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Boxhagen oder Boxlünen - Hauptsache NRW zur Berlinale

15.02.2010 | 13:26 Uhr

Berlin.Zum zehnten Mal feierte die Filmwelt während der Berlinale auf der Party von Landesregierung und Filmstiftung NRW sich selbst und ihre Stars. Mit 18 Filmen ist das Land in diesem Jahr in Berlin vertreten – darunter der Kostümfilm „Henri IV“, „Jud Süß“ und „Boxhagener Platz“.

Ein trauriger Sebastian Koch, ein schwer bewegter Oskar Roehler – und Selbstgemaltes zum Abschied: Ein Bild von Heinrich Heine, gemalt von Schauspieler Armin Müller-Stahl, überreicht an Michael Schmid-Ospach – der am Sonntagabend zum letzten Mal als oberster NRW-Filmförderer zur Berlinale-Party in die Landesvertretung kam. Wehmut? „Ach“, sagt der Mann mit dem herzlichen Lachen, „man ist doch nie ganz weg.“

Sebastian Koch bei der Eröffnung der 60. Berlinale.

Zum zehnten Mal feierte die deutsche Filmwelt auf der Party von Landesregierung und Filmstiftung NRW sich selbst und ihre Stars. Sebastian Koch („Das Leben der Anderen“) war schon ein paar Stunden früher zum Abschiedsessen mit dem scheidenden Stiftungs-Chef gekommen. Er fand’s bewegend. „Schmid-Ospach hat sich immer ohne Angst für seine Filme eingesetzt“, sagt Koch und überlegt kurz. „Von dieser Sorte gibt’s immer weniger.“ Auch Regisseur Oskar Roehler, der mit „Jud Süß – Film ohne Gewissen“ in diesem Jahr auf der Berlinale dabei ist, verbeugt sich vor dem beliebten Förderer: „Der riskiert was. Der hatte immer ein Auge auf ambitionierte Filme.“

Mit 18 Filmen ist das Land in diesem Jahr in Berlin vertreten – darunter der Kostümfilm „Henri IV“, „Jud Süß“ und die Buchverfilmung „Boxhagener Platz“, die Schmid-Ospach im regionalen Rausch einfach „Boxhagen“ nennt. Boxhagen, Boxmünster, Boxlünen: Leonard Lansink („Wilsberg“) schwätzte mit Burghart Klaußner („Das weiße Band“), die Macher des Kinofests in Lünen feierten mit den Stars ihres Wettbewerbssiegers von 2008 („Evet, ich will!“) und Ruhrgebietsfan Peter Lohmeyer surfte ruhelos durch die Menge, vorbei an Christina Rau und Alexander Kluge, Hannes Jaenicke und Anatole Taubmann („Die Päpstin“). Schnell wieder weg dagegen waren die meisten der jungen, oft noch recht namenlosen NRW-„Shooting Stars“, die jedes Jahr an diesem Abend gekürt werden. Sie verschwanden in die Berliner Nacht, auf dem Weg zur nächsten Party.

Ob es der Ziegenkäse in Rote-Bete-Mantel war oder die vitale Filmbranche an Rhein und Ruhr? Gegen 23 Uhr schlenderte schließlich noch ein Trio von Hollywood-Produzenten über den Roten Teppich: Die drei Amerikaner, deren Scorsese-Psychothriller „Shutter Island“ (mit Leonardo DiCaprio) gerade außer Konkurrenz im Wettbewerb lief, tauchten zielsicher und sekundenschnell im Gewühl unter – anders als der weithin sichtbare Dortmunder Produzent Werner Wirsing („Unter Bauern“), der seinen schwarzen Cowboyhut niemals absetzt, nicht mal am Vorabend von Rosenmontag.

Julia Emmrich

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