"Jungfrau von Orleans" war keine große Theaterstunde

DIE JUNGFRAU VON ORLEANS Pressefoto
DIE JUNGFRAU VON ORLEANS Pressefoto
Was wir bereits wissen
Schauspieler als Sprechmaschinen, ein Stück als Skelett: Es war keine große Theaterstunde, dieses Berliner Gastspiel von Schillers „Jungfrau“ bei den Ruhrfestspielen.

Recklinghausen.. Punktscheinwerfer durchschneiden das schwarze Nichts der Bühne, das sich, nach 140 pausenlosen Minuten, als düsteres Gewölbe, als Gruft erweist. Fast ebenso lange weilt Johanna (Kathleen Morgeneyer in weißem Kleidchen und schwarzen Stiefeln) nahezu regungslos im Schnittpunkt dieser Lichtkegel – den Blick gen Rampe gerichtet, in der Rechten ein ruhendes Schwert, die Arme leicht ausgebreitet wie bei einer Gekreuzigten.

Nach und nach lösen sich Personen aus dem tiefen Schwarz, doch im Gegensatz zur strahlenden Jungfrau hängt über ihnen permanent die Unschärfe des Halbdunkels. Johannas Vater, König Karl VII., der Herzog von Burgund oder der englische Heerführer Lionel, sie alle wirken wie Figuren aus dem Schattenreich. Lässt Johanna in der Stunde ihres Todes noch einmal Stationen ihres Lebens Revue passieren, oder ist alles das alles ohnehin nicht mehr als nur ein (schlechter) Traum?

Jegliche Poesie ausgetrieben

Für seine als Koproduktion von Salzburger Festspielen und Deutschem Theater Berlin erarbeitete „Jungfrau von Orleans“ hat Michael Thalheimer Schillers „romantische Tragödie“ radikal gekürzt, bearbeitet und dabei von jeglicher Poesie weitgehend befreit, hat er sie eingedampft auf eine Art Positionspapier. Wo eine eigentliche „Handlung“, Bühnenausstattung und Requisiten fehlen, versagt Thalheimer den zum Schattendasein verurteilten Schauspielern das, was ihre eigentliche Aufgabe ist: nämlich zu spielen.

Die auf- und abtretenden Darsteller sind wenig mehr als (perfekte) Sprechmaschinen, die – emotionslos und ohne große Nuancierung – erratische Sprachbrocken mehr oder weniger lautstark absondern. Das Fehlen leiser, normaler Zwischentöne trifft besonders Kathleen Morgeneyer, die zwischen Kasernenhof-Ton, Berliner Hinterhof-Schnauze und schulmädchenhafter Gedicht-Deklamation von einem Schrei- und Brüll-Extrem ins nächste fallen muss.

Höflicher Beifall.