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Berlin streitet um Platz für Moses Mendelssohn

23.04.2013 | 17:53 Uhr
Berlin streitet um Platz für Moses Mendelssohn
Der Philosoph Moses Mendelssohn auf einem Gemälde von Anton Graff, 1771.Foto: Getty

Berlin.   Den Platz vor dem Jüdischen Museum in Berlin möchte der Stiftungsrat nach Moses Mendelssohn benennen. Die Grünen-Abgeordneten im Bezirksparlament Friedrichshain-Kreuzberg aber pochen auf Geschlechter-Parität bei der Vergabe von Straßennamen: Sie wollen eine Frau als Namensgeberin.

Etwas Gleichheit muss schon sein. Nicht nur im Job. Auch auf Schildern, dachten sich die Politiker von Friedrichshain-Kreuzberg. Also beschlossen sie 2005, Straßen und Plätze so lange nach Frauen zu benennen, bis Geschlechterparität auf den Täfelchen herrscht.

Der Frauenquote sei Dank tobt seit Wochen eine veritable Namensposse vor den Türen des Jüdischen Museums. Der Stiftungsrat will den Platz vor dem Museum nach Moses Mendelssohn benennen. Es wäre das erste Mal, dass der jüdische Philosoph und Aufklärer aus dem 18. Jahrhundert in dieser Form gewürdigt würde.

Mendelssohn ist ein Verstoß gegen die Quote

Dummerweise verstößt der zu Ehrende als Mann gegen die Quote. Deshalb schaltet das Grünen-dominierte Bezirksparlament in der Namensfrage bisher auf stur. Das ist nicht nur pikant, weil engagierte Bürger längst per Online-Petition auf den Moses-Mendelssohn-Platz pochen. Denn beim Studentenführer Rudi Dutschke war das Geschlechterthema kein Stolperstein auf dem Weg zur straßennamentlichen Würdigung.

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Längst gehen im Namensstreit die Emotionen hoch. Götz Aly, Historiker und Mitglied im Stiftungsrat, hat die Debatte in dem mehrheitlich grünen Bezirksparlament als „provinzielle Engherzigkeit“ gescholten. Welch bemerkenswerte Blüten die Quotenfrage treibt, zeigt ein geschlechtstechnisch austarierter Kompromiss, für den sich zuletzt auch einige SPDler erwärmen konnten.

Alternative: „Eheleute-Mendelssohn-Platz“

Man könne die Anlage doch in „Fromet-und-Moses-Mendelssohn-Platz“ oder „Eheleute-Mendelssohn-Platz“ benennen. So käme auch dessen Gattin, mit der Moses Mendelssohn 24 Jahre lang verheiratet war, zu Ehren. Davon aber hält der Stiftungsrat des Jüdischen Museums nichts.

Ob sich die Bezirkspolitiker für die Doppellösung entscheiden, dürfte sich am Mittwoch zeigen. In einer Sitzung wollen sie eine Lösung finden und so die Namensposse beenden.

Daniel Freudenreich

Kommentare
23.04.2013
21:29
Berlin streitet um Platz für Moses Mendelssohn
von RobertDupuis | #1

Ich rufe alle Leser der WAZ auf die Petition für die Benennung des Platzes der Akademie des Jüdischen Museums Berlin mit ihrer Unterschrift zu...
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2013-04-23 17:53
Meldelssohn-Bartholdy, Mendelssohn, Berlin, Jüdisches Museum
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