Berlinale zeigt Ben Stiller in Greenberg als verlorene Seele
15.02.2010 | 08:01 Uhr 2010-02-15T08:01:00+0100
Berlin.Zhang Yimou hat einen Film der Coen Brüder gesehen und sich daran erinnert, Ben Stiller lässt sich die Haare wachsen, und Banksy war nicht in Berlin. Viele bunte Bilder auf der Berlinale 2010.
Der Berlinale-Besucher, liebe Kinofreunde, ist mit einer gewissen Grundaggressivität ausgestattet, die von Tag eins des Festivals an zunimmt, insbesondere wenn er von Berufs wegen 10 Tage von Projektion zu Projektion hetzt. Immer will er irgendwo hinein oder hinaus. Immer möchte er den besten Platz, den besten Interviewpartner, den besten Kaffee. Immer steht er irgendwo im Weg. Immer ist irgendjemand schneller als er. Immer sind andere schon vor ihm da.
Wehe, wehe, wenn ich auf das Ende sehe
Nicht selten schlägt die latente Aggression, häufig unterstützt von Filmen zweifelhafter Qualität und Verzögerungen im Betriebsablauf, in blanken Hass und offene Feindschaft gegen Menschen jeglicher Art um und davon gibt es dieser Tage reichlich in Berlin. Wehe dem, der sich ihm dann in den Weg stellt. Auf dem Weg durch enge Kinoreihen landet die mit Pflastersteinen beschwerte Tasche schon einmal aus Versehen in einem Gesicht oder auf einem Hinterkopf, gefolgt von einem gezischten „Sorry“, das tunlichst nicht zu kommentieren ist.
Wer an seinem Leben hängt, sollte wohl überlegen, ob er Plätze für Freunde, Kollegen oder zugelaufene Bekannte freihalten möchte. Von Faustkämpfen ist allerdings noch nichts überliefert.
Zhang Yimou findet die Coens gut
Über die Wettbewerbsfilme kann man bei all den menschlichen Dramen am Rande des Festivals in der ihnen angemessenen Kürze hinwegsehen. Der chinesische Regie-Altmeister Zhang Yimou („House Of The Flying Daggers“, „Die rote Laterne“) präsentierte sein neuestes Werk „A Woman, A Gun And A Noodle Shop“ im Wettbwerb. Nach eigener Aussage hat er sich an das Debüt der Coen Brüder „Blood Simple“ erinnert und daraus eine Art Remake-Klamotte gebastelt. Ein Film mit großartiger Farbdramaturgie und vielen Leichen. Ein möglicherweise lustiger Film.
Intellektuell hintergründig humorvoll wollte auch, so ist zu vermuten, der Film „Greenberg“ von Noah Baumbach mit Ben Stiller in der Hauptrolle sein. Dem beleitenden Pressematerial ist zu entnehmen, dass Roger Greenberg (Ben Stiller), um die 40, intelligent, witzig, scharfzüngig und eine verloren Seele sein soll, will heißen er spinnt ein wenig, hat einen kleinen Hygienetick und ein relativ gestörtes Sozialverhalten. Bei seiner Ex-Flamme kann er nicht mehr landen, dafür geht irgendwie was bei der persönlichen Assistentin seines Bruders. Gemeinsam kümmert man sich um den deutschen Schäferhund Mahler und dann auch umeinander... auf eine Art. Stiller hat sich für die Rolle die Haare wachsen lassen und 15 Pfund abgenommen und demonstriert damit, dass er sich als Roger nicht so sehr um seinen Körper kümmert. Die Haare sind jetzt aber wieder ab. Allein Rhys Ifans spielt das, was er am besten kann: den coolen, ein wenig heruntergekommenen Briten, dem man gerne beim Spielen zusieht.
Street-Art mit Banksy
Rhys Ifans war an diesem Sonntag ein weiteres Mal im Wettbewerb vertreten, allerdings außer Konkurrenz und unsichtbar als Sprecher im Film des legendären britischen Street-Art Künstlers Banksy „Exit Through The Gift Shop“. Entstanden ist ein Film über einen Mann der versucht einen Film über Banksy zu drehen, der versucht das Unfilmbare zu filmen und daran scheitert. Banksy versucht bis heute seinen richtigen Namen und sein Gesicht geheim zu halten. Auch auf der Berlinale hat er sich nicht gezeigt und nur über eine verfremdete Grußbotschaft an die Zuschauer gewandt. Entstanden ist ein unbedingt sehenswerter Film.
Und sonst?
Der Wettbewerb wird mit Filmen über Kriminelle, Topfpflanzen und Kriegsveteranen ohne Arme und Beine fortgesetzt.
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