Bright Star
19.12.2009 | 12:10 Uhr 2009-12-19T12:10+0100Schmachten in Poetenkreisen - Jane Campions "Bright Star - Meine Liebe. Ewig" ist eine elegische Filmromanze.
1993 gewann die Neuseeländerin Jane Campion mit dem Liebesdrama "Das Piano" als bisher einzige Frau die Goldene Palme in Cannes. 16 Jahre später schlägt sie mit der Filmromanze "Bright Star - Meine Liebe. Ewig" den Bogen zurück: Diesmal erzählt sie aber nicht von einer geradezu animalischen Liebesbeziehung, sondern beschwört in elegischen Bildern den Mythos der ewigen Liebe. Den Stoff dazu lieferte die verbürgte Liaison zwischen dem englischen Dichter John Keats (1795-1821) und der Näherin Fanny Brawne.
Sehnsüchtige Liebe
Deutscher Kinostart: 24.12.2009
Regie: Jane Campion
Darsteller: Ben Whishaw, Abbie Cornish, Paul Schneider, Kerry Fox u.a.
1818 begegnet die 17-jährige Schneiderin Fanny Brawne (Abbie Cornish) in einem Londoner Vorort dem jungen Poeten John Keats (Ben Whishaw). Dieser ist im benachbarten Haus von Mr. Brown (Paul Schneider), seinem väterlichen Mentor, zu Gast. Zwar spottet die selbstbewusste junge Frau aus wohlhabendem Haus über das Werk des melancholischen Poeten, der ihre profitablen Kreationen für eitlen Tand hält, dennoch kommen sich die beiden Seelenverwandten rasch näher. Daran ändert auch die Eifersucht seines Mentors nichts, oder die Skepsis von Fannys Mutter (Kerry Fox), die sich sorgt, weil John kein Einkommen hat und deswegen Fanny nicht heiraten kann.
Lange Zeit schmachten sich die Liebenden nur an, ohne sich zu berühren. Immer wieder voneinander getrennt, bleibt ihnen oft nur ein inniger Briefwechsel. Als Fannys Mutter endlich in eine inoffizielle Verlobung einwilligt, ist John bereits an Tuberkulose erkrankt, an der seine Mutter und sein Bruder gestorben sind. Eine Reise nach Italien soll Besserung bringen.
Jane Campion, die ihr Drehbuch auf Andrew Motions Biografie "Keats" (1998) stützte, konzentriert sich darauf, die tiefe Innigkeit der Gefühle zu beschreiben, die das Paar gegen alle gesellschaftlichen Widerstände entwickelt. Weitgehend aus der Perspektive Fannys erzählt, hakt die Romanze die Ereignisse der zwei Jahre ab, die den Liebenden vergönnt sind, ehe John 1821 mit nur 25 Jahren in Rom stirbt. Sein Talent wurde damals verkannt, heute zählt er zu den Heroen der britischen Literaturgeschichte.
Schwermütig, aber nicht hoffnungslos
Der visuelle Schwerpunkt liegt auf Frühlingswiesen und anderen malerischen Landschaftsbildern, die die Folie für die romantischen Gedichte und sehnsuchtsvollen Liebesbriefe Keats bilden, die im Film auszugsweise zitiert werden, darunter auch das titelgebende Gedicht "Bright Star" (1819). Die 55-jährige Filmemacherin, die sich stilsicher von jeglichem sentimentalen Kitsch fernhält, punktet mit symbolstarken Bildern, einer sorgfältigen Ausstattung und einer dichten Atmosphäre, die bei aller Schwermut nie hoffnungslos wirkt.
Mit der jungen Australierin Abbie Cornish ("Candy") und dem Engländer Ben Whishaw, bekannt als Frauenmörder aus Tom Tykwers "Das Parfüm", hat die Oscar-Preisträgerin zwei Hauptdarsteller besetzt, welche die heute übertrieben anmutende Gefühlsintensität des verklemmten viktorianischen Zeitalters glaubhaft auf die Leinwand bringen. "Bright Star" besticht gerade durch die für Campion ungewöhnliche Leichtigkeit, mit der sie das Spannungsfeld aus unstillbarer Sehnsucht und unvermeidbarem Liebesleid porträtiert - und avanciert so zum schönsten Liebesfilm des Jahres. (ddp)