Chaos der Gefühle
02.12.2008 | 09:53 Uhr 2008-12-02T09:53:00+0100
Deutscher Kinostart: 04.12.2008
Regie: Woody Allen
Darsteller: Javier Bardem, Patricia Clarkson, Penélope Cruz, Kevin Dunn, Rebecca Hall u.a.
Über Jahrzehnte war New York als Drehort aus Woody Allens Filmen nicht wegzudenken. Aber nach dem x-ten Allen-Film in New York beschlich einen trotz aller nach wie vor ausgefeilten Dialoge und verschraubten Geschichten doch der Eindruck, dass die Luft beim Regie-Meister einfach raus war. Dann wählte Allen für „Matchpoint” im Jahr 2005 London. Und plötzlich war er wieder auf der Höhe der Zeit, was die Geschichte, die Schauspieler und den Look des Drehorts anging.
Luftveränderung scheint Allen einfach gutzutun, das zeigt auch sein neuer Film, der diesmal in Barcelona spielt. Mit dem Titel „Vicky Cristina Barcelona” sind auch schon drei der Hauptdarsteller genannt. Denn neben den zwei Touristinnen, die sich hier in amouröse Abenteuer verstricken, spielt die derzeit so angesagte Stadt, in der Gaudis Jugendstil-Architektur auf jung-kreative Szenegänger trifft, ebenfalls eine zentrale Rolle. Und nicht zu vergessen das ländliche Spanien, dessen Ursprünglichkeit man in diesem Allen-Film zu atmen meint.
Ein amouröses Sommermärchen
Verwunderlich ist der späte Kinostart von „Vicky Cristina Barcelona”. Denn es ist eher ein amouröses Sommermärchen. Aber so entstehen bei den deutschen Kinogängern in diesen trüben Herbsttagen vielleicht noch ein paar heiße Gefühle.
Die New Yorker Freundinnen Vicky (Rebecca Hall) und Cristina (Scarlett Johansson) verbringen also den Sommer bei Vickys entfernten Verwandten in Barcelona. Die beiden könnten unterschiedlicher nicht sein: Vicky steht vor der Hochzeit mit einem erfolgreichen, aber spießigen Geschäftsmann, Cristina hat gerade ihre Beziehung beendet und lässt sich treiben. Eines Tages machen sie die Bekanntschaft des attraktiven Malers Juan Antonio (Javier Bardem). Der ist von den Amerikanerinnen begeistert und schlägt einen Trip nach Ovideo vor. Inklusive Stadtbesichtigung und Liebesnacht zu dritt. Während Cristina die Vorstellung spannend findet, ist Vicky entrüstet. Und dann ziehen sie doch los. Natürlich kommt es anders als erwartet.
Feurig und emotional unberechenbar
Vicky verbringt eine Nacht mit Juan Antonio. Während sie sich in ihn verliebt (und Gewissensbisse gegenüber ihrem zukünftigen Mann hat), beginnt dieser Don Juan flugs eine längere Beziehung mit Cristina. Aber eigentlich kann Antonio seine Ex-Frau Maria Elena (Penélope Cruz) nicht vergessen. Eines Tages taucht die temperamentvolle Elena wieder auf. Und mit Cristina in ihrer Mitte – emotional wie körperlich – scheint auch die Beziehung zwischen Elena und Antonio in ruhigeres Fahrwasser zu gelangen. Aber was wäre ein Woody-Allen-Film, wenn der Schein nicht tröge?
Die bekanntlich attraktive Scarlett Johansson, die Allen in „Matchpoint” und „Scoop” so verführerisch ins Bild setzte, wirkt diesmal gegen die Spanier im Film-Team eher blass. Der Cruz sieht man den Spaß an, hier richtig feurig und emotional unberechenbar aufspielen zu dürfen. Und Javier Bardem ist ein Typ, dem man abnimmt, dass sich gleich drei Frauen in ihn verlieben können. Nachdem er sich für Killer-Rollen in „Perdita Durango” oder „No Country for Old Men” schrecklich verunstalten ließ (einen Friseur für diese gruseligen Haarschnitte muss man erst mal finden!), darf er jetzt wieder so richtig verführerisch, romantisch und männlich daherkommen. Schließlich war der kraftstrotzende Bardem vor seiner Filmkarriere ja Mitglied der spanischen Rugby-Nationalmannschaft.
Dass Allens Liebesreigen nicht nur entspannt, sondern in der Auflösung der Geschichte angenehm weise daherkommt, spricht für die Souveränität des Regie-Meisters.
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