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Berlin wartet auf gute Filme - und trägt Spikes statt Stöckel

12.02.2010 | 10:31 Uhr
Berlin wartet auf gute Filme - und trägt Spikes statt Stöckel

Berlin.Vergessen Sie Stöckelschuhe, tragen Sie Spikes. Und dann ab auf den Roten Teppich! Denn: Berlin hat ein Eisproblem. Ausgerechnet zur Berlinale. Spiegelglatte Gehwege, Streusalzmangel, Knochenbrüche. Und jeder weiß: Sobald es taut, wird’s noch ärger. Dann kommt der alte Dreck hoch. Hundekot, Silvesterschrott. Tauwetter bringt eben alte Geschichten ans Licht – wie im chinesischen Liebesfilm „Apart Together“, der Donnerstagabend die 60. Berlinale eröffnet hat.

20 Jahre nach der Wiedervereinigung startet das wichtigste deutsche Filmfestival mit einer leisen Geschichte über ein chinesisches Liebespaar, das sich Jahrzehnte nach der Trennung im Bürgerkrieg wiedersieht. „Apart Together“ erzählt von den Folgen des politischen Tauwetters. Ein alter Mann darf endlich reisen, trifft seine Geliebte von einst und wird in seiner alten Heimat Shanghai schmerzhaft mit seiner Jugend konfrontiert.

Nicht gerade ein Paukenschlag. Aber was wäre die Alternative gewesen? Roman Polanskis „Ghostwriter“ nach dem Bestseller von Robert Harris hätte ein Knalleffekt sein können - „aber das wäre als Statement zu etwas verstanden worden, in das wir uns nicht einmischen wollen“, sagt Berlinale-Chef Dieter Kosslick. Polanski sitzt immer noch in Auslieferungshaft.

Man weiß nie, wie gut ein Jahrgang wird

„Man weiß nie, wie gut ein Jahrgang werden wird“, orakelt Jury-Präsident Werner Herzog am Morgen vor der Eröffnungs-Gala am Potsdamer Platz. Er lehnt sich zurück. Jetzt soll Mit-Jurorin Renée Zellweger sagen, ob sie sich auch auf die schwierigen Filme freut. Das versteht sie erst nicht. Herzog hilft. „Klar“, sagt sie dann und verliert ein paar Worte übers „Entdecken“ und „Überraschtsein“.

Gut, dass es auch noch Cornelia Froboess in der Jury gibt. Die 66-Jährige mit dem dichten, schulterlangen grauen Haar, macht erst gar nicht den Versuch, Cineastenlyrik zu verbreiten. „Ich merke das am Herzschlag, ob mich ein Film berührt.“ Sie trägt eine gemütliche lila Strickjacke und will „unschuldig“ in die Entscheidung gehen.

Viel Prominenz

Gedränge auf dem Roten Teppich: Die Gala-Eröffnung ist wie jedes Jahr ein Schaulaufen der deutschen Filmprominenz. Die Gästeliste reicht von Mario Adorf bis Hanns Zischler, von Iris Berben bis Nadia Uhl. Auch die Regie-Elite tritt nahezu vollständig an: Von Maren Ade bis Doris Dörrie, von Detlev Buck bis Sönke Wortmann. Für die Politik haben sich Klaus Wowereit und Kulturstaatsminister Bernd Neumann angesagt, aber auch Berlinale-Fan Joschka Fischer und die Crew des Eröffnungsfilms: Regisseur Wang Quan’an hatte vor drei Jahren den Goldenen Bären für „Tuyas Hochzeit“ gewonnen – ein Film über ein Frauenschicksal in der Mongolei.

Julia Emmrich

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