Ausbildung für einen Killer
03.09.2008 | 18:41 Uhr 2008-09-03T18:41:00+0200Dortmund. Während sein bester Freund in der Mittagspause mal schnell in Wesleys Wohnung eilt, um dessen Freundin zu vernaschen, wird unser duckmäuserischer Held von seiner Büro-Chefin gemobbt. "Wanted" mit Angelina Jolie im Kino.
Deutscher Filmstart: 04.09.2008
Regie: Timur Bekmambetov
Darsteller: James McAvoy, Angelina Jolie, Morgan Freeman, Thomas Kretschmann
Die ist - ganz "politisch unkorrekt" - fett und Afroamerikanerin. Solche "Grenzüberschreitungen" hat der russische Regisseur Timur Bekmambetov, der mit "Wächter des Tages" und "Wächter der Nacht" die zwei größten Kassenschlager der russischen Filmgeschichte schuf, zum Credo seines Inszenierungsstils gemacht. Der offensichtlich üppige Etat seiner ersten Hollywood-Arbeit "Wanted" erlaubte ihm nicht nur eine ausufernde Special-Effect-Orgie, sondern auch die Verpflichtung eines starbestückten Ensembles.
Aber damit beginnen auch schon die Probleme des Films. Denn Hauptdarsteller James McAvoy bleibt genauso blass wie seine Rolle. Und die nur auf cool und sexy getrimmte Angelina Jolie hat man seit "Tomb Rider" nicht mehr so eindimensional gesehen. Als Lady Fox rettet sie Wesley in letzter Sekunde das Leben und offenbart ihm, dass er der Sohn einer gerade ermordeten Killerlegende ist, die im Auftrag eines jahrhundertealten Geheimbundes "böse Menschen" tötete.
Nun soll Wesley seine offenbar geerbte Fähigkeit, in Stress-Situationen alles in Zeitlupe sehen zu können, einsetzen, um das Erbe seines Vaters anzutreten. Fox wird seine Mentorin - und Wesleys Ausbildung zum Killer nimmt wahrhaft olympische Ausmaße an. Der sich dabei einstellende Identititäts-Konflikt zwischen alten und neuem Leben geht allerdings im überinszenierten Action-Gewitter schnell unter.
Mit dem inflationären Einsatz von Zeitraffer-Aufnahmen, Zerrlinsen, sprunghaften Schnitten und einem aufputschenden Soundtrack (Danny Elfman) versucht der ehemalige Werbefilmer Bekmambetov uns von der zynischen Grundhaltung seiner Allmachts-Phantasien abzulenken. Seine optischen "Visionen" werden aber immer mehr von den logischen Brüchen des auf einem Comic von Mark Millar und H.G. Jones basierenden Drehbuchs eingeholt.
Da hilft es auch nichts, dass der Regisseur am Ende noch einen "Trumpf" aus dem Ärmel zaubert und Wesleys ärgster Widersacher Cross (als einziger wirklich überzeugend: Thomas Kretschmann) seine wahre Identität preisgibt.
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