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Peter Shub im Interview

Jetzt spricht er auch noch

21.05.2008 | 19:21 Uhr
Jetzt spricht er auch noch

Pantomime, Clown, Schauspieler und Comedian: Dem deutschen Publikum ist der Amerikaner aufgrund eines langen Engagements beim „Circus Roncalli” bekannt. Inzwischen ist Peter Shub (51) aber ausschließlich solo unterwegs - demnächst in Oberhausen.

Herr Shub, nachdem Sie lange ausschließlich als Pantomime aufgetreten sind, haben Sie vor einiger Zeit auch die Sprache für sich entdeckt. Wie kam's?

Shub: Manche Dinge kann man nun einmal ganz einfach mit einem Wort ausdrücken, ohne viele Bewegungen machen zu müssen. Was kann man denn mit Pantomime nicht darstellen?

Shub: Gott. Mit Worten geht das allerdings auch nicht besser. Am besten kann man Gott wohl mit Musik erklären. Die Veranschaulichung darf nicht visuell, sondern muss abstrakt sein. Sie muss den Menschen genug Raum für die eigene Vorstellung lassen.

Worauf kommt es Ihnen denn bei Ihrer Art der Darstellung am ehesten an?

Info
Peter Shub live

28.5., 20 Uhr, Ebertbad in Oberhausen (Ebertplatz 4).

Karten (17, 60 €) gibt's im TICKET-SHOP,01805/280123 oder im Internet unter www.DerWesten.de/tickets

Shub: Wir müssen zurück zum physischen Faktor von Comedy und Schauspiel. Der Körper wird heutzutage viel zu sehr vernachlässigt.

Im pantomimischen Teil Ihrer Show lassen Sie sich zum Beispiel von einem unsichtbaren Hund ziehen oder verzweifeln an einem Kamerastativ. Was dabei auf den ersten Blick nach purem Slapstick aussieht, birgt aber meist eine gewisse Tragik in sich. Was soll denn nach der Show bei den Gästen hängenbleiben?

Shub: Das Publikum nimmt viele Gefühle mit, die sich aber je nach Gast zum Teil grundlegend unterscheiden. Die einen sagen zu mir: „Du bist poetisch.” Die anderen sagen: „Du bist sehr wütend auf die Welt.” Also wird jeder von mir auf eine andere Art und Weise berührt. Das Leben ist so schnell, die Dinge halten nur einen Moment an und verschwinden dann wieder. Ich versuche, diese verschiedenen kurzen Momente einzufangen – und damit auch die Gefühle.

Und wenn die Show vorbei ist? Was fühlen Sie nach einem Auftritt?

Shub: Ich fühle mich allein und leer, weil in den zwei Stunden zuvor so viel Aufregung herrschte. Es ist wie bei einem ersten Date. Man hofft, dass man sich mag und vielleicht noch mal wiedersehen kann. Diese Spannung ist sehr positiv. Aber gerade dann, wenn man angefangen hat, sich zu mögen, sind die zwei Stunden vorbei. Ich bleibe allein mit den Erinnerungen an ein vergangenes Lachen zurück. Die Gäste meiner Show sollen aber vor allen Dingen merken, dass Comedy mehr ist als Lachen. Comedy kommt aus dem Herzen, aus dem Hirn und aus der Seele – das ist mein Credo.

Verstehen die Gäste das auch immer?

Shub: Meistens ja. Bei mir bleibt aber die Angst davor, dass ein Zuschauer während einer Show einfach aufsteht und geht. Manchmal passiert das sogar. Mein Tipp an denjenigen wäre dann, dass er es bei meinem nächsten Auftritt einfach noch mal probiert – denn die Show ist dann auf jeden Fall eine andere.

Woher bekommen Sie denn neue Inspirationen?

Shub: Ich schaue mir vieles bei Kindern ab, denn sie sind einfach authentisch. Kinder halten nichts zurück und denken weder an die Zukunft noch an die Vergangenheit. Und sie wollen spielen. Das sollte eigentlich uns allen wichtig sein, aber den Sinn dafür verlieren wir leider immer mehr, je älter wir werden.

Sie bekommen viele Angebote für feste Engagements. Warum lehnen Sie immer wieder ab?

Shub: Ich habe ja sechs Jahre lang fest für den „Circus Roncalli” gearbeitet. Und diese Zeit habe ich als eine Art schönes Gefängnis empfunden. Man kann zum Beispiel keine Freunde mitbringen, und mit der Familie ist es auch schwer. Ich bin der Meinung, dass es für einen Clown besser ist, seine Sachen alleine zu machen. Aber man weiß ja nie: Vielleicht schließe ich mich ja doch irgendwann wieder einem Zirkus an.

Was könnte denn stattdessen noch passieren?

Shub: Ich würde gerne in Opernhäusern auftreten. Ich mag das etwas versnobte Publikum dort. Es denkt, es hätte schon alles gesehen und würde sich mit Hochkultur auskennen. Aber komischerweise mögen solche Leute auch mich. Vielleicht, weil ich ihre Erwartungen von Clowns breche. Clownerie hat inzwischen ja eher einen schlechten Ruf. Das liegt an den vielen schlechten Clowns. Aber keine Sorge, ich bin einer von den guten.

Zlatan Alihodzic

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