Buntes Totenspektakel

Manolo ist nicht der Einzige, der die schöne Maria liebt.
Manolo ist nicht der Einzige, der die schöne Maria liebt.
Foto: Twentieth Century Fox
Was wir bereits wissen
Das Märchen „Manolo und das Buch des Lebens“ erzählt die Geschichte einer romantischen Dreiecksbeziehung, die ihre Figuren in die Unterwelt zieht.

..  Der Tag der Toten ist Mexikos wichtigster Feiertag, eine Art Totensonntag mit Volksfeststimmung. Im überbordenden Animationsfilm „Manolo und das Buch des Lebens“ kommt dem Tag der Toten eine bedeutsame Rolle zu, wenn eine romantische Dreiecksgeschichte ihrem dramatischen Höhepunkt in jenem fröhlichen Teil der Unterwelt zustrebt, wo Verstorbene feiern, dass man ihrer auf Erden noch gedenkt.

Unmittelbar verstrickt in dieses Szenario sind die besten Freunde Manolo und Joaquin, die beide in die schöne Maria verliebt sind. Während Joaquin Glück und Karriere beim Militär sucht, würde Manolo sich lieber der Gitarre widmen, muss aber dem Vater und der Familientradition zum Gefallen als Stierkämpfer in die Arena steigen. Alle drei Beteiligten ahnen nicht, dass sie Marionetten einer göttlichen Liebeswette sind, bei der auch ein Amulett mit übernatürlichen Kräften im Spiel ist.

Oscar-Nominierung für den besten Animationsfilm

Regisseur Jorge R. Gutierrez lässt es optisch tüchtig krachen in seinem Märchen um archaische Rituale in kunterbunter Umsetzung. Was da in ekstatischer Puppentrickästhetik an schrillen Typen und kuriosen Momenten aus dem Sombrero der Ur-Folklore gezaubert wird, wirkt nicht selten wie ein künstlerisch ausgetobter Vollrausch zwischen Drogenpilz und Mezcal-Raupe. In scharfem Kontrast zu den ausgelassenen Haribo-Farben in den fröhlichen Szenen schlägt der Film düstere Saiten an, wenn es in jenen Teil der Unterwelt hinabgeht zu den Toten, an die sich kein Mensch mehr erinnert.

Hier sollte ursprünglich der ganze Film spielen, als dunkler Teil einer wahrlich abwechslungsreichen Trilogie. Die Handschrift des hier als Produzent wirkenden Guillermo del Toro („Pan‘s Labyrinth“, „Hellboy“) ist dabei stets erkennbar, wenn sich die Freude am Morbiden mit dem Schrecken angesichts des Unerwarteten paart. Den amerikanischen Co-Produzenten war das alles zu rabiat, weshalb sie glättend eingriffen. Der Lohn dafür war eine Oscar-Nominierung für den besten Animationsfilm.

Wertung: vier von fünf Sternen