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Jérôme Savary – Abschied von einem Unermüdlichen

05.03.2013 | 18:31 Uhr
Jérôme  Savary – Abschied von einem Unermüdlichen
Theaterregisseur Jerome Savary und die französische Schauspielerin Nicole Rochelle an Rande der Musical-Show 'La Revue Negre' im Januar 2006 in Barcelona.Foto: dpa

Essen.  Sein Name mag nicht mehr jedem sofort bekannt sein, seine Bedeutung für das Theater aber ist nicht zu unterschätzen. Jérôme Savary war ein lustvoller Theatermacher, dem Entertainment über alles ging und dessen Spuren bis nach Bochum reichen. Jetzt ist er mit 70 Jahren gestorben.

Was waren das noch Zeiten in Bochum, damals in den Siebzigern. Peter Zadek regierte im Schauspielhaus, versuchte sich an seiner ganz eigenen Vorstellung von Volkstheater und schleppte lauter wunderliches Volk in die Stadt.

Eine Liebesheirat

Ganz wild trieb es Jérôme Savary mit seinem 1968 gegründeten „Grand Magic Circus“, wo das Theater noch als Fest begriffen wurde, gleichzeitig aber auch als ein Ort, reif für die Zertrümmerung. Savary, der „Circus“ und Bochum, das war über längere Zeit eine Liebesheirat. Ein Kind dieser Ehe war das Projekt „Courage“, keineswegs nach Brecht, dafür aber mit Hannelore Hoger in der Titelrolle.

Diese Wildheit, diese Neugier und Schaffenskraft hat Savary sein Leben lang ausgezeichnet. Mit der unvermeidlichen Zigarre im Mundwinkel gab der französisch-argentinische Theatermacher das Enfant terrible der Bühnenwelt. Die hehre Kunst war ihm reichlich egal, er buhlte mit seinen grellen Interpretationen etwa von Offenbach-Operetten ganz unverhohlen um die Gunst des Publikums. Er sei eigentlich kein Regisseur, schrieb Peter Iden einmal über ihn, seine Fähigkeiten seien eher magischer denn ästhetischer Natur.

Das Gelernte austreiben

Savary war ein Unermüdlicher, der zu Beginn seiner Theaterarbeit sehr oft selbst auf die Bühne sprang, um den Affen ihren Zucker zu bringen oder um die Trompete zu blasen, was er virtuos beherrschte. Zufrieden war er immer dann, wenn er den Schauspielern das Angelernte austreiben konnte, um ihre kindlichen Kräfte zu aktivieren. Mit solcher Haltung inszenierte er später an vielen Bühnen und machte dabei aus Stoffen wie „Carmen“, „Der blaue Engel“ oder „La Périchole“ wahre Feuerwerke – bunt, spritzig, ironisch und voller Tempo. Seine „Cabaret“-Einrichtung mit Ute Lemper ist in Düsseldorf bis heute unvergessen.

Die Sesshaftwerdung

In den Achtzigern wurde Savary sesshafter, verpflichtete sich längerfristig als Direktor an diversen Theatern, wobei ihn das Unmögliche magisch anzog. Als er im Jahr 2000 die Pariser Opéra-Comique übernahm, hatte er kein Orchester, kein Ballett und kein Budget. Als er ging, war das Haus ein profitabler Betrieb. Gestern ist Jérôme Savary im Alter von 70 Jahren an Krebs gestorben. Ein Verlust, der nicht zu beschreiben ist.

Arnold Hohmann


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