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50 Dollar pro Karte - Wenn Kino zum Luxus-Erlebnis wird

17.07.2013 | 14:52 Uhr
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50 Dollar pro Karte - Wenn Kino zum Luxus-Erlebnis wird
Popcorn gehört für Fans zu einem Kinoabend dazu. In den USA experementieren Betreiber mit weiteren Beigaben.Foto: WP

Essen.   Für Premium-Vorstellungen in ausgewählten US-Städten verlangen die Veranstalter 50 Dollar für eine Kinokarte. Dafür gibt es mehr als Film und Popcorn. Einige namhafte Regisseure sind besorgt. Und deutsche Kinobetreiber beobachten das Experiment sehr aufmerksam.

Es ist kein Druckfehler, es ist ein Test. 50 Dollar (ca. 38 Euro) steht auf den Kino-Tickets, die derzeit in den USA für Erfolgsfilme verkauft werden. Für Premium-Vorstellungen in ausgewählten Städten und selbst da nur in einigen Kinos. Einige namhafte Regisseure sind dennoch besorgt. Und deutsche Kinobetreiber beobachten das Experiment sehr aufmerksam – wollen aber zunächst nicht nachziehen.

Es sind Filme, die man für gewöhnlich Blockbuster nennt. Mit großen Stars und noch größerem Budget, das nicht selten die 200 Millionen Dollar-Grenze übersteigt. Wie der Zombie-Film „World War Z“ mit Brad Pitt in der Hauptrolle. Den Streifen konnten Besucher in Atlanta, Los Angeles, Philadelphia, Houston und San Diego in ausgewählten Kinos für 50 Dollar pro Eintrittskarte sehen. Zwei Tage vor dem offiziellen Start und in einer Art Luxusvorführung.

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Ein limitiertes großes Poster gab es, eine spezielle 3D-Brille und eine große Tüte Popcorn. Zu trinken gab es nichts aber dafür einen Gutschein, für einen – sobald verfügbar – digitalen Download oder eine DVD des Films. Was nach Angaben des Paramount-Studios alles zusammen ungefähr 75 Dollar (ca. 57 Euro) wert ist. Vier der fünf Kinos waren jedenfalls binnen kurzer Zeit ausverkauft. So erfolgreich war der Testlauf, dass er beim Film „Pacific Rim“ in ähnlicher Weise wiederholt wurde.

Spielberg und George Lucas warnen

Trotzdem haben sich bereits erste Regisseure zu Wort gemeldet, die von der Entwicklung alles andere als begeistert sind. Sie warnen davor, dass sich Studios künftig nur noch auf die Produktion solcher Blockbuster-Filme konzentrieren könnten, weil niemand für romantische Komödien oder gar Art-House-Kino solche Eintrittspreise bezahlen würde. Und es sind keine bolivianischen Filmstudenten, die aus Angst vor der Zukunft mahnend die Stimme erheben, sondern George Lucas und Steven Spielberg – einst Synonyme für großes Actionkino.

„Es könnte“, warnte Lucas vor wenigen Tagen, „zu einer Kernschmelze in der Filmindustrie kommen.“ Wenn nur einige der Blockbuster die in sie gesetzten Erwartungen nicht erfüllten, könnte das ein Studio schnell ruinieren. Von allgemein steigenden Eintrittspreisen ganz zu schweigen.

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Und Kollege Spielberg musste bereits am eigenen Leib erfahren, dass anspruchsvollere Projekte sich kaum noch finanzieren lassen, weil alles Geld in die Filme fließt, in denen es pausenlos blitzt und kracht. Nur mit Mühe gelang es der Regie-Legende seinen – später Oscar prämierten – „Lincoln“ auf die große Leinwand zu bringen. Steven Soderbergh, auch kein Unbekannter in der Branche, hatte nicht so viel Glück. Seine Liberace-Biografie „Behind The Candelabra“ mit Michael Douglas in der Hauptrolle schaffte es in den USA nur ins Programm des Bezahlsenders HBO.

