"Baymax" – ein sanfter Riesen-Roboter zum Knuddeln

Seelentröster mit Pinguingang: der Roboter Baymax mit seinem Freund Hiro.
Seelentröster mit Pinguingang: der Roboter Baymax mit seinem Freund Hiro.
Foto: dpa
Was wir bereits wissen
In dem Animationsfilm "Baymax – Riesiges Robowabohu" vermischen sich Disney-Motive mit der Marvel-Comic-Welt der Superhelden auf besondere Weise.

Essen.. Es hat so einen Knuddel-Roboter wie Baymax auf der Leinwand sicher noch nicht gegeben. Von seiner Gestalt her erinnert er am ehesten an einen übergroßen Marshmallow, von seinem freundlichen Wesen her vielleicht gepaart mit einem Pandabären. Baymax wurde entwickelt als eine Art Krankenpfleger, einzig dazu gedacht, seiner Umwelt neben medizinischer Hilfe auch Freundlichkeit und Mitgefühl anzubieten. Wovon er denn auch reichlich Gebrauch macht, indem er für traurige Kinder einen Lutscher parat hat und einen bedrückten Erwachsenen schon mal in den Arm nimmt. Er wäre in der Tat das ideale Vorbild für die Robotergesetze des Science-Fiction-Autors Isaac Asimov, wonach Roboter Menschen weder selbst verletzen dürfen noch es durch Passivität geschehen lassen dürfen, dass einem Menschen Schaden zugefügt wird.

"Big Hero 6" in den USA

Die Bekanntschaft mit diesem wohltuenden Wesen (in der deutschen Fassung bewundernswert sanft gesprochen von Bastian Pastewka) verdanken wir einem Disney-Film, der bei uns gleich unter dem Titel "Baymax" startet, in den USA aber als "Big Hero 6" in die Kinos kommt. Das wiederum verweist auf eine wenig bekannte Marvel-Comicserie, die von den Regisseuren Don Hall und Chris Williams hier als Grundlage für ihre Zukunfts-Utopie benutzt wird. Den gelegentlichen Griff in die Marvel-Vorräte hat sich Disney teuer erkauft, als sich das Maus-Imperium bereits 2009 die Studios dieser Superhelden-Schmiede einverleibte.

Die Geschichte des Films spielt in naher Zukunft in einem japanisch durchwirkten Amerika, was man schon am Namen der Großstadt San Fransokyo merkt. Viel besser aber noch als der Name, sind die Bilder, die uns von dieser Stadt geliefert werden: Da vermengen sich Wahrzeichen des nördlichen Kaliforniens wie Golden Gate Bridge und Bay Area derart stark mit charakteristischer japanischer Architektur, als habe man inzwischen alle kulturelle Sensibilität über Bord geworfen. Hier leben der junge Roboter-Entwickler Tadeshi und sein hochbegabter kleiner Bruder Hiro, den er nun endlich davon überzeugen kann, sich für die renommierte Uni von Professor Callaghan zu bewerben.

Ein Roboter mit Stummelbeinen und Pinguingang

Kaum hat Hiro mit seinen winzigen, per Gedankenübertragung kontrollierbaren Nanobots die Aufnahmeprüfung geschafft, geht das Institut in Flammen auf, wobei Tadeshi und der Professor in den Flammen sterben. Ein seltsam finsterer, hoffnungsloser Punkt ist das für einen Disney-Film, doch Hilfe folgt in Gestalt von Baymax auf dem Fuße. Diesen nämlich hat der vorausschauende Tadeshi extra für seinen Bruder entwickelt, sollte ihm mal etwas zustoßen. Diesen Roboter mit seinen Stummelbeinen und seinem Pinguingang nun als Seelentröster und Freund zu erleben, das ist bereits die halbe Miete in diesem Film. Solche Momente wie der, da bei Baymax der Akku versagt und er nach Hause wankt wie ein nuschelnder Trinker, die vergisst man lange nicht.

Leider gibt es im letzten Teil des Films immer weniger Baymax und immer mehr "Big Hero 6". Plötzlich nämlich taucht ein Bösewicht in Kabuki-Maske auf, der Hiros Konzept der Nanorobots gestohlen hat, um mit ihrer Hilfe grausam Rache zu nehmen für etwas, das sich erst am Schluss erschließt. Hiro trommelt daraufhin die vier besten Freunde seines verstorbenen Bruders zusammen, verpasst ihnen grellfarbene Kampfanzüge, zwängt sogar den ausufernden Baymax in so ein Ding und startet mit dieser Truppe von selbstgemachten Superhelden den Gegenangriff.

Da kann dann auch eine überragende Bild- und Trickgestaltung nicht ganz darüber hinwegtäuschen, dass man inhaltlich nun in der Gleichförmigkeit der Mangas herumpaddelt und kleidungsmäßig bei den einstigen Power Rangers des Fernsehens angekommen ist. Baymax hat das eigentlich nicht verdient.

Wertung: vier von fünf Sternen