Keine Nachricht – auch mal ein Glück

Der Beruf des Journalisten unterscheidet sich auch deshalb von Schlagertextern oder Singvögeln, weil es noch nicht als Nachricht gilt, wenn die Sonne aufgeht. Eine Nachricht hat man erst, wenn sie nicht aufgeht.

Und doch möchten wir an dieser Stelle eine Ausnahme machen, die da mitteilt: Der große schwedische Tenor Nicolai Gedda lebt. Das tut er zwar seit 89 Jahren, davon nicht wenige auf den besten Opernbühnen der Welt: ein Poet unter den Rittern des hohen C, ob er Mozart sang oder Lehár. Aber eine gute Nachricht ist es eben doch, da bereits am Sonntagabend kenntnisreiche Rechercheure das Gegenteil in die Welt setzen. Wenig später spitzten vereinzelte Nachrufer den Stift zum letzten Lebewohl. Auch uns hätte es fast erwischt.

Nun aber heißt es: Falschmeldung. Und besser noch: Der große Sänger sei guter Dinge. Das freut uns. Der schwache Augenblick, da wir selbst überlegten, wie man dieser wunderbaren Stimme einen Abschiedsgruß sagen könnte, sei an dieser Stelle nicht unterschlagen.

Doch lieber denken wir an Nicolai Geddas Satz über das Glück seiner späten Tage: am Morgen die Vögel singen zu hören. Wir wünschen ihm noch viele solcher Morgen – auch wenn Vogelgesang nicht das Zeug zur Nachricht hat. Trotz Twitter.