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Kinokritik

Barbara Sukowa spielt „Hannah Arendt“ - Portrait einer starken Frau

09.01.2013 | 14:15 Uhr
Barbara Sukowa liefert in der Titelrolle eine der besten schauspielerischen Leistungen ihrer Karriere ab.Foto: Heimatfilm/NFP/dapd

Essen.   Es ist eine der besten schauspielerischen Leistungen in der Karriere von Barabara Sukowa: In "Hannah Arendt", Margarethte von Trottas jüngster filmischer Auseinandersetzung mit einer starken Frauenpersönlichkeit, spielt die Mimin deutsch-jüdische Publizistin, die den Nazi-Terror am eigenen Leib erlebte.

Ein berühmter Prozess und eine herausfordernde Streitschrift dazu – das sind die historischen Säulen, auf denen Margarethe von Trotta ihre jüngste filmische Auseinandersetzung mit einer starken Frauenpersönlichkeit des 20. Jahrhunderts baut. Im biografischen Drama „Hannah Arendt“ zeigt Barbara Sukowa in der Titelrolle eine der besten schauspielerischen Leistungen ihrer Karriere.

1960 wird in Argentinien ein Mann auf offener Straße entführt. Zwei Tage darauf vermeldet die Weltpresse, dass der gesuchte Nazi-Protagonist Karl Adolf Eichmann vom israelischen Geheimdienst nach Jerusalem verschleppt wurde und dort vor Gericht gestellt wird. Diese Nachricht weckt neuen Ehrgeiz in Hannah Arendt. Die deutsch-jüdische Publizistin erlebte den Nazi-Terror am eigenen Leib, nur knapp kam sie mit dem Leben davon und ist seither im New Yorker Exil als Schriftstellerin und Dozentin geachtet.

Premiere in der Lichtburg

  In dem anstehenden Prozess gegen Eichmann sieht Arendt eine Chance zur Auseinandersetzung; nicht Rache ist ihr Triebmotor, sondern der Wille, zu begreifen. Ausgestattet mit einem lukrativen Autorenvertrag reist sie als Korrespondentin der renommierten Zeitung The New Yorker nach Jerusalem und erlebt auf der Anklagebank einen mickrigen Mann, der in der Rolle des Funktionsträgers zum Monstrum wurde, das den Tod von Millionen Menschen zu verantworten hat. Hannah Arendt beginnt zu erkennen, welche Ungeheuerlichkeit sich da vollzogen hat, zu welchen Untaten mittelmäßige Charaktere fähig sind, wenn sie sich den Blick über den Tellerrand ihres Tuns und dessen Folgen versagen.

Die deutsch-jüdische Publizistin erlebte den Nazi-Terror

Thesen beginnen sich in Arendts Kopf zu formen, die nichts mit dem zu tun haben, was man von ihr erwartet. Zurück in New York schreibt sie ihren Artikel. Die Veröffentlichung der Schrift löst eine Welle der Entrüstung aus, die auch im privaten Umfeld zu schweren Zerwürfnissen führt, aber Hannah Arendt bleibt in ihren Überzeugungen standhaft.

Strenge Frisur, strenge Garderobe und stets eine brennende Zigarette in der Hand oder im Mundwinkel – das ist die ikonografische Ausgestaltung der historischen Hannah Arendt in der Interpretation durch Barbara Sukowa und es ist eine treffliche. Sukowas entschlossene, beinah verhärmten Züge bilden einen intellektuell gehärteten Panzer, hinter dem ein kluger Kopf den Kampf gegen Gefühlsduselei und gefällige Parteinahme aufnimmt. Margarethe von Trotta hat das innere Ringen um die provokante These von der „Banalität des Bösen“ beispielhaft ins Verhältnis mit dem äußeren Konflikt gegen eine ablehnende Öffentlichkeit gebracht, und so lange der Film sich dieser zeitlos spannenden Auseinandersetzung stellt, bietet er fesselnde Unterhaltung.

Sobald aber auch menschliche Aspekte ins Spiel kommen, für die höchst vermutlich eine amerikanische Co-Autorin engagiert wurde, rutscht der Film in plakative Merksätze ab und offenbart Margarethe von Trottas Schwäche als Filmerzählerin.

Film
"Hannah Arendt"-Premiere in der Lichtburg

Morgen feiert Margarethe von Trottas Film über die politische Philosophin Hannah Arendt in der Essener „Lichtburg“ Deutschlandpremiere. Die Regisseurin im Gespräch über starke Frauen, Barbara Sukowa und Eichmann, Angela Merkel und das Rauchen.

Die Bildgebung in biederem TV-Rahmen mindert den Gesamteindruck beträchtlich. Das starke Thema hätte einen besseren filmischen Ansatz verdient, aber es bleibt das Glanzlicht einer inspiriert aufspielenden Hauptdarstellerin.

Uwe Mies


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