Johan Botha - Star-Tenor in Bayreuth, der Star-Rummel meidet

Tenor Johan Botha begeistert bei den 102. Bayreuther Wagner-Festspielen.
Tenor Johan Botha begeistert bei den 102. Bayreuther Wagner-Festspielen.
Foto: dpa
Was wir bereits wissen
Das Theater Hagen war für ihn das Sprungbrett an die Spitze der Opern-Welt: Jetzt begeistert der südafrikanische Tenor Johan Botha als Wagner-Held bei den Bayreuther Festspielen. Doch Botha fühlt sich musikalisch nicht nur zu Wagner hingezogen.

Bayreuth.. Ehrfürchtige Vorfreude steigert die Spannung im Bayreuther Festspielhaus. Johan Botha singt in der "Walküre" den Siegmund. D e r Johan Botha, Tenor der Ausnahmeklasse, das verspricht ein Ereignis zu werden. Und Bothas Siegmund erweist sich tatsächlich als musikalische Glückserfahrung. Wer ist dieser Heldentenor, der zu den brillantesten seines Faches gehört, aber, anders als die Kollegen Jonas Kaufmann und Klaus Florian Vogt, so gar nicht das Rampenlicht sucht. Der auf den großen Bühnen dieser Welt singt, vom Publikum stürmisch verehrt wird und dennoch ohne den üblichen Starrummel auskommen will.

Der Südafrikaner mit dem österreichischen Pass gehört zu den seltenen Sängern, die im italienischen Fach ebenso Zuhause sind wie im deutschen. Er liebt Wagner, aber er ist auch mit Leidenschaft ein Otello und ein Cavaradossi. Während andere Tenöre seines Ranges sich irgendwann spezialisieren, sucht Botha den Wechsel zwischen Wagners, Verdis und Puccinis Klanguniversen, um seine Stimme geschmeidig zu halten. Denn er ist ein lupenreiner C-Tenor, der sogar noch höher kann. Bei Wagner liegen die Tenorpartien in der Regel nicht so hoch. Bei den Italienern schon. Und so trainiert Botha Wagner mit Verdi und umgekehrt.

Brüllen? Das lehnt Johan Botha ab

Als Lohengrin Stolzing, Erik und Parsifal lässt der Wahl-Wiener aufhorchen, weil er eben auch jenen lyrischen, ja italienischen Gestus drauf hat, mit dem Wagner diese Partien geschrieben hat. So muss er nicht brüllen, das lehnt der Künstler ohnehin ab. Als Siegmund bringt er das verwöhnte Bayreuther Publikum zum Staunen: Töne aus edelster Bronze, ein Tenor voller Kraft und voller Zwischenfarben, eine Stimme, die wunderbar ausschwingen kann, so dass man gar nicht glauben mag, dass sie gerade ein hundertköpfiges Orchester locker überstrahlt.

Festspiel-Tagebuch Vor allem aber kann Botha seine Charaktere empfinden. Sein Siegmund ist ein gejagter Mann, erschöpft, aber immer noch gefährlich, der um seiner neu gefundenen Liebe bereit ist, tatsächlich bis zum Äußersten zu gehen. Der ganze Saal hält den Atem an, wenn Botha "Winterstürme weichen dem Wonnemond" singt: So klingt die Liebe, die schon ihre Todesahnung in sich spürt. Nur einer hat in Bayreuth den Siegmund derart zu Herzen gehend interpretiert: Das war Placido Domingo im Jahr 2000, bei seinem letzten Auftritt auf dem Grünen Hügel.

In Südafrika nimmt der junge Johan Botha schon mit zehn Jahren Gesangsunterricht. Dann kommt er nach Europa, zum Bayreuther Festspielchor zunächst - seine Verbundenheit mit Wagner hat eine lange Geschichte. In der Spielzeit 1991/92 erhält der noch völlig unbekannte Nachwuchskünstler ein Engagement am Theater Hagen, singt den Pinkerton und Don José - und lässt sofort aufhorchen. Hagen wird zum Sprungbrett. Michael Halász ist damals noch Generalmusikdirektor, er geht von Hagen zur Wiener Staatsoper. Botha wird ihm über den Umweg Dortmund und Bonn rasch folgen.

Keine Angst vor den hohen Tönen des Tannhäuser

Normalerweise drücken sich Lohengrine vor dem Tannhäuser. Diese mörderische Partie liegt so hoch, dass sie fast ein Fach für sich bildet. Doch Botha kann auch Wagners Minnesänger, vor den hohen Tönen hat er keine Angst. Jetzt wartet die Musikwelt natürlich darauf, dass er den Tristan macht. Tatsächlich studiert der Familienvater die Rolle bereits privat ein, aber von einem öffentlichen Debüt ist derzeit noch keine Rede. Denn der Tristan würde tatsächlich eine Wende bedeuten. Von hier aus gibt es auch für einen Botha kein zurück zum Lohengrin mehr.

Bayreuther Festspiele Die gerne strapazierte Bezeichnung Heldentenor erhält im Zusammenhang mit Johan Botha eine neue Definition. Heldentenor ist über viele Jahre hinweg zum Synonym für Geschrei geworden. Botha ist dagegen ein Heldentenor im Sinne des Gedankens, weil er Kraft und Volumen hat und trotzdem Zwischentöne findet, weil er eben weiß, dass Wagners Helden im Herzen Italiener sind. Der erste Walkürenakt, jenes einstündige intime Solo und Duett mit Sieglinde, ist für ihn Erotik pur, hat Botha einmal verraten. Das glaubt man ihm sofort. Denn im Bayreuther Festspielhaus gibt es bei Bothas Siegmund einen magischen Gänsehaut-Moment nach dem anderen.