Das knallharte Leben des Drogenbarons Pablo Escobar

Pablo Escobar (Benicio del Toro) ist ein Mann mit zwei Gesichtern: Mal ist er der Wohltäter, mal ein knallharter Killer.
Pablo Escobar (Benicio del Toro) ist ein Mann mit zwei Gesichtern: Mal ist er der Wohltäter, mal ein knallharter Killer.
Foto: Alamode Film
Was wir bereits wissen
Er ist ein Mann mit zwei Gesichtern: In dem Thriller "Escobar – Paradise Lost" spielt Benicio del Toro den kolumbianischen Drogenbaron Pablo Escobar.

Essen.. Die Filme über Aufstieg und Fall prominenter Gangsterfiguren sind uns in ihren Abläufen in der Regel bekannt. Schließlich ist das ein Genre, das von Hollywood geprägt wurde. Andrea di Stefano aber ist kein Gewächs der Traumfabrik, sondern gebürtiger Römer und zunächst einmal Schauspieler mit Erfahrung in internationalen Produktionen.

Mit „Escobar – Paradise Lost“ präsentiert er jetzt seinen Kino-Erstling über den berüchtigten kolumbianischen Politiker und Drogenbaron, der sich dem Thema quasi von der Seite nähert.

Im Gefängnis wird er eher als Respektsperson behandelt

Doch, Pablo Escobar, mit großer Intensität gespielt von Benicio del Toro, gehört tatsächlich noch die erste Szene. Da treffen wir ihn 1991 in den Händen der Polizei, denn Escobar hat eingewilligt, für einige Zeit ins Gefängnis zu gehen. So will er der Auslieferung in die USA entgehen und dazu beitragen, die Wogen im blutigen Drogenkrieg zu glätten.

Doch es ist offensichtlich, dass er hier weniger als Gefangener behandelt wird denn als Respektsperson, jeder Uniformierte begegnet ihm eher unterwürfig. Es ist der erste Versuch des Regisseurs, dem Zuschauer dieses zwiespältige Gefühl zu vermitteln, das einen beim Anblick eines Mannes beschleicht, der gleichzeitig Wohltäter war und Auftraggeber von Hunderten von Tötungsaufträgen, darunter reihenweise Polizisten, Richter und Staatsanwälte.

Erst später kommt nach einer großen Rückblende die eigentliche Hauptfigur des Films ins Bild, der kanadische Surfer Nick (Josh Hutcherson, „Tribute von Panem“), der in das vermeintliche Paradies gekommen ist, um hier der perfekten Welle nachzuspüren. Aber wie das so ist, wenn die Liebe dazwischenkommt: Nick verguckt sich in die schöne Maria (Claudia Traisac), die von Beruf Krankenschwester ist, daneben aber auch die Lieblingsnichte von Escobar.

Ehe sich der junge Mann es versieht, ist er verheiratet und steigt auf in der Hierarchie der Sippe. Hutcherson spielt ihn gut, diesen unbedarften Jüngling, der im Rausch der Liebe und der großen Gesellschaften noch nicht weiß, in welche Lage ihn das einmal bringen wird.

Man kann sich an Benicio del Toro nicht sattsehen

Bis er soweit ist, kann man sich an Benicio del Toro nicht sattsehen, wie er mal den liebenden Familienvater gibt, mal den jovialen Gönner, der mal eben ein Krankenhaus bauen lässt. Und manchmal eben auch den eiskalten Vernichter, der mit verkniffenen Augen seine Henker auf den Weg schickt. Di Stefano beweist viel Gespür für die wachsende Spannung, wie er Nick zum ersten Mal ganz leise und beiläufig eine Ahnung von den Schreckensmethoden Escobars vermittelt. Wen dieser Pate mag, dem räumt er alle Steine aus dem Weg, doch es muss nur ein Funken Misstrauen zünden, und schon steht der Nächste auf der Todesliste.

Der junge unbedarfte Kanadier wollte das alles nicht, er wollte eigentlich nur Maria und nicht ihre Familie. Doch nun, kurz vor der freiwilligen Festnahme, als Escobar noch schnell seine Reichtümer in Sicherheit bringen will, glaubt Nick sich plötzlich im engsten Kreis der Vertrauten. Escobar übergibt ihm große Teile seines Vermögens, die an einen bestimmten Punkt gebracht werden sollen, wo er den alten Helfer vor Ort anschließend liquidieren und die Leiche beseitigen soll. Was sich jetzt entwickelt in diesem aus Realität und Fiktion geschneiderten Film, das ist viel nervenaufreibender, viel atemloser und bedrohlicher als jeder vermeintliche Höhepunkt eines auf Blockbuster getrimmten Stoffes dieses Sommers.

Wertung: vier von fünf Sternen