„Karl-Marx-Jahr“ in Trier

Trier..  Irgendwie ist Karl Marx in seiner Geburtsstadt Trier immer noch zu Hause. Das barocke Wohnhaus, in dem der revolutionäre Denker geboren wurde, zieht jedes Jahr Zehntausende Besucher aus aller Welt an. Die größte Pilgerschar kam auch 2014 mit knapp 10 000 Gästen wieder aus China, um sich im Karl-Marx-Haus über Leben und Wirken des Philosophen zu informieren. Auch ansonsten ist der Weltveränderer in Trier präsent: In manchen Schaufenstern stehen Marx-Figuren, und roter Karl-Marx-Wein oder Büsten des Mannes mit dem Rauschebart gibt es nicht nur im Museum zu kaufen.

Zum 200. Geburtstag des Philosophen im Jahr 2018 wird Marx in der 100 000-Einwohner-Stadt noch lebendiger werden. Denn Trier wird den wohl berühmtesten Sohn der Stadt mit einem „Karl-Marx-Jahr“ feiern: Eine große Ausstellung über den „weltweit wirkmächtigen Deutschen“ ist mit dem Land Rheinland-Pfalz geplant – rund 5,6 Millionen Euro sollen dafür in die Hand genommen werden. Hinzu kommt ein großes Kultur- und Wissenschaftsprogramm.

„Das Jubiläum hat eine große Bedeutung, die weit über die Stadtgrenzen von Trier hinausreicht“, sagt die wissenschaftliche Leiterin des Museums Karl-Marx-Haus, Anja Kruke. Schließlich gelte Marx (1818-1883) als politisch einflussreichster Gelehrter des 19. und 20. Jahrhunderts. Eine kritische Auseinandersetzung mit Marx’ Ideen stehe stets im Vordergrund, sagt Historikerin Kruke, die das Archiv der sozialen Demokratie der FES in Bonn leitet.

Seit der Finanzkrise 2008 erlebe Marx eine Renaissance, berichtet Kruke. Eine neue Generation schaue sich derzeit Marx mit einem „neuen, frischen Interesse“ an, das nicht von den Auseinandersetzungen um Marx im Kalten Krieg geprägt sei. Marx, einer der geistigen Väter des Kommunismus, war am 5. Mai 1818 in Trier geboren worden. Er starb 1883 in London.

Internationales Publikum

Die große Marx-Ausstellung 2018 richtet sich an nationales und internationales Publikum und wird an zwei Standorten gezeigt: Im Rheinischen Landesmuseum Trier steht das Epochenbild der historischen Person Marx im geistigen Umfeld des 19. Jahrhundert im Fokus. Dabei werde auch der Frage nachgespürt, wie neben dem Geburtsort Trier weitere Stationen in Bonn, Berlin, Köln, Paris, Brüssel und London das Leben des Sozialtheoretikers beeinflussten.

Das Stadtmuseum Simeonstift Trier wird das Umfeld von Marx als Sohn der Stadt Trier beleuchten, sagt Direktorin Elisabeth Dühr. Das wechselvolle Verhältnis der Stadt Trier zu Marx soll als Thema nicht unterschlagen werden.