Vom Einheitspreis haben sich die Kinogänger verabschiedet

In Deutschland sind Premium-Preise von fast 40 Euro vorerst nicht zu erwarten. „Allererste Gehversuche“, nennt etwa Thomas Schülke, Marketing-Direktor bei UCI, den US-Testlauf und will keinen Blick in die Zukunft wagen, „Dafür ist es noch viel zu früh“. Mittelfristig aber, glaubt er, sei das höchstens „ein gewisses Nischengeschäft“. Auch Oliver Fock, Geschäftsführer der Cinestar-Kinokette winkt ab. „Premium-Ticket-Angebote in diesem Preissegment erwarten wir für den deutschen Markt nicht.“

Von einem Einheitspreis hat sich aber auch die deutsche Kinobranche längst verabschiedet. „Selbstverständlich gibt es auch in unseren Häusern bereits zahlreiche Sonderscreenings“, sagt Fock.

Auch UCI hat in sieben seiner 23 Multiplex-Kinos ein „Premium-Konzept“ namens ISense eingeführt – darunter in Bochum und Düsseldorf. Im jeweils größten Saal des Hauses wurde für Filme wie World War Z technisch noch einmal aufgerüstet. Mit neuem 3-D-Soundsystem, Luxussitzen, lichtstärkeren Projektoren und noch größeren Leinwänden. Aber dafür ist eine Vorstellung dort auch zwei Euro teurer. Stören tut das die Kinofans nach Schülkes Aussage nicht, im Gegenteil: „Das Angebot“, weiß er, „wird hervorragend angenommen“.

Andreas Böhme

Kommentare
18.07.2013
17:45
50 Dollar pro Karte - Wenn Kino zum Luxus-Erlebnis wird
von CaptainFuture | #7

Lucas und Spielberg denken wieder nur an amerikanische Filme als Krone der Filmindustrie. Es gibt jedoch weit mehr gute asiatische Filme und ja, auch einige gute aus Europa und Afrika.

18.07.2013
16:45
50 Dollar pro Karte - Wenn Kino zum Luxus-Erlebnis wird
von MeinLieberScholli | #6

Wenn ich nen Film sehen will, möchte ich nicht mit tütenweise Werbematerial aus dem Kino kommen. Ein Poster ist doch nur interressant für zwölfjährige oder eingefleischte Fans. Eine spezielle 3D-Brille? Ca. 10ct. extra Produktionskosten gegenüber einer gewöhnlichen Brille. Verstaubt nachher in der Vitrine. Eine Tüte Popcorn? Etwa eine Handvoll aufgepoppter Mais.

Ich zahl ja gerne 2€ extra, wenn ich mal in nem gemütlichem Sessel mit Beitisch sitzen möchte, aber mit 40€ hätte ich definitiv andere Pläne.
Persönlich bevorzuge ich eh die kleinen Programmkinos.

18.07.2013
10:19
50 Dollar pro Karte - Wenn Kino zum Luxus-Erlebnis wird
von DoNoToCo | #5

Die Überschrift ist doch mal wieder reine Sensationslust. Wir stellen fest:

"Ein limitiertes großes Poster gab es, eine spezielle 3D-Brille und eine große Tüte Popcorn. [...] einen – sobald verfügbar – digitalen Download oder eine DVD des Films."

Es handelt sich doch somit nicht nur um einen Kinobesuch, sondern schlicht und einfach um die Buchung eines "Pakets". So ist es überall im Leben: Mit Extras und Zubehör wird es teurer. Ich sehe da keine Neuerung, das Prinzip lautet quasi "all inclusive".

Anders wäre es, wenn es nur noch solche All-inclusive-Vorstellungen gibt, und einfach nur einen Film schauen unmöglich wird.

18.07.2013
08:30
50 Dollar pro Karte - Wenn Kino zum Luxus-Erlebnis wird
von Ex-Leser | #4

@2

Ne, habe ich auch nicht, aber ich bin/war regelmäßiger Kinogänger.

Ich bin also Konsument und Kunde, wie viele Andere auch, die die gleiche Einschätzung teilen.

Die meisten Filme gibt es auch in 2d, ja die meisten aber nicht alle.
3d ist ja schließlich auch ein toller Kopierschutz, das Aha-Erlebnis ist glaube ich zweitrangig für die Branche.

