Kabarettpreis: "Ein Satiriker sollte niemanden umbringen"

Die Preisträger des Deutschen Kabarett-Preises 2015. Hauptpreisträgerin Simone Solga zerlegt  in ihrem Programm gekonnt den deutschen Politikbetrieb.
Die Preisträger des Deutschen Kabarett-Preises 2015. Hauptpreisträgerin Simone Solga zerlegt in ihrem Programm gekonnt den deutschen Politikbetrieb.
Foto: dpa
Was wir bereits wissen
Jetzt erst recht: Spott über die Attentäter von Paris beim Deutschen Kabarett-Preis in Nürnberg. Simone Solga sieht Realsatire, Andreas Thiel eine Paradies-Enttäuschung.

Nürnberg.. Der Schrecken von Paris lässt bei Kabarettisten den Humor mitunter rustikal werden: „Satire ist doch, wenn die Mörder von Journalisten in einer Druckerei enden,“ sagt Simone Solga, und die neue Trägerin des Deutschen Kabarett-Preises setzt gleich noch einen drauf: „Was müsste das für ein mieser Prophet sein, wenn er solche Würstchen braucht, um den Islam zu rächen?“ Selbstverständlich sind die Terroranschläge auf das französische Satiremagazin „Charlie Hebdo“ und auf einen jüdischen Supermarkt ein Thema, als am Samstagabend in Nürnberg der Deutsche Kabarett-Preis 2014 verliehen wird. Der Tenor: jetzt erst recht.

Vorjahrespreisträger Andreas Thiel, der durchs Programm führt, spottet über die Attentäter von Paris: „Jetzt, wo sie tot sind, werden sie auch merken, dass nicht das Paradies auf sie wartet.“ In seinem Heimatland Schweiz, sagt der Mann mit dem knallpinken Irokesenschnitt zum edlen Anzug, werde schon seit geraumer Zeit diskutiert, wo die Grenzen der Satire liegen. Sein Schluss: „Ein Satiriker sollte niemanden umbringen.“

Solga zerlegt den Berliner Politikbetrieb

Für Thiels Nachfolgerin Simone Solga ist mit wenigen Sätzen alles Entscheidende gesagt: „Satire ist frei. So muss es auch bleiben.“ Deshalb präsentiert die 51-Jährige wie geplant Auszüge aus ihrem aktuellen Programm, in dem sie als „Kanzlersouffleuse“ Angela Merkel berät und nebenbei den kompletten Berliner Politikbetrieb zerlegt.

Literatur Ihr charmant-harmloses Auftreten kontrastiert dabei mit den Hieben, die sie austeilt: „Die Grünen sind von ihren Grundsätzen so weit entfernt wie die katholische Kirche von der Bergpredigt“, konstatiert Solga und: „Das Schlimmste an dieser Opposition ist ihre Erfolglosigkeit trotz dieses Gegners. Es ist ja nicht so, dass das alles Leuchten wären – eher Energiesparlampen der ersten Generation.“ Wirtschaftsminister Gabriel werden allerdings andere Dimensionen attestiert: „Wenn sich alle Windkrafträder in Deutschland so effizient mit dem Wind drehen würden wie Sigmar Gabriel, wäre der Strom billiger.“

"Das ist ganz subversiv!"

Förderpreisträger Till Reiners (29) piesackt „Bessermenschen“, die anderen ungefragt vorgeblich gut gemeinte Ratschläge erteilen, aber selbst im Zweifel lieber diskutieren, wie man die Welt verbessern könnte, bevor sie selbst etwas tun – „sicher ist sicher. Aber wir haben es ironisch bleiben gelassen. Das ist ganz subversiv!“

Andere Ziele hat „Die bekannte Band Zärtlichkeiten mit Freunden“; die Sonderpreisträger Stefan Schramm und Christoph Walther kommen in wenigen Sätzen von Pegida über unmoralische Investments der Deutschen Bank zur Berliner Koalition. So stellen sie dann auch das „Christliche“ von CDU und CSU infrage: „Nagel mich nicht fest, aber ich vermute, Jesus Christus war nicht der drittgrößte Waffenexporteur der Welt.“