Beziehung unter Druck
03.09.2010 | 17:20 Uhr 2010-09-03T17:20:00+0200
Essen.So nah und doch so fern: In „Zwischen uns das Paradies“ entfremdet sich ein junges Paar unter dem Einfluss der Religion immer mehr. Man entfernt sich von anfänglichen Zielen, Sehnsüchten und Idealen.
Die Bosnierin Jasmila Zbanic, die den Goldenen Bären der Berlinale für „Esmas Geheimnis“ gewann, schildert in Zwischen uns das Paradies eine politisch grundierte Liebesgeschichte von großer Ernsthaftigkeit und Tragweite. Ausgangspunkt ist der Wunsch nach einem gemeinsamen Leben. Luna (Zrinka Cvitesic) und Amar (Leon Lu-cev), ein modernes junges Paar im Nachkriegs-Sarajevo, träumen von einer unbeschwerten Zukunft, von einem Kind. Sie ist Stewardess, er Fluglotse, Wohlstand und Westen liegen nah wie nie. Doch als Aman seinen Job wegen Alkoholproblemen verliert, setzt eine emotionale Erosion ein, die aus der hinreißend unmittelbaren Liebesgeschichte bald ein Glaubensdrama macht.
Der Gebetsteppich im Schlafzimmer
Durch einen ehemaligen Kriegskameraden, der einen Job verspricht, kommt Amar zu den Wahabiten. Der Zu-schauer fremdelt zunächst wie Luna mit dieser eigentümlichen Religionsgemeinschaft, die fernab in einer Art Zeltlager lebt, mit ihren verschleierten Frauen, der strikten Ge-schlechtertrennung und den archaischen Riten. Es dauert nicht lang, und Amar rollt auch daheim im Schlafzimmer den Gebetsteppich aus, geht regelmäßig in die Moschee und verbietet seiner Frau das Trinken.
Spätestens jetzt gerät das Regie-Konzept in eine Schieflage. Hat Jasmila Zbanic nun einen Film über die latente islamische Radikalisierungs-Bereitschaft auch unter vermeintlich modernen, westlich-orientierten Menschen ma-chen wollen? Zeigt sie uns ei-nen Beziehungs-Stresstest, wie er in stärker religiös ge-prägten Ländern vorkommen kann? Oder will sie uns die Orientierungslosigkeit einer Gesellschaft dokumentieren, die die Wunden der Kriegszeit mit den Wundererwartungen der Gegenwart auch nicht heilen kann? So, wie sie die Wahabiten anfangs wirkungsbewusst dämonisiert, das Thema dann aber praktisch ins Leere laufen lässt, bleibt jedenfalls ein Vakuum.
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