Bond: Sein ist die Rache
04.11.2008 | 00:01 Uhr 2008-11-04T00:01:00+0100
Düsseldorf. Der neue Bond "Ein Quantum Trost" beginnt mit einem rasanten Kickstart, der den Zuschauer so abrupt in den Kinosessel drückt, dass man glauben könnte, Bond sei ein Bruder von High Tech-Agenten wie Jason Bourne. So hoch ist das Tempo, so rasend schnell sind die Schnitte.
Worum kann es in einem neuen Bond-Film gehen, fragt man sich natürlich, bevor man die 22. Auflage des größten Fortsetzungs-Erfolges der Filmgeschichte in Augenschein nimmt. Um Gut und Böse natürlich, um Leib und Leben, um schöne Frauen, reihenweise, um große Geheimnisse und gefährlichen Verrat.
Regisseur Marc Forster sagt, es gehe ihm vor allem um Vertrauen.
Das überrascht ein wenig, macht der neue, seit seinem starken "Casino Royale"-Debüt hochgelobte Daniel Craig anfangs doch überhaupt nicht den Eindruck, als würde ihn dieses Thema noch interessieren. Sicher vertraut er auf seine Fahrkünste, auf sein Schießeisen und auf das ABS seines Aston Martin, den er gleich zu Beginn in einer atemberaubenden Verfolgungsjagd die italienische Serpentinenstraße hinunterschreddert. Aber zwischenmenschlich ist bei ihm einiges kaputt gegangen, seit ihn seine große Liebe Vesper Lynd im geheimen Auftrag verraten und sich dann das Leben genommen hat.
Da wurde er aber böse
Deutscher Kinostart: 06.11.2008
Regie: Marc Forster
Darsteller: Daniel Craig, Olga Kurylenko, Mathieu Almaric, Judi Dench, Anatole Taubman, Giancarlo Giannini, Gemma Arterton, Jeffrey Wright u.a.
Seither ist Bond böse. So böse, dass er jeden Gegenspieler schon umgebracht hat, bevor seine Chefin M (Judi Dench) überhaupt an ein Verhör denken kann. So wird aus dem Dienst an ihrer Majestät auch ein Rachefeldzug in eigener Sache.
Doch es bleibt keine Zeit, um noch mal in den Rückspiegel der eigenen Geschichte zu schauen. Vielmehr startet der neue Bond "Ein Quantum Trost" mit einem rasanten Kickstart, der den Zuschauer so abrupt in den Kinosessel drückt, dass man glauben könnte, Bond sei ein Bruder von High Tech-Agenten wie Jason Bourne. So hoch ist das Tempo, so rasend schnell sind die Schnitte, mit denen Marc Forster das Publikum anfangs fast schwindelig dreht.
Der deutschstämmige Regisseur ("Monster Ball"/"Drachenjäger") hat den bislang kürzesten Bond gedreht, den atemlosesten wohl auch; den besten sicher nicht, trotz hoher Action-Dosis. Er dauert nur 106 Minuten und hat dabei die doppelte Anzahl an üblichen Stunts und mehr Locations als je zuvor.
Siena, London, Bregenz, La Paz: Schnelligkeit ist hier keine Hexerei, aber ein probates Mittel, eine mittelmäßige Geschichte ordentlich hochzutunen. Der erzählerische Motor, der Bond und seine Mitstreiterin Camille (dampfend-cool: Olga Kurylenko) diesmal antreibt, ist nicht allzu stark, aber die Drehzahl enorm. Während Bond wem den Tod der schönen Vesper heimzahlen will, ist die resolute Camille auf familiärem Rachefeldzug. Vergeltungsdrang verbindet. Mehr Nähe kann es nicht geben, Bond ist liebesverletzt. Diese neue Tiefe des Ur-Bonds (mit "Casino Royale" ist die Reihe ja an den Anfang der Agentensaga zurückgegangen) kann man Craig ansehen. Seine wüste Getriebenheit, seine zornige Anspannung werden von erstklassigen Anzugstoffen und dunklen Sonnenbrillen nur überdeckt. Aus dem Ganovenjagen ist bei Craig wieder eine ernste, ja manchmal fast verbissene Angelegenheit geworden.
Bedrohliche Wohltäter
Für Schurken-Clownerie bleibt da kein Platz. Statt mit durchgeknallten Waffenschmugglern und größenwahnsinnigen Atomdealern muss sich Bond mit globalgefährlichen Öko-Heuschrecken und unberechenbaren Staats-Regierungen herumschlagen, die ihre Millionen mit Wassernot und Ölengpässen machen. Dominic Greene (Mathieu Amalric) ist einer dieser brandbedrohlichen Großwohltäter mit Kosmopoliten-Auftreten, der beim Opernabend in Bregenz zwischen all den Bankvorständen und Wirtschaftsbossen kein bisschen auffällt. Das ist die neue, weltenumspannende Bedrohungslage in "Ein Quantum Trost". Der Feind kann auf jeder Regierungsbank, in jedem Aufsichtsrat sitzen.
Statt süffisantem Martini-Zynismus erleben wir bohrende Global-Skepsis. Und damit ist Bond in diesen Tagen fast schon einer von uns. Was fehlt, ist Vertrauen. (NRZ)
Fotostrecke: Bond-Girls
0mitdiskutieren