Jürgen Becker: Der Küster aus Kalau
14.01.2009 | 16:44 Uhr 2009-01-14T16:44:00+0100
Neuerdings ist Kabarettist und „Mitternachtsspitzen”-Moderator Jürgen Becker auch als Aufklärer unterwegs: Im Programm „Ja, was glauben Sie denn?” wildert der 49-Jährige in der mythischen Ursuppe der Weltreligionen. Carsten Dilly sprach mit dem Kölner - und stellte ihm auch die Gretchechenfrage.
Herr Becker, wie halten Sie es mit der Religion? Sind Sie ein gläubiger Mensch?
Becker: Ich sage das immer im rheinischen Sinne: „Ich ben jot katholisch, jläuve an nix”. Die Leute denken ja, sie müssten alles glauben, was in der Bibel steht. Aber darum geht's ja nicht. Sondern darum, was die Geschichten uns bedeuten. Und wenn man da ganz unbefangen herangeht, entdeckt man viele Parallelen zwischen Religion und Humor.
Bitte? Das müssen Sie uns genauer erklären...
Becker: Bei der Religion geht es auch darum, Dinge aus einem anderen Blickwinkel zu betrachten. Und wenn ich einen Witz mache, sehe ich die Sache ja auch aus einer anderen Perspektive. Ein Beispiel: Torte auf dem Kaffeetisch – gehört da hin, ist langweilig. Torte im Gesicht – gehört da nicht hin, ist lustig.
Demnach müsste es auch Parallelen zwischen Karneval und Glauben geben, oder?
Becker: Natürlich. Man kann ja sagen, die zwölf Apostel waren die Vorläufer des Elferrates. Judas ist mit der Vereinskasse durchgebrannt, da blieben elf übrig. Und: Karnevalisierung heißt ja Umkehrung – der Narr wird König. Und mit Jesus kam die Karnevalisierung der Religion: Ein uneheliches Kind aus dem Prekariat wird Gott.
Haben Sie bei Ihrer Recherche auch Sympathien für andere Glaubensrichtungen entdeckt?
2.2. Gelsenkirchen (MiR)*
6.3. Menden (Wilhelmshöhe)*
24.3. Hagen (Werkhof)
27.3. Recklinghausen (Ruhrfestspielhaus)*
24.4. Emmerich (Stadttheater)
20.6. Hagen (Hasperhammer)
5.9. Wattenscheid (Stadthalle)*
10.9. Gevelsberg (Schulzentrum)
11.12. Mülheim (Stadthalle)*
Karten für die mit (*) gekennzeichneten Termine gibt's für ca. 19-28 € in unserem TICKET-SHOP: 01805/280123, www.DerWesten.de/tickets
Becker: Durchaus. Mir gefällt, dass Religionen immer mit Phantasie zu tun haben. Auch das Christentum. Denn die Kirche muss seit 2000 Jahren etwas verkaufen, das man nicht sehen kann. Da hilft die Vernunft nicht weiter.
Vor dem Hintergrund, was aktuell im Nahen Osten geschieht: Darf man denn noch über Glaubensdinge lachen?
Becker: Man muss! Die Urgründe für diese territorialen Konflikte liegen ja in der Frage, welche die richtige Religion sei. Hat Stammvater Abraham nun seinen Sohn Ismael in die Wüste geschickt, wie es das Alte Testament berichtet? Oder ist er mit ihm nach Mekka gereist, wie es im Koran steht? Auf die Idee, dass beides falsch sein könnte, kommen die gar nicht. Oder wie es mein Kollege Volker Pispers so schön formuliert: „Für uns sind Muslime Menschen, die ihre Religion ernst nehmen.” Das ist natürlich ein Riesenproblem. Aber ich finde, man muss sich seinen Humor bewahren.
Finden Sie es schade, dass sich die Gründung des ersten türkischen Karnevalsvereins in Köln unlängst als Ente herausgestellt hat?
Becker: Ja, aber ich mache so etwas de facto: An einer Hauptschule in Köln bauen wir einen Karnevalswagen. Dort werden Schüler aus 50 Nationen unterrichtet werden – darunter auch viele muslimische Kinder. Wenn man so will, betreiben wir da religiösen Missbrauch von Minderjährigen (lacht).
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