Das Drama "Timbuktu" zeigt die Willkür von Fundamentalisten

Was wir bereits wissen
Der Film "Timbuktu" erzählt, wie islamistische Fundamentalisten eine kleine Stadt in Afrika einnehmen und die Bewohner unterdrücken und drangsalieren.

Essen.. Der Einmarsch islamistischer Milizen in Timbuktu erschütterte 2012 wegen seiner Gewalttätigkeit gegenüber der Bevölkerung und der rücksichtslosen Zerstörung kultureller Dokumente. Filmautor Abderrahmane Sissako hat über das Leben unter der Besatzung den Film „Timbuktu“ gedreht, der dieses Jahr in Cannes große Gefühle erweckte, dann aber doch keine großen Preise bekam.

Bewaffnete Männer fahren durch die Stadt, diktieren über Megafone Lebensregeln wie das Verbot von Musik oder Tanz. Fußball oder Zigaretten sind in der Öffentlichkeit nicht mehr erlaubt. Die Bevölkerung unterläuft solchen Unsinn mit gewitzten Gegenmaßnahmen. Derweil bahnt sich am Rande der Stadt Tragisches an. Die Herde eines nahebei lagernden Viehzüchters hat die Netze eines Fischers zertrampelt. Der tötete in seiner Wut eine Kuh. Der Züchter eilt herbei, einen Revolver im Gepäck. Es kommt zur Rangelei, dann löst sich ein Schuss, der Fischer sinkt tot zu Boden. Der Züchter stellt sich den Behörden und wird zum Tode verurteilt.

„Timbuktu“ ist einer dieser Filme, die durch den thematischen Hintergrund und ihr hehres Anliegen unantastbar sind. Betrachtet man ihn für sich, so finden sich einige kluge, entlarvende Szenen. Da unterdrücken Milizionäre den Kick auf dem Bolzplatz, stürzen sich aber untereinander in hitzige Diskussionen über die Qualitäten von Zidane und Messi.

Ein besonders scharfer Islamist findet Milde in den Augen der Mitstreiter, als er sich heimlich eine Zigarette gönnt. Es gibt eine Menge Szenen von satirischer und dramatischer Kraft, aber sie fügen sich nicht zu einem geschlossenen Ganzen zusammen. Sissakos Blick ist im Heute verankert, seine Regie weist zurück auf das afrikanische Weltkino der 80er-Jahre, als archaische Bildführung und zäher Erzählfluss noch auf wohlwollende Zustimmung in Arthouse-Zirkeln trafen. 30 Jahre später erscheint das gewollt. Auch in Mali leben Regisseure nicht hinter dem Mond.

Wertung: 2 von 5 Sternen