Das Wörterbuch der nicht übersetzbaren Wörter

Die Studentin Noa (Neta Riskin, 2.v.l.) fühlt sich heimatlos.
Die Studentin Noa (Neta Riskin, 2.v.l.) fühlt sich heimatlos.
Foto: J. Praus/Film Kino Text
Was wir bereits wissen
In "Anderswo" sammelt eine Studentin aus Israel nach nicht übersetzbaren Wörtern und ist zugleich auf der Suche nach etwas anderem: Heimat.

Essen.. Noa sammelt Wörter. Natürlich nicht die alltäglichen, die konkrete Dinge benennen wie einen Baum oder Tisch. Der mittlerweile schon 32-jährigen Studentin geht es um Wörter, die sich nicht von einer Sprache in eine andere übersetzen lassen. Wörter wie das portugiesische „saudade“, das „Melancholie“ ebenso wie „Sehnsucht“ umfasst und dabei noch so viel mehr meint.

„Saudade“, das ist aber nicht nur einer der Ausdrücke, denen sich die in Berlin studierende Israelin Noa (Neta Riskin) in ihrem Wörterbuch der nicht übersetzbaren Wörter widmen will. „Saudade“ beschreibt zugleich auch perfekt das schwer entwirrbare Gemisch von Gefühlen, das die in Berlin lebende israelische Filmemacherin Ester Amrami in „Anderswo“ heraufbeschwört.

Unergründliche Melancholie

Eine unergründliche Melancholie und eine unstillbare Sehnsucht treiben Noa an. Sie haben die junge Frau vor acht Jahren nach Berlin geführt und treiben sie nun zur Flucht zurück nach Israel. Doch auch im Schoß ihrer Familie bleibt Noa heimatlos, erfüllt von der Sehnsucht nach einem „Anderswo“, das sie nirgendwo finden wird.

Immer wieder streut Ester Amrami die kleinen Videos in ihren Film ein, die Noa mit anderen Berliner Immigranten für ihre Recherchen gedreht hat. Jeder von ihnen stellt ein nicht übersetzbares Wort aus seiner Muttersprache vor. Sie eröffnen dieser Geschichte einer drei Generationen umspannenden jüdischen Familie, die nach dem Holocaust in Israel eine neue Heimat gefunden hat, einen größeren Horizont.

Man ahnt schnell, dass sich Wörter vielleicht nicht übersetzen, dafür aber wunderbar in Filmbilder übertragen lassen. So überrascht „Anderswo“ angesichts seiner schwergewichtigen Themen mit einer wundervollen Leichtigkeit.

Wertung: drei von fünf Sternen