Kandidaten buhlen eintönig um Wählergunst
29.08.2009 | 18:05 Uhr 2009-08-29T18:05:00+0200
Essen. Sie wollen alle nur das eine: Ihre Stimme. Die Entscheidung, wen Sie wählen, könnte aber schwierig werden. Die Bürgermeister-Kandidaten waren alle beim gleichen Sprüche-Schmied und im selben Fotostudio. Für welches Sakko stimmen Sie?
In 384 NRW-Städten und -Gemeinden werden am Sonntag neue Bürgermeister gewählt. Im Schnitt dürften je zwei bis drei Kandidaten zur Wahl stehen, was bedeutet, dass auf den Straßen momentan über 1000 verschiedene Köpfe von mehreren hunderttausend Plakaten lächeln. Und alle wollen nur das eine: Ihre Stimme!
Weil sie aber nicht gleich jedem für ein Lächeln Ihr Kreuz schenken, wollen Sie als kritischer Wähler genauer wissen wer um ihre Stimme buhlt. Aber es wirkt, als ob alle beim gleichen Fotografen gewesen wären, der nur drei Motive zur Auswahl hat: mit Sakko vor einfarbigem Hintergrund für „seriös“, mit Sakko über der Schulter vor unscharfem Hintergrund für „locker“ und in Gesellschaft einer Zielgruppe (Junge, Alte, Abeiter...), die verzweifelt versucht natürlich zu wirken, für „bürgernah“.
Auch die „politischen“ Aussagen auf den Plakaten könnten aus dem gleichen Zufallsgenerator kommen und man kann das den Amtsinhabern und Möchtegern-Bürgermeistern nicht einmal vorwerfen. Sie stecken in einer Zwickmühle: Jede Aussage muss der größte gemeinsame Nenner sein. Jedes Polarisieren könnte Wähler abschrecken. Die Folge sind Neutrum-Parolen wie „Damit es gut läuft" (Bottrop), „Näher am Bürger" (Solingen), „Zukunft bewegen” (Mettmann) oder schwer zu widerlegende Behauptungen wie „Der Mann für diese Zeit” (Solingen) und „Bürgermeister für alle” (Hilden).
"Einer von uns"
Peinlich wird es, wenn sich die Worthülsen nicht nur von Wahl zu Wahl wiederholen, sondern schon von Ort zu Ort. So ist die CDU in Hattingen „modern. mutig. menschlich", in Bochum dagegen „Menschlich. Mutig. Modern”. Ähnlich nah beinander liegen die CDU-Kandidaten mit ihren Slogans: „Dorsten in guten Händen” und „Unser Essen in guten Händen" – wobei letzerem gleich noch ein Hauch von Kirchentag umweht.
Der unangefochtene Spitzenreiter unter den Bürgermeister-Slogans ist aber mit Abstand: „Einer von uns". Genial, weil es bürgernah klingt, absolut nichts aussagt, alle einschließt und keiner das Gegenteil beweisen kann. Und so teilen sich gleich sieben Kandidaten quer durch alle Parteien denselben Slogan: Stefan Zowislo, Mülheim und Adolf Sauerland, Duisburg (CDU), Reinhard Paß, Essen, Andreas Krebs, Oer-Erkenschwick und Ottilie Scholz, Bochum („eine von uns", versteht sich) (alle SPD) sowie Dirk Möcking, Kerken und Andreas Grotendorst, Raesfeld (unabhängig).
Mark Twain hat geschrieben „Es ist schon ein großer Trost bei Wahlen, daß von mehreren Kandidaten immer nur einer gewählt werden kann.” In diesem Sinne: eine gute Wahl!
13:41
Tja Alternativ da ging das SPD-Bashing wohl nach hinten los
12:06
@Alternativ: In Dortmund wurde das Privatgymnasium nicht von der SPD durchgeboxt. Im Gegenteil: die SPD hat sich immer gegen das Privatgymnasium ausgesprochen. Leider sind die Gesetze so, dass ein solches Gymnasium rechtlich nicht verhindert werden kann. Und der CDU-Regierungspräsident in Münster hat es genehmigt.
10:22
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10:06
SPD in Dortmund
Bildung soll nicht vom Einkommen der Eltern abhängen!
Das Privatgymnasium wurde erst vor einer Woche von der SPD durchgeboxt. Ohne SChule, die muss noch gebaut werden.
Sehr unglaubwürdig diese Partei.
Ich hoffe, dass viele Menschen diesen Widerspruch entdecken. Und dann ab in den Keller nit der SPD und ......versuchs besser.
09:57
HSP ! HSP ! HSP !
Yes, Weekend!
09:57
der artikel ist super geschrieben , tropft nur so vor Sarkasmus ! =)
08:57
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08:11
Ist m.M. ein bisschen wie Eurovison-Contest/Bambiverleihung oder ÖlBild-Umfrage:
Ein Haufen Menschen bekommt vorher Schmeicheleien und Intriegen geboten (bestenfalls ein paar Horse doevre dazu gereicht) darf dann seine Stimme abgeben.
Dann werden die Gewinner verkündet und alle Gäste nach Hause geschickt,
die Rechnung wird ihnen später bequem zu Hause/(oder auch unter der Brücke) präsentiert).
Der/Die Preisträger steckt derweil das Preisgeld ein, bereitet sich persönlich finanziell auf das Alter vor und machen mit dem Preis auch sonst was sie wollen (gefühlt min. drauf urinieren)..
Liege ich in meiner Wahrnehmung falsch?
07:19
Ich nehme an, die Wahlslogan entsprechen dem geistigen Niveau dieses Volkes. 60 Jahre Medienverblödung und 60 Jahre Politikverdummung erzeugen nun mal Plattheit, Sinnlosigkeit und nichtssagende Wahlsprüche. Leider haben sich in dieser Zeit auch die zu wählenden Kandidaten(innen) diesem Nullniveau angepasst. so dass sich die Frage stellt, ob dieser Politzirkus noch zeitgemäß ist. Auf Grund der Schuldenlast dieses Staates verbietet sich diese Politfarce, aber zu viele füllen sich damit die Tasche.
00:33
@7 von gestresst
Und dann sollen wir uns nach dem Bild, das wir uns anhand der Plakate von den Kandidaten gemacht haben, für einen Kandidaten entscheiden? Meinen Sie das ernst? Ist es wirklich unmöglich, wenigstens eine kleine politische Aussage auf einem Plakat unterzubringen? Und um an die Wahl zu erinnern, muss an jedem Baum und an jedem Laternepfahl ein Plakat hängen? Haben wir denn alle Alzheimer?