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Kunst

Kazuo Katase im Bottroper Quadrat - Die Kunst der Teeschale

08.10.2012 | 19:03 Uhr
Kazuo Katases Ausstellung „Gegenwart " im Museum Quadrat .Foto: Birgit Schweizer

Bottrop.   Malerei und Fotografien des seit Jahrzehnten in Deutschland lebenden Japaners Kazuo Katase im Bottroper Josef-Albers-Museum Quadrat. Der Documenta-Teilnehmer verbreitet eine fast meditative Atmosphäre, seine Kunst lebt von den Ost-West-Gegensätzen und der Intensität des Ausdrucks.

Wer von Essen nach Bottrop fährt kommt an Katsuo Kazase nicht vorbei. Tausende passieren täglich auf der Essener Straße das „Lichtfossil“ des Künstlers, jene drei teilweise von innen beleuchteten Kuben, die für Bottrops Stadtbezirke stehen. Jetzt zeigt das Josef Albers Museum Quadrat im Bottroper Stadtgarten die Ausstellung „Gegenwart“. Wer dort allerdings von dem 1947 geborenen Japaner Fotografie, Skulpturen oder Installationen erwartet, in denen Licht eine Hauptrolle spielt, wird überrascht sein. Denn Katase kehrt mit dieser fast meditativen Schau zu seinen Wurzeln zurück: der Malerei.

Alles Teeschalen. Immer die gleichen großen Querformate. Pastellfarben auf Büttenpapier. Langweilig? Selbst auf den ersten Blick nicht. Wer dieser ersten Bottroper Museumsschau des Otto-Ritschl-Preisträgers und mehrfachen Documenta-Teilnehmers mehr als nur einen flüchtigen Blick gönnt, wird abtauchen in eine Welt der Spannungen - aber auch der Gegensätze.

Archaische Form scheint zu schweben

Fast kultisch herausgehoben aus dieser Welt wirken Katases Schalen, die stets in gleicher Größe daherkommen. Mal erahnt der Betrachter nur Konturen, die beinahe mystisch aus dunklem Hintergrund aufsteigen. Dann wiederum scheint diese archaische Form in leuchtenden Farben zu schweben. Mal wie ein „Negativ“, bei dem Licht an Stelle von Schatten tritt, dann im großen - eigens für „Gegenwart“ inszenierten - zentralen Raumquadrat der Albers-Sammlung als „Positiv“, unmittelbar, nicht hinter Glas.

Gegenwart

Im Zentrum eine große schwarze Schale aus eloxiertem Aluminium, umgeben von Bildern aus den vergangenen beiden Jahren und drei japanischen No-Masken, Archetypen des traditionellen japanischen Theaters. Die Leihgaben für die Ausstellung aus der Sammlung des Essener Museum Folkwang präsentiert das Quadrat auf grauem Hintergrund, fast wie auf einer riesigen Leinwand in Cinemascope-Format.

Katase trifft auf Josef Albers

In diesem Raum trifft Katase auf Josef Albers: „Profundo“ und „Reticence“ von 1965 mit einer eher dezenten Farbigkeit. Ähnlich wie Katases leere Teeschalen strahlen diese Arbeiten auch eine geheimnisvolle Tiefenwirkung aus, rühren an Ursprünge, speisen sich aus der Lehre von der Leere des Zen-Buddhismus oder spielen mit dem Zusammenfall von Gegensätzen. Vielleicht auch denen von Ost und West, einer Spannung, die sich immer auch durch das Werk von Kazuo Katase zieht, der 1975 seine japanische Heimat verließ und seither in Deutschland lebt. Deutlich wird dieser Kontrast noch einmal in einer der wenigen Fotografien. Sie zeigt eine Katase-Teeschale auf den Steinen eines ausgetrockneten Wasserreservoirs auf dem schweizer Furka-Pass.

Das Quadrat führt mit der Malerei nicht nur zu den Anfängen des Künstlers Kazuo Katase zurück, sondern zeigt mit diesen jüngsten Arbeiten zugleich den Extrakt aus jahrzehntelanger Arbeit. Darüber hinaus setzt das Haus sein Konzept die Spiegelung seiner international renommierten ständigen Sammlung der Werke Josef Albers mit Künstlern der Gegenwart fort. Im Gegensatz zu den Übernahme-Schauen manch anderer Museen eine für das das Quadrat konzipierte individuelle Schau.

Info: Zu sehen bis 9. Dezember. Ein umfassender Katalog erscheint in Kürze.

Öffentliche Führungen: 21. Oktober & 18. November, jeweils 11 Uhr. In Gebärdensprache: 25. November, 11 Uhr. Info: www.quadrat-bottrop.de

Dirk Aschendorf



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