Justin Timberlake - vom Boyband-Idol zum Präsident des Pop

Wieder gemeinsam auf der Bühne: Die Boyband 'N Sync feierte bei den MTV Video Music Awards eine Wiedervereinigung - zumindest für einen Abend.
Wieder gemeinsam auf der Bühne: Die Boyband 'N Sync feierte bei den MTV Video Music Awards eine Wiedervereinigung - zumindest für einen Abend.
Foto: Getty
Was wir bereits wissen
Er ist der Chef im Olymp der Ex-Boygroupler: Justin Timberlake war bei den MTV Video Music Awards in New York wieder das allercoolste Kid im Block. Während der 32-Jährige ein Mini-Comeback mit den gealterten Kollegen von 'N Sync feierte, mühte sich Miley Cyrus um Schlüpfrigkeit.

Washington.. Die Künstlerbiografien ehemaliger Teenie-Idole sind voll von hübschen Emanzipationsgeschichten. Ronan Keating (Boyzone) und Robin Williams (Take That) starteten recht erfolgreich eine zweite Karriere, nachdem sie sich das in den Fantasien pubertierender Mädchen hoch gehandelte unschuldige Bübchen-Image mühsam abgeraspelt hatten.

In die Liga des aus Tennessee stammenden Baptistensohns Justin Timberlake haben sie es ausweislich diverser Verkaufsstatistiken trotzdem nie geschafft. Der 32-Jährige, der auf der Bühne und am Mikrofon restlos alles kann: tanzen, singen, rappen, schauspielern und das maßlos lässig und charmant, ist der unangefochtene Chef im Olymp der Ex-Boygroupler.

Timberlakes "Mirrors" ist das Musikvideo des Jahres

Bei der alljährlichen Leistungsshow des Musiksenders MTV, den "Video Music Awards", am Sonntagabend in New York räumte der Frotmann der vor über zehn Jahren eingestellten Gruppe 'N Sync mit vier Trophäen („Moonmännern“) erwartungsgemäß die meisten Preise ab; darunter einen für sein naturgemäß noch junges Lebenswerk.

Nachdem „Mirrors“ zum Video des Jahres gekürt wurde, bediente der Schwiegersohntraum mancher Mütter die Tränendrüse. Das Lied sei nach dem Tod seines Großvaters entstanden, sagt er mit leiser Stimme. „Es ist ein sehr persönliches Video für mich. Ich hoffe, meine Großmutter schaut gerade zu. Der Preis ist für dich, Omi.“

Mini-Comeback von 'N Sync

Jimmy Fallon, Late-Night-Quasselstrippe, Moderator des Abends und Timberlakes Kollaborateur in einem wegweisenden Video über die Geschichte des Rap, kürte den Ehemann der Schauspielerin Jessica Biel hernach zum „Präsidenten des Pop“. Timberlake, wie immer bescheiden und doch selbstbewusst, bedankte sich artig: „Ich habe diese Auszeichnung doch gar nicht verdient. Aber ich gebe sie natürlich auch nicht zurück.“

Wie weit sich der Meister des schlagsahnigen Refrains von seinen Anfängen fortentwickelt hat, bekamen die Zuschauer im Barclays Center von Brooklyn wie auch an den Fernsehschirmen daheim zu sehen, als 'N Sync ein kurzes Mini-Comeback feiern durfte. Kinder, wie die Zeit vergeht! Während man Lance Bass, JC Chasez, Joey Fatone und Chris Kirkpatrick die künstlerische Auszeit bei jeder Bewegung zu Hits wie „Bye Bye Bye“, „Gone“ und „Girlfriend“ ansah, war Timberlake mit jeder Faser Entertainer.

Leichtfüßig und stimmsicher beim Solo-Auftritt

Verblüffend leichtfüßig und stimmsicher navigierte der Star des Abends später durch einen 20-minütigen ganz in Schwarz-Weiß gehaltenen Solo-Auftritt, der abseits alter Hits wie „Sexy Back“, „Cry Me A River“ und „Rock Your Body“ nachvollziehbar macht, warum Fans wie Kritik Timberlake für die beste Erfindung seit Sinatra, Dean Martin und Sammy Davis Jr. halten.

Nach "The 20/20 Experience,", dem meist verkauften Albums des Jahres, kommt in wenigen Tagen mit "The 20/20 Experience: 2 of 2“ der Nachfolger in den Handel. Erneut zu erwarten: Lässig aus der Hand geschüttelte Schnulzen zwischen R & B und Edel-Pop, messerscharfes, an Funk und Soul geschultes Falsett. Dazu Bewegungstalent im Übermaß.

Miley Cyrus bemüht sich um Schlüpfrigkeit

Was man über Miley Cyrus nicht widerspruchslos wird behaupten können. Mit knapp fünf Millionen Wortbeiträgen gewann die 20-Jährige bei den MTV-Musikpreisen zwar deutlich den heutzutage allgegenwärtigen Wettbewerb bei einem einschlägigen Kurznachrichtendienst. Zuschauer wie Musik-Journaille waren indes vom Auftritt des mit Macht aus den Hannah- Montana-Fernseh-Kinderschuhen strebenden Popsternchen nur bedingt begeistert.

Erst im Strampelanzug, später im hautfarbenen Nackt-Bikini bemühte sich die „We can‘t stop“-Sängerin allein und mit Ein-Tages-Hitfliege Robin Thicke mit einschlägigem Hüftkreisen, Popo-Vorzeigen, In-den-Schritt-greifen und Sexspielzeug aus Schaumstoff um Schlüpfrigkeit.

Will Smith soll beim Cyrus-Auftritt "der Kinnladen" heruntergefallen sein

Wiederum besagtem Kurznachrichtendienst ist zu entnehmen, dass Gästen wie dem Hollywoodschauspieler Will Smith in der ersten Reihe „der Kinnladen“ heruntergefallen sein soll. Nachrichtenagenturen schrieben schnappatmend von „Skandal-Auftritt“.

Dass die inszenierte Provokation und das fein abgeschmeckte Spielen mit Rollen-Etiketten und Tabus nicht erst seit Lady Gaga, die in New York gewohnt kostümlastig unterwegs war, zum Älterwerden im Schau-Geschäft gehört, schien plötzlich in Vergessenheit geraten zu sein. Apropos: Auf dem herrlich morbiden neuen Album von Nick Cave & The Bad Seeds ("Push The Sky Away") gibt es das Lied „Higgs Boson Blues“. Darin kommt auch Miley Cyrus vor. Als Wasserleiche.