Man wird vollgemüllt mit billigen Remakes, welche einfach nur digital aufgehübscht werden.

Das geht von kompletten Neuverfilmungen bis hin zu Jurassic-Park 25. Jubiläum in 3d.

Wen will man damit zu diesen Preisen locken und am Ende sind nur die bösen Raubmordkopierer Schuld am Niedergang der Kino-Industrie.

Was bringt mir die tollste Leinwand, wenn ich mich über den Tische gezogen fühle, der Film Müll ist und dann auch noch lauter Deppen den Film während der Vorführung kommentieren oder telefonieren.

So gut werden die Kinomitarbeiter auch nicht bezahlt, daß diese Preise gerechtfertigt sind.

18.07.2013
08:24
50 Dollar pro Karte - Wenn Kino zum Luxus-Erlebnis wird
von essenerjung60 | #3

Früher sind wir öfters mal ins Kino gegangen. Heute sehen wir uns vielleicht jeden fünften Film an, wenn überhaupt. Die aktuellen Kinopreise bin ich nicht bereit zu zahlen. Und wo die Entwicklung hingeht, sieht man in diesem Artikel. Immer mehr Schnickschnack für immer "flachere" Filme. Und wenn mich ein Film wirklich mal interessiert, dann leihe ich mir die Blueray-CD für 3 Euro in der Videothek.

18.07.2013
08:06
50 Dollar pro Karte - Wenn Kino zum Luxus-Erlebnis wird
von KerryGold | #2

@ #1

Mein lieber Herr Gesangsverein, Sie haben von der Branche aber auch gar keine Ahnung, oder?

Zu allererst ist die sogenannte "Kino-Industrie" kein Wohlfahrtsverein, sondern auch hier sind Wirtschaftsunternehmen tätig. Und da gilt, wie überall sonst auch: Profit wird solange erzielt, wie es der Kunde mitträgt.

Sie werden ja nicht gezwungen, in 0815-Blockbuster zu gehen. Ja, die Werbung kann nerven, ist für die Kinos aber überlebensnotwendig, ebenso wie der Popcorn-Verkauf. Schon gewusst? Von der Eintrittskarte hat das Kino gar nichts, manchmal (wie in unserem Fall) legt es sogar noch drauf und finanziert sich nur über den Popcornverkauf. Denn auch Filmvorführer und Thekenkräfte gibt es - und stellen Sie sich vor, die wollen auch bezahlt werden! Und Sie unterliegen keinem 3D-Zwang. Die meisten Filme gibt es auch in 2D!

Thema Blu-Ray: Wenn Sie einen Fernseher haben, der einer Leinwand gleichwertig ist. Lassen Sie es mich wissen, wo ich diesen bekommen kann ...

18.07.2013
07:45
50 Dollar pro Karte - Wenn Kino zum Luxus-Erlebnis wird
von Ex-Leser | #1

Die Kino-Industrie kriegt den Hals auch nicht voll, warum soll man sich auch von Anderen unterscheiden.

Da werden einem 0815-sogenannte-Blockbuster vorgeführt, vollgestopft mit Computer-Effekten, teilweise so flachen Storys, daß sogar die 30-45 minütige Werbung vor dem Film mehr unterhält.

Hinzu kommt teilweise 3d-Zwang, was nicht jeder verträgt.

Ach ja dafür muss man auch noch zu zahlen, neben astronomischen Preisen für Getränke und z.B. Popcorm (muss man ja nicht haben), muss man die Überlänge bezahlen, 3d-Zuschlag, Loge, Online-Reservierung, "Super Spezial-Suround".
Die momentan vielgepriesene Klimaanlagen (momentan ganz aktuell) sind anscheinend Baugleich mit denen im ICE.

Diese Beobachtungen kann man in fast allen großen Kinos machen.

Da kann man sich lieber später die Blueray für 20 € kaufen, da komme ich immer noch besser weg, als wenn ich mit zwei Leuten ins Kino gehe.
Zuhause genießen ohne Werbung ,quatschende Volldeppen und Popcorn am Hintern.

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