Jenseits der Jagdgründe
16.06.2011 | 15:14 Uhr 2011-06-16T15:14:00+0200
Winnetou reitet wieder: Im Sauerland startet das Elspe-Festival in die Saison.
Obwohl der Vorstellungskraft des Schriftstellers, der den Wilden Westen nie mit eigenen Augen sah, kaum Grenzen gesetzt waren und Karl May (1842-1912) seiner Fantasie gerne die Sporen gab: Er hätte sich wohl nie träumen lassen, dass seine Schöpfungen fast 100 Jahre nach seinem Tod noch quicklebendig sind. Doch so ist es: Seine Romanfiguren schleichen wie eh und je auf leisen Mokassin-Sohlen durch die Prärie, ziehen sich im Saloon gegenseitig über den Tisch oder schwingen sich lässig aufs Pferd. Kurzum: Für Winnetou & Co. sind die ewigen Jagdgründe des kollektiven Vergessens noch in weiter Ferne.
Schließlich wird das Erbe des Autors seit mehr als 50 Jahren im sauerländischen Elspe gepflegt, mit stets spektakulären Live-Shows. Nachdem Winnetou 1958 erstmals auf der Naturbühne seine Silberbüchse knallen ließ, haben die Werke Karl Mays einen festen Platz auf dem Spielplan des Festivals. Und natürlich stehen der Apachen-Krieger, seine Gegner und seine Blutsbrüder auch in diesem Jahr wieder im Mittelpunkt des Geschehens.
„Winnetou und das Halbblut – Die letzte Schlacht um Fort Grant“ ist der Titel der Produktion, die ab Samstag (18.6.) einmal mehr Cowboy-Romantik versprüht und den abenteuerlichen Odem der weiten Prärie atmet. Über die Geschichte sei nur so viel verraten: Das Halbblut Senanda verbündet sich mit der Kavallerie gegen Old Shatterhand und Winnetou. Erst nach und nach findet der abtrünnige Senanda auf den Pfad der Tugend zurück und verhilft der Gerechtigkeit zum Sieg. Das Kriegsbeil darf also wieder verbuddelt werden. So gehört sich das.
Ebenso wenig überraschend wie der glückliche Ausgang des Freiluft-Events ist auch die Besetzung der Hauptrolle: Einmal mehr schlüpft Benjamin Armbruster in die Rolle des Winnetou – als edle Rothaut ist der Schauspieler fast so beliebt wie Film-Mime Pierre Brice. Und auch Stammakteur Rolf Schauerte ist als Bösewicht wieder mit von der Partie. Auf ein neues Gesicht dürfen sich die Festspiel-Freunde dennoch freuen: Das fransige Wildlederhemd von Old Shatterhand wird erstmals Jean-Marc Birkholz überstreifen.
Fast noch interessanter als die Rahmenhandlung ist traditionell das Drumherum in Elspe, an dem sich die Zuschauer berauschen können wie Indianer an einem großen Schluck Feuerwasser: Mehr als 40 Pferde galoppieren durch das weitläufige Open-Air-Bühnenbild, kostümierte Stuntmen fliegen durch die Luft, Revolver feuern fast ohne Unterlass. „Wobei es durchaus auch melancholische Momente geben wird“, wirft Regisseur und Elspe-Urgestein Jochen Bludau ein.
Doch nicht zuletzt die entscheidende Schlacht zwischen Rothäuten und Soldaten muss hier keineswegs den Vergleich mit großen Kinoproduktionen scheuen. Kanonenkugeln schlagen ein, Gebäude stürzen zusammen, Häuser gehen in Flammen auf. Moderne Pyrotechnik macht’s möglich, die Illusion ist beinah perfekt. „Probenzeugen sind sich einig, dass in Elspe eine derart actionreiche und spannende Story noch nicht zu sehen war“, verkündet Bludau.
Zwischen Kalksandsteinfelsen, Heidegras und den Wacholderbüschen in Elspe tut sich allerdings noch weit mehr. Bludau: „Wir bieten an Vorstellungstagen ab 10 Uhr ein buntes Rahmenprogramm mit vielen Shows“. Echtes Cowboy-Feeling gibt es in Elspe demnach als Ganztagserlebnis, ohne über den großen Teich jetten zu müssen. Karl May aus Zwickau hätte das bestimmt gefallen. Hugh!
„Winnetou und das Halbblut“: 18.6.-11.9., Naturbühne in Lennestadt-Elspe. Karten (ca. 19-31 €) gibt’s unter 02721 / 944 40 sowie online unter www.elspe.de